Zwei Beutel zu je 500 Gramm, ganze Bohnen, 100 Prozent Arabica aus Kolumbien: Das ist die Colombian Medium Roast, eine Bohne der Amazon-Eigenmarke by Amazon. Unsere Preisbox führt das Kilo mit ca. 14,19 Euro. Im Amazon-Katalog trägt die Sorte das Datum 30. Oktober 2025, was der Marktstart sein kann oder bloß eine Überarbeitung des Eintrags.
Wir haben die Bohne nicht getrunken und keine Packung geöffnet. Alles Folgende stammt aus dem Listing, vom Packungsfoto und von der Rainforest Alliance, deren Froschlogo auf dem Packungsfoto zu sehen ist. Wo wir rechnen oder einordnen, steht das dabei.
Angebaut in Kolumbien, geröstet in Belgien
Geliefert werden zwei Beutel, als Behältertyp steht im Katalog Tasche. Die Zutatenliste besteht aus drei Wörtern: Röstkaffee, ganze Bohnen. Angebaut wurde der Kaffee laut Listing in Kolumbien, geröstet und abgepackt in Belgien.
Bei der Sorte ist die Sache eindeutig: kein Robusta-Anteil. Den Röstgrad führt die Artikeltabelle als mittlere Röstung.
Heikler ist die Stärke, denn hier widersprechen sich zwei Stellen desselben Angebots. Ein Aufzählungspunkt lautet „Stärke: 4/5“. Auf dem Packungsfoto steht dagegen „Strength Nº3“ mit dem Zusatz „Medium“. Ob das Foto eine ältere Packung zeigt oder der Text anders zählt, lässt sich von außen nicht klären. Wer die Bohne wegen ihrer Stärke kaufen will, etwa für Milchgetränke, sollte sich auf keine der beiden Zahlen verlassen.
Den Geschmack beschreibt Amazon in einem Satz: abgerundete Säure, ausgewogene Süße, voller Körper. Dieselbe Formel steht auf Englisch auf dem Etikett, und die Artikeltabelle ergänzt zur Süße „ausgewogene Weichheit“, als Geschmacksrichtung „Kolumbianisch“. Der Katalog führt fünf Sprachen: Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch. Auf der Vorderseite im Packungsfoto stehen davon Englisch und Deutsch.
Im Detail: was „mittlere Röstung“ und eine Stärkezahl bedeuten
Beim Rösten zerfallen mit steigender Temperatur und Dauer die Säuren der Rohbohne, allen voran die Chlorogensäuren. Gleichzeitig entstehen Röstbitterstoffe, und bei sehr dunklen Röstungen tritt Öl an die Oberfläche. Eine helle Röstung behält entsprechend viel Säure, eine dunkle wenig. Die mittlere Röstung liegt dazwischen: genug Säure, dass Herkunftsaromen erhalten bleiben, genug Röstung, dass die Säure nicht spitz wird. Eine verbindliche Röstgradskala, an die sich alle halten, existiert nicht.
Mit Stärkeskalen ist es ähnlich. Jede Marke definiert ihre eigenen, Dallmayr etwa führt die Crema d’Oro auf einer Zehnerskala (6 von 10) und die prodomo auf einer Fünferskala, Amazon zählt bis 5. Was die Zahl misst, legt Amazon nicht offen, mit dem Koffeingehalt bringt der Anbieter sie jedenfalls nicht in Verbindung. Eine 4 von 5 bei mittlerer Röstung heißt deshalb nicht, dass die Bohne dunkler ist, als der Name sagt.
Dass Robusta im Espresso mehr Crema bringt, trägt laut unserem Ratgeber Bohnen-Grundlagen in den Studien nicht pauschal. Reine Arabica und reine Robusta unterschieden sich in einer Studie von 1997 beim Schaumvolumen nicht signifikant. Anders sah es bei Mischungen mit sehr viel Robusta aus (20 Teile Arabica, 80 Teile Robusta): Sie lagen in drei Laborstudien beim Schaumvolumen über reiner Arabica. Wie viel Robusta eine Mischung im Handel enthält, steht meist nicht dabei. Ob du von dieser Bohne im Vollautomaten weniger Crema bekommst als von einer Mischung, lässt sich deshalb nicht sagen.
Rainforest Alliance: was das Siegel regelt
Im Aufzählungspunkt zur Zertifizierung schreibt Amazon: „Der Kaffee, den wir für dieses Produkt beziehen, ist von der Rainforest Alliance zertifiziert.“ Der Rest des Punkts ist Werbetext über Bauernfamilien und den Regenwald.
Was hinter dem Siegel steckt, erklärt die Organisation selbst. Unabhängige Auditoren besuchen die Betriebe und Unternehmen in regelmäßigen Abständen und prüfen, ob sie die Anforderungen des jeweiligen Standards erfüllen. Inhaltlich geht es um fünf Felder: gesunde Wälder, bessere Lebensgrundlagen der Bauern, Menschenrechte, gute Umweltpraxis und Klimaresilienz.
Das Siegel betrifft also den Anbau und die Lieferkette. Röstung, Frische und Tassenprofil regelt es nicht, und es ist auch keine Herkunftsangabe.
Kolumbien, aber woher genau?
Single Origin heißt bei dieser Bohne: ein Anbauland. Innerhalb eines Landes unterscheiden sich die Kaffees aber, etwa nach der Höhe: In einer Studie aus Costa Rica, die unser Ratgeber zu Herkunft und Geschmack anführt, bevorzugten die Verkoster Kaffee aus größeren Höhen. Eine Dissertation von 2015, die der Ratgeber ebenfalls nennt, fand den Einfluss des Ursprungslands größer als den der Aufbereitung. Eine feste Rangfolge leitet der Ratgeber daraus nicht ab.
Mehr zur Herkunft verspricht die Produktbeschreibung über einen Code auf der Packung. Wer ihn scannt, soll erfahren, welche Bauern den Kaffee angebaut haben und welche Route er zum Käufer genommen hat. Was die Seite hinter dem Code tatsächlich zeigt, konnten wir nicht prüfen, dafür bräuchte es die Packung.
Eine Kuriosität am Rand: In der Artikeltabelle steht als Ursprungsland Kolumbien und als Ursprungsregion Belgien. Gemeint ist vermutlich der Röstort. Als Herkunftsangabe für den Rohkaffee taugt das Feld nicht. Warum Anbauhöhe und Aufbereitung für das Profil einer Bohne so viel ausmachen, erklärt der Ratgeber Herkunft und Geschmack.
Taugt die Bohne für Espresso und den Vollautomaten?
Laut Amazon ja: Die Bohne sei je nach Mahlgrad für alle Zubereitungen geeignet. Vom Vollautomaten ist im Listing keine Rede. Technisch spricht wenig dagegen (zur Crema siehe oben bei der Sorte). Für eine Zuordnung von Herkünften zu Brühmethoden hat unser Ratgeber zu Herkunft und Geschmack keine Quelle gefunden, Kolumbien als Anbauland spricht also weder für noch gegen den Espresso.
Die vollständige Liste des Anbieters lautet: Espresso fein, Filter mittel, italienischer Moka mittel, Kaffeebereiter grob. Mit Kaffeebereiter ist nach unserer Lesart die Stempelkanne gemeint. Ungewöhnlich ist die Mokkakanne auf der mittleren Stufe, gleichauf mit Filter. Wir würden bei der Kanne am feinen Ende von mittel anfangen und gröber stellen, falls der Kaffee zäh und bitter durchläuft.
Im Siebträger verlangt eine mittlere Röstung mehr Sorgfalt als eine dunkle. Es gibt weniger Röstbitterkeit, die Fehler überdeckt, und eine Unterextraktion fällt sofort sauer aus. Du brauchst dafür eine Mühle mit feinen Schritten im Espressobereich und korrigierst zuerst über den Mahlgrad, dann über die Dosis. Wie du dabei vorgehst, steht im Ratgeber Mahlgrad einstellen, die Mengen für deine Tassengröße rechnest du im Brüh-Rechner aus.
Im Vollautomaten stellt sich die Frage anders, weil das eingebaute Mahlwerk nur eine begrenzte Zahl von Stufen hat und du die Dosis selten auf das Gramm steuerst. Schwarz getrunken, etwa als Caffè Crema oder Lungo, sehen wir keinen Grund gegen die Bohne. Für Cappuccino mit viel Milch hängt es an der Stärke, und die ist, wie oben beschrieben, widersprüchlich angegeben.
Was eine Tasse kostet und wie lange ein Beutel reicht
Wir rechnen mit dem Verhältnis 1:16, das unser Ratgeber Filterkaffee zubereiten als Ausgangswert nennt. Ein Liter Filterkaffee braucht damit 62,5 Gramm Bohnen, das Kilo reicht für 16 Liter. Bei ca. 14,19 Euro pro Kilo kostet der Liter rund 89 Cent, die Tasse mit 125 Millilitern rund 11 Cent. Für den doppelten Espresso mit 18 Gramm im Sieb ergeben sich 55 Bezüge pro Kilo und rund 26 Cent je Bezug.
Wer morgens einen halben Liter Filterkaffee kocht, braucht gut 31 Gramm am Tag und kommt mit 500 Gramm 16 Tage aus. Mit zwei doppelten Espressi täglich, also 36 Gramm, reicht der Beutel knapp 14 Tage.
Hier hilft die Aufteilung in zwei Beutel. Ganze Bohnen verlieren nach dem Öffnen durch Sauerstoff nach und nach Aroma, und je kleiner die geöffnete Menge, desto kürzer liegt sie offen. Solange der zweite Beutel verschlossen bleibt, altert er langsamer als eine angebrochene Kilotüte. Für den geöffneten Beutel würden wir eine luftdichte Dose nehmen und sie kühl und dunkel stellen, aber nicht in den Kühlschrank, wo die Bohnen Feuchtigkeit und Fremdgerüche aufnehmen.
Was das Listing offenlässt
Ungeklärt bleiben der Name der Rösterei in Belgien; Anbauregion, Farm oder Kooperative und die Anbauhöhe; die Varietät innerhalb der Arabica und die Aufbereitung; Erntejahr, Röstdatum und Mindesthaltbarkeitsdatum; ob der Beutel ein Aromaventil hat, wiederverschließbar ist oder unter Schutzatmosphäre abgepackt wurde; Koffeingehalt in Milligramm und ein Säurewert; eine Empfehlung zur Dosis pro Tasse und ein Lagerhinweis für die geöffnete Packung; und die Nummer des Rainforest-Alliance-Zertifikats. Auch die Katalogmaße von 20,5 mal 18,8 mal 14,8 Zentimetern helfen kaum, weil aus dem Eintrag nicht hervorgeht, ob sie einen Beutel oder das Doppelpack beschreiben.
Beim Ventil lohnt der Blick auf den gelieferten Beutel. Ein kleiner runder Kunststoffknopf lässt Kohlendioxid hinaus und keinen Sauerstoff hinein. Fehlt er, würden wir den Beutel nach dem Öffnen umso schneller umfüllen.
Diese Bohne oder eine der drei anderen?
Im Kaffeebohnen-Vergleich mit 23 Sorten ist pro Kilo nur die Gimoka Classico günstiger, mit ca. 13,63 Euro. Bei der Gesamtwertung steht die Colombian Medium Roast dagegen am Ende der Liste, ihre stärkste Teilnote ist die Preis-Leistung mit 8,6. Die drei Alternativen unten sind die, zwischen denen ein Käufer dieser Bohne nach unserer Einschätzung tatsächlich schwankt.
| Sorte | Röstung und Herkunft | Preis pro kg | Unsere Wertung | Nimm diese, wenn |
|---|---|---|---|---|
| Amazon Colombian Medium Roast (diese) | Mittlere Röstung, 100 % Arabica aus Kolumbien ohne Regionsangabe, geröstet in Belgien, Rainforest Alliance | ca. 14,19 € | 7,9 | du ein Siegel willst und fürs Kilo möglichst wenig ausgeben möchtest |
| Incapto Single Origin Kolumbien | Mittlere Röstung laut Röster, Region Huila, Erzeuger Cadefihuila, laut Hersteller 84 SCA-Punkte | ca. 35,95 € | 9,0 | du bei Kolumbien-Kaffee Region und Erzeuger kennen willst |
| 360° Rundum Ehrlich Bio Honduras | Lange, schonende Röstung, die laut Röster die Säure senkt, Hochland Honduras, Bio (DE-ÖKO-005) | ca. 35,59 € | 9,3 | dir Säure schlecht bekommt oder ein Bio-Siegel Pflicht ist |
| Dallmayr Crema d’Oro | Arabica und Canephora, Intensität 6 von 10, Anbauländer ungenannt, laut Dallmayr für Vollautomat und Siebträger | ca. 15,99 € | 8,6 | du vor allem Caffè Crema aus dem Vollautomaten ziehst und kein Siegel brauchst |
Die Tabelle stellt die Kilopreise aus unseren Datenblättern im September 2026 gegenüber, bei Amazon können sie sich seitdem verschoben haben. Die Wertung ist unsere redaktionelle Einschätzung aus dem Datenvergleich, den Geschmack der vier Bohnen bildet sie nicht ab.
Wann diese Bohne passt und wann eine andere
Am klarsten passt sie, wenn du Filterkaffee, Stempelkanne oder Mokkakanne im Alltag nutzt und eine Mühle hast. Für alle drei Wege hat Amazon eine Mahlstufe angegeben, und mittlere Röstungen gehören laut unserem Ratgeber für Filter und Espressokocher zu den üblichen Empfehlungen. Mit einem halben Liter Filterkaffee am Tag kommst du, wie oben gerechnet, 16 Tage mit einem Beutel aus.
Ziehst du vor allem Milchgetränke aus dem Vollautomaten und hängst an der Crema, ist die Dallmayr Crema d’Oro die naheliegende Alternative. Sie kostet mit ca. 15,99 Euro pro Kilo 1,80 Euro mehr, enthält neben Arabica auch Canephora, also Robusta, und wird von Dallmayr ausdrücklich für Vollautomat und Siebträger empfohlen.
Wenn dir säurebetonter Kaffee auf den Magen schlägt, würden wir eher zur 360° Rundum Ehrlich Bio Honduras greifen. Der Röster gibt an, die Säure über eine lange, schonende Röstung weiter zu reduzieren, und die Bohne ist Bio. Das Kilo liegt mit ca. 35,59 Euro rund 21 Euro über der Amazon-Bohne. Amazon selbst spricht bei seiner Bohne von „abgerundeter“ Säure, was nichts über den Säuregehalt aussagt.
Zieht dich an Kolumbien-Kaffee gerade die Herkunft, ist die Amazon-Bohne die falsche Wahl. Die Incapto Single Origin Kolumbien kostet mit ca. 35,95 Euro gut das Zweieinhalbfache, rund 22 Euro mehr pro Kilo. Pro doppeltem Espresso zahlst du bei Incapto etwa 65 Cent.
Klar abraten würden wir, wenn du auf gemahlenen Kaffee angewiesen bist, denn eine gemahlene Ausführung gibt es auf der Produktseite nicht. Das Gleiche gilt, wenn du beim Einkauf auf ein Bio- oder Fairtrade-Zeichen achtest: Laut Listing trägt die Bohne nur das der Rainforest Alliance. Alle 23 Sorten stehen im Kaffeebohnen-Vergleich, die acht bestbewerteten in der Bestenliste Kaffeebohnen.



