Die kurze Antwort: Die V60- und Kalita-Rezepte der Hersteller liegen zwischen 1:14 (Hario Japan) und 1:18 (Kalita), die SCA prüft Maschinen mit 55 g Kaffee je kg Wasser (1:18,2). Wir würden mit 1:16 anfangen, mittelfein mahlen und Wasser von 92 bis 96 °C nehmen, wie Hario UK es nennt. Nach Batali et al. (2020) ändert die Temperatur zwischen 87 und 93 °C das Sensorikprofil kaum, solange Brühstärke und Ausbeute gleich bleiben; beide hängen an Dosis und Mahlgrad.
Handfilter zubereiten: die Anleitung Schritt für Schritt
Die Schritte folgen den Rezepten von Hario (Japan und UK), Kalita und dem Deutschen Kaffeeverband. Wo die Quellen auseinanderliegen, steht die Spanne in den Abschnitten danach.
- Papier und Dripper aufeinander abstimmen. Der Hario V60 ist ein Kegel mit 60 Grad Öffnungswinkel, ein Trapezfilter passt laut Review zum V60 Starter Set nicht hinein. Der Kalita Wave 185 ist ein Flachbodentrichter mit drei Löchern, und für ihn sieht Kalita kein anderes Papier vor als den Wave-Filter 185, weder Trapez noch Kegel. Bei der Chemex sind laut Hersteller nur die eigenen Bonded-Filter vorgesehen. Welches Papier passt, hängt also am Gerät.
- Das Papier mit heißem Wasser spülen und das Wasser wegschütten. Hario nennt als Gründe, dass das Gerät warm wird und der Papiergeruch verschwindet; Hario UK spült zugleich, um Dripper und Tasse vorzuwärmen. Kalita erwartet weniger Papiergeschmack und eine stabilere Brühtemperatur. Chemex hält das Vorspülen für keinen Pflichtschritt, es entfernt Papierfasern und wärmt die Karaffe.
- Den Kaffee mittelfein mahlen und ins Papier geben. Welche Quelle mittelfein sagt und was Chemex und Kalita anders angeben, steht im Abschnitt zum Mahlgrad.
- Dripper samt Kanne auf die Waage stellen und tarieren. Hario UK rechnet in Gramm: 15 g Kaffee, gegossen wird, bis die Waage 250 g zeigt. So hältst du ein Verhältnis genau ein, ohne Messbecher.
- Das Mehl anfeuchten und warten (Bloom). Hario gießt dazu langsam von der Mitte aus, bis alles Mehl feucht ist. Menge und Wartezeit nennen die Quellen unterschiedlich, die Spanne steht im Bloom-Abschnitt.
- Danach in Spiralen aufgießen. Hario Japan setzt drei Güsse zu je dem Vierfachen der Kaffeemenge, Hario UK gießt langsam kreisend nach, bis das Zielgewicht erreicht ist, der Kaffeeverband beginnt mit einem kleinen Schwall und gießt danach in kleinen Mengen nach, wann genau, steht im Bloom-Abschnitt. Beide Hario-Anleitungen sparen den Papierrand aus. Unsere Folgerung dazu: Wasser, das am Papier entlangläuft, kommt am Kaffeemehl vorbei.
- Die Zeit im Blick behalten. Hario Japan will den Aufguss unabhängig von der Tassenzahl innerhalb von 3 Minuten abgeschlossen haben, Hario UK nennt für 250 ml etwa 2,5 Minuten, Kalita im letzten Schritt 2 bis 3 Minuten, bis das Wasser durchgelaufen ist, der Kaffeeverband 3 bis 5 Minuten Durchlaufzeit. Fertig ist der Aufguss, wenn das gesamte Wasser durchgelaufen ist (Hario). Bodum verlangt, den Filter erst dann abzunehmen, es besteht Verbrühungsgefahr.
Brühstärke und Ausbeute: was beim Aufguss passiert
Zwei Größen beschreiben einen Filterkaffee. Die Brühstärke (TDS) ist der Anteil gelöster Stoffe im Getränk, in Prozent. Die Ausbeute (PE) ist der Anteil des Kaffeemehls, der ins Getränk übergegangen ist. Die Dosis legt vor allem die Stärke fest, Mahlgrad und Durchlaufzeit bestimmen vor allem die Ausbeute (unsere Einordnung).
Die klassische Brewing Control Chart geht auf Lockhart (1957) zurück und steht im SCA Coffee Brewing Handbook von Lingle. Als ideale Zone nennt sie 1,15 bis 1,35 Prozent TDS und 18 bis 22 Prozent Ausbeute und setzt sie mit dem SCA Golden Cup Standard gleich. Die SCA-Norm 310-2021 für Maschinen peilt bei 55 g/kg 1,15 bis 1,55 Prozent TDS an, das European Coffee Brewing Centre (ECBC) verlangt nach Herstellerangabe von Moccamaster 1,30 bis 1,55 Prozent. Auf die Ausbeute umgerechnet, ergibt das bei 55 g/kg 18,7 bis 25,3 Prozent (unsere Rechnung, die Formel steht in der FAQ). Die Norm lässt damit mehr Ausbeute zu als die klassische Zone.
Ob die Zone den Geschmack trifft, haben mehrere Studien der UC Davis geprüft. Batali, Ristenpart und Guinard (2020, Scientific Reports 10, 16450) ließen geschulte Prüfer Drip-Kaffee mit unterschiedlicher Stärke und Ausbeute bewerten. Das TDS hatte den größten Einfluss, die Ausbeute einen kleineren. Bitter, adstringierend und viskos nahmen mit dem TDS zu, ohne signifikanten Zusammenhang mit der Ausbeute. Sauer, Zitrus und Beere stiegen mit dem TDS und fielen mit steigender Ausbeute: Am sauersten war es bei hohem TDS und niedriger Ausbeute, beim Attribut sauer lagen etwa 20 Punkte (von 100) zwischen den Extremen. Die Autoren halten fest, dass das von der klassischen Chart abweicht, die Bitterkeit bei hoher Ausbeute verortet. Ihre Grenzen: ein Arabica, eine Drip-Maschine.
Frost, Ristenpart und Guinard (2020, Journal of Food Science 85(8)) brühten einen Arabica in drei Röstgraden und neun Zielkombinationen aus TDS und Ausbeute. 21 von 30 Attributen unterschieden sich signifikant, sieben davon (darunter sauer und bitter) ließen sich bei allen drei Röstungen signifikant aus TDS und Ausbeute beschreiben, und die Süße sank bei allen drei Röstungen mit steigendem TDS. Zur Bitterkeit: Laut Batali et al. fanden Frost et al., dass Bitterkeit und Viskosität bei Verallgemeinerung über die Röstungen mit TDS und Ausbeute zunehmen, je Röstung verschieden (von Frost et al. lag uns nur der Abstract vor, dieser Teil stammt aus der Darstellung von Batali et al.). Beim Zusammenhang von Bitterkeit und Ausbeute sind sich die beiden Studien also nicht einig. Cotter et al. (2021, Journal of Food Science 86(1)) ließen 118 überwiegend junge Konsumenten schwarzen Kaffees bewerten und fanden zwei Gruppen, deren Vorlieben vor allem mit dem TDS wechselten. Guinard et al. (2023, Journal of Food Science 88(5)) fassen die Drip-Studien zu neuen Charts zusammen und halten die klassische für zu grob.
Praktisch gelesen, und nur nach Batali et al.: Bittere Noten wuchsen dort mit der Stärke, die du über die Dosis verstellst (unsere Einordnung), und nicht signifikant mit der Ausbeute; bei Frost et al. sah das, wie oben beschrieben, anders aus. Wie sich beides während des Aufgusses aufbaut, fassen Batali et al. nach Lee, Kempthorne und Hardy (1992) so zusammen: Die Hälfte der gemessenen Kaffeebestandteile löst sich im ersten Viertel des Brühvolumens, langsamer lösliche Aromastoffe wie Methylcinnamat und Indol kommen später. Dass weiteres Wasser die schnellen Stoffe verdünnt und den langsamen mehr Zeit gibt, ist die eigene Folgerung von Batali et al., nicht Teil der Arbeit von 1992.
Wie viel Kaffee auf wie viel Wasser?
Die Quellen gehen auseinander. Die SCA setzt für die Prüfung zertifizierter Haushaltsmaschinen 55 g/kg an (1:18,2), und ihr Standard 310-2021 schließt den Handaufguss ausdrücklich aus. Das ECBC verlangt nach Herstellerangabe von Moccamaster 60 g je Liter (1:16,7), Hario UK rechnet für den V60 mit 15 g auf 250 ml, ebenfalls 60 g je Liter. Hario Japan kommt mit dem Zweifachen fürs Bloom und drei Güssen zu je dem Vierfachen auf das 14-Fache der Kaffeemenge an Wasser (1:14, unsere Rechnung). Kalita empfiehlt 20 g auf 320 g Wasser (1:16) und gibt 1:16 bis 1:18 als Rahmen vor. Der Deutsche Kaffeeverband setzt auf seiner Website 7 bis 10 g je Tasse zu 125 bis 150 ml an, in seiner Broschüre ca. 7 g je Tasse und ca. 65 g/l.
Unsere Einschätzung: Als Ausgangswert nehmen wir 1:16, also 62,5 g je Liter. So steht es im Kalita-Rezept und in der Anleitung des Fellow Opus, der Wert liegt dicht bei Hario UK und dem ECBC (Herstellerangabe von Moccamaster) mit 60 g und unter den 65 g der Kaffeeverband-Broschüre. Von dort tastest du dich innerhalb von 1:15 bis 1:17 vor. Cotter et al. (2021) fanden, dass Konsumenten schwarzen Kaffee über einen weiten Bereich von Stärke und Ausbeute bevorzugen; wie kräftig er sein soll, entscheidest du also selbst. Eines ist reine Rechnung: Auch 1:17 ist noch kräftiger als das SCA-Prüfverhältnis von 1:18,2.
| Wassermenge | 1:14 (Hario Japan) | 1:15 | 1:16 (unser Ausgangswert) | 1:17 | 55 g/kg = 1:18,2 (SCA-Prüfwert) |
|---|---|---|---|---|---|
| 250 ml (2 Tassen) | 17,9 g | 16,7 g | 15,6 g | 14,7 g | 13,8 g |
| 500 ml (4 Tassen) | 35,7 g | 33,3 g | 31,3 g | 29,4 g | 27,5 g |
| 750 ml (6 Tassen) | 53,6 g | 50 g | 46,9 g | 44,1 g | 41,3 g |
| 1.000 ml (8 Tassen) | 71,4 g | 66,7 g | 62,5 g | 58,8 g | 55 g |
Für andere Mengen teilst du das Wasser in Gramm durch das Verhältnis, oder du nimmst den Brüh-Rechner. Die Tassenzahl ist nur als Maß brauchbar, wenn man die Tasse kennt: WMF, Severin und Braun rechnen 125 ml, Melitta und Moccamaster 1,25 l für zehn Tassen, der Kaffeeverband 125 bis 150 ml, Chemex 5 Unzen (rund 148 ml) und das Bundesinstitut für Risikobewertung für Filterkaffee 200 ml. Wir rechnen in der Tabelle mit 125 ml je Tasse.
Welcher Mahlgrad ist beim Filterkaffee richtig?
Mittelfein sagen Hario für den V60, der Kaffeeverband, WMF und Dallmayr. Kalita und Chemex sagen mittelgrob, Kalita vergleicht mit Meersalz. AeroPress Inc. empfiehlt für die AeroPress mittelfein bei 30 Sekunden und mittel bei 60 Sekunden. Eine feste Rangfolge, nach der Filterkaffee gröber oder feiner als die AeroPress zu mahlen wäre, lässt sich aus diesen Angaben nicht ableiten.
Hario gibt in seinem Mühlen-FAQ als ungefähre Körnung an: fein 0,5 bis 0,8 mm, mittelfein 0,5 bis 1,0 mm, mittel 1,0 bis 1,5 mm, grob 1,0 bis 2,0 mm. Die Bereiche überlappen, fein liegt vollständig innerhalb von mittelfein. In den Anleitungen der Handmühlen steht für Papierfilter fein bis mittel bei der Skerton N und halbfein bis mittel bei der Mini Slim Plus, für die Filterkaffeemaschine mittelfein bis mittel (Skerton N). Eine Norm, die fein, mittel und grob festlegt, haben wir nicht gefunden. Messbar wird es erst in Mikrometern: Das Prüfmahlgut der SCA für Maschinen mit konischem Korb besteht zu mindestens 68 Prozent aus Partikeln zwischen 425 und 850 µm, höchstens 20 Prozent liegen darunter, weniger als 12 Prozent darüber. Das sind Prüfwerte für Maschinen.
Die Mühlenhersteller geben Startwerte in ihren eigenen Skalen an, und die lassen sich nicht übertragen. Baratza nennt im Handbuch der Virtuoso+ auf einer Skala von 1 (sehr fein) bis 40 die 15 für den V60, 18 für die Filtermaschine, 20 für die Chemex und 28 für die French Press und schreibt, die genaue Einstellung finde man nur durch Ausprobieren. Beim Fellow Opus sind es für Pour-over 5 bis 9 auf dem Außenring, bei der Wilfa Svart Uniform+ 14 bis 28, bei der 1Zpresso Q Air 18 bis 32. Die Comandante C40 MK4 nennt laut Hersteller-FAQ für den Handfilter 18 bis 35 Klicks ab Nullpunkt, je nach Dosis und Brüher, die KINGrinder K6 startet laut Handbuch bei 100 Klicks (16 µm je Klick). Die Rasten der Hario MM-2 zählen vom Nullpunkt: 4 fein, 7 mittelfein, 9 mittel, 11 grob. Wie du von einem Startwert aus in kleinen Schritten nachstellst, steht im Ratgeber Mahlgrad einstellen.
Der Kaffeeverband rät, das Pulver möglichst frisch zu verwenden und kühl und luftdicht zu lagern. Beim Mahlen werden die Bohnen zerdrückt und zerschnitten, ein Großteil des enthaltenen Kohlendioxids und flüchtige Aromen werden frei.
Wassertemperatur: welche Spanne gilt, und wo wird gemessen?
Die Zahl hängt davon ab, wer sie nennt. SCA 310-2021 verlangt von zertifizierten Maschinen 90 bis 96 °C im Kaffeebett: Spätestens bei 33 Prozent aufgegebenem Wasser muss das Bett in diesem Bereich liegen und bis zum Ende des Durchlaufs darin bleiben, gemessen mit drei Thermoelementen im Sekundentakt. Das ECBC fordert nach Herstellerangabe von Moccamaster und Melitta 92 bis 96 °C (198 bis 205 °F). Hario UK nennt für den V60 ebenfalls 92 bis 96 °C Wassertemperatur, Kalita 195 bis 205 °F (auf der US-Seite ohne Einheit, gemeint ist Fahrenheit, umgerechnet 90,6 bis 96,1 °C). Bodum nennt im japanischen Teil der Anleitung etwa 90 bis 95 °C, Dallmayr etwas über 90 °C. Der Kaffeeverband sagt 88 bis 95 °C auf seiner Website, 88 bis 96 °C in der Broschüre, aber nie darüber. Die Norm misst im Kaffeebett, die Rezepte nennen die Wassertemperatur: Zwei Zahlen mit demselben Gradzeichen sind also nicht dasselbe.
Was die Spanne bewirkt, hat Batali et al. (2020) geprüft. Sie brühten Drip-Kaffee derselben Arabica-Röstung bei 87, 90 und 93 °C und passten Mahlgrad, Dosis und Durchflusszeit so an, dass TDS und Ausbeute gleich blieben (270 Brühungen, geschulte Prüfer, blind, serviert bei 65 °C). Multivariat zeigte sich kein signifikanter Temperatureffekt, von 31 Attributen unterschied sich nur nussig, um etwa einen Punkt auf 100. Die Autoren schließen, dass die Temperatur bei gleichem TDS und gleicher Ausbeute einen vernachlässigbaren Einfluss auf die wahrnehmbare Qualität hatte. Sie halten außerdem fest, dass keine der von ihnen gesichteten Quellen Daten für die SCA-Spanne von 92 bis 96 °C liefert (die ältere SCA-Vorgabe, die sie zitieren; SCA 310-2021 nennt 90 bis 96 °C). Grenzen: ein Kaffee, eine programmierbare Maschine, nur 87 bis 93 °C. Zu 100 °C und zum Handaufguss sagt die Studie nichts.
Ältere Arbeiten gingen anders vor. Pangborn (1982) und Andueza et al. (2003) stammen aus zweiter Hand, über Batali et al.: Pangborn fand bei gerührtem Pour-over mit destilliertem Wasser von 65, 80, 90 und 100 °C, dass Bitterkeit und Säure im Allgemeinen mit der Temperatur zunahmen. Andueza et al. variierten beim Espresso 88 bis 98 °C, heißeres Wasser erhöhte TDS und Ausbeute und brachte herbere, röstigere, bittere und saure Noten. Klotz, Winkler und Lachenmeier (2020, Volltext gelesen) ließen 24 Prüfer Espresso in der Dreiecksprüfung vergleichen: 80 gegen 128 °C erkannten 15 von 24 (signifikant), 80 gegen 93 °C 11 von 24 (nicht signifikant). Bei Andueza et al. ging die höhere Temperatur mit höherem TDS und höherer Ausbeute einher, Batali et al. halten beides konstant und sehen den Effekt verschwinden. Unsere Lesart: Die Temperatur wirkt vor allem über diese beiden Größen.
Zu kochendem Wasser sagt der Kaffeeverband, Kaffee werde anders als Tee grundsätzlich nicht damit zubereitet, weil Aromen zerstört würden; der Verband belegt das nicht mit einer Messung. Wie lange Wasser nach dem Kochen bis in die Spanne braucht, hängt von Kessel, Menge und Raum ab. Die einzige Zahl, die wir gefunden haben: Rune et al. (2026) ließen 900 g Wasser nach dem Kochen eine Minute stehen, bis es 92 °C erreichte. Das ist ihr Aufbau mit einer Bodum-French-Press, kein Naturgesetz; mit einem Küchenthermometer prüfst du deinen Kessel selbst. Unsere Einschätzung: Wir würden Kochwasser kurz stehen lassen und in der Spanne der Hersteller bleiben, aber bei zu saurem oder bitterem Kaffee zuerst an Mahlgrad oder Dosis drehen und die Temperatur in Ruhe lassen.
Was bringt das Blooming beim Filterkaffee?
Das Entweichen von Gas ist belegt, die Wirkung nicht. Nach Chemex ist der Bloom das aus der Röstung in den Bohnen eingeschlossene Gas, das beim Anfeuchten entweicht; danach könnten Aromastoffe und Öle ungehindert extrahiert werden, das verbessere den Geschmack. Kalita schreibt, der Bloom setze Kohlendioxid und mögliche Säuerlichkeit frei und lasse das Bett aufquellen, überspringen solle man ihn nicht. Beides sind Herstellerangaben.
Menge und Dauer gehen auseinander. Hario Japan nimmt das Zweifache der Kaffeemenge und wartet 30 Sekunden, Kalita das Dreifache (60 g auf 20 g Kaffee) und 30 bis 45 Sekunden, Hario UK gerade so viel, dass alles Mehl durchfeuchtet ist, und etwa 30 Sekunden. Der Kaffeeverband lässt laut Website nach wenigen Sekunden, laut Broschüre nach etwa zehn bis 30 Sekunden nachgießen, Chemex nennt weder Menge noch Dauer.
Wie viel Gas im Kaffee steckt, hängt auch am Alter seit der Röstung: Laut Kaffeeverband gasen Bohnen über Stunden bis zu zwei Monate nach dem Rösten aus. Wie Alter und Lagerung beim Bloom zusammenspielen, und eine Messung, die Dauer oder Wassermenge des Blooms mit Extraktion oder Geschmack beim Handaufguss verknüpft, haben wir nicht gefunden. Smrke et al. (2018) beschreiben die CO2-Freisetzung als Frischeindikator, der die Extraktion und möglicherweise das Sensorikprofil beeinflusse, aber wenig untersucht sei.
Unsere Einschätzung: Wir würden den Bloom mitnehmen, weil Hario, Kalita und Chemex ihn alle vorsehen und er wenig kostet, ungefähr 30 Sekunden und zwei- bis dreimal so viel Wasser wie Kaffee. Ob er den Kaffee belegbar besser macht, lassen wir offen.
Welches Wasser eignet sich am besten für Filterkaffee?
Ein Kaffeegetränk besteht zu etwa 98 Prozent aus Wasser, schreiben Kaffeeverband und Melitta. Gegengerechnet mit der Zielstärke der SCA-Norm sind es 98,45 bis 98,85 Prozent. Was darin gelöst ist, wirkt auf den Geschmack, nur streiten die Quellen, was genau. Melitta schreibt, sehr weiches Wasser verstärke die Säure des Kaffees, sehr hartes schwäche sie ab. Der Kaffeeverband hält hartes, kalkhaltiges und gechlortes Wasser für schlecht. Beide legen dazu keine Zahlen oder Messungen vor.
Die jüngste Studie, die wir gefunden haben, ist Rune et al. (2026, Journal of Food Science 91(9), e71434). Ein kolumbianischer Kaffee mittlerer Röstung wurde in der French Press (50 g auf 900 g Wasser, 92 °C, 4 Minuten) mit Reinstwasser plus Calcium, Magnesium und Hydrogencarbonat gebrüht und von ungeschulten und geschulten Prüfern bewertet. Härte allein, Calcium bis 264 mg/l und Magnesium bis 80 mg/l, erzeugte keine auffälligen Unterschiede.
Anders bei Hydrogencarbonat. Im Duo-Trio-Test erkannten ungeschulte Prüfer bei 120 mg/l Hydrogencarbonat gerade eben einen Unterschied zu Reinstwasser (20 von 30 richtig, p = 0,049), bei 240 mg/l deutlich (24 von 30, p < 0,001). In der beschreibenden Prüfung mit zehn geschulten Prüfern dämpften 300 mg/l Hydrogencarbonat Säure, Fruchtigkeit und Komplexität und verstärkten Bitterkeit und Röstnoten, die Säure fiel auf der 15-cm-Skala von 12,0 auf 2,9. Die Autoren sehen in der Alkalinität die Hauptursache der Veränderungen, nicht in der Härte, und vermuten, die engen Härtefenster der Wasserempfehlungen spiegelten eher Maschinenschutz als einen belegten Geschmacksvorteil. Grenzen: ein Kaffee, ein Röstgrad, French Press statt Filter, TDS und Ausbeute nicht gemessen, keine Verbraucher befragt. Ältere Sensorik (Lockhart 1955, Pangborn 1971, nach Rune et al.) fand bei destilliertem Wasser zu saure, bei carbonatreichem Wasser flache und bittere Brühen.
Die Empfehlungen der Branche liegen niedriger. Das Prüfwasser der SCA 310 hat eine Calciumhärte von 50 bis 175 ppm CaCO3 (rund 2,8 bis 9,8 °dH, unsere Umrechnung), eine Alkalinität von 40 bis 70 ppm und pH 6 bis 8. Die SCAE Water Chart (Wellinger, Smrke, Yeretzian, ZHAW, 2017) nennt Härte 50 bis 175 und Alkalinität 40 bis 75 ppm, räumt aber ein, es gebe nicht genug Daten, um die Wirkung genau zu beschreiben. Gebrühter Kaffee brauche tendenziell weniger Alkalinität als Espresso, und auch Wasser mit hoher Gesamthärte könne einen guten Filteraufguss ergeben. Zur Erklärung gibt es eine Rechnung und einen Gegenbefund: Hendon et al. (2014) berechneten, wie Natrium, Magnesium und Calcium an Kaffeesäuren binden; Bratthäll et al. (2024) fanden bei trinkwassertypischen Konzentrationen nur begrenzte Unterschiede im Säuregehalt der Brühen.
Wie weit Leitungswasser davon entfernt sein kann, zeigt Hamburg Wasser in den Analysewerten 2025 für das Grundwasserwerk Schnelsen: Gesamthärte im Mittel 13,96 °dH, Karbonathärte 9,9 °dH, Säurekapazität bis pH 4,3 von 3,54 mmol/l, Calcium 85 mg/l, Magnesium 9 mg/l. Das entspricht rund 177 mg/l als CaCO3 und rund 216 mg/l Hydrogencarbonat (unsere Umrechnung). Dieser Wert gilt für das Wasserwerk, nicht für jeden Haushalt in Hamburg. Die Härte muss dein Versorger veröffentlichen: Die Trinkwasserverordnung (§ 46 Abs. 1 Nr. 3) verlangt sie nach § 9 des Wasch- und Reinigungsmittelgesetzes, dazu Calcium, Magnesium und Kalium. Hydrogencarbonat oder Säurekapazität steht in dieser Nummer nicht, kann aber in den Analysen stehen. Nach dem Gesetz ist Wasser weich unter 1,5 mmol Calciumcarbonat je Liter (unter 8,4 °dH), mittel von 1,5 bis 2,5 (8,4 bis 14 °dH) und hart darüber (unsere Umrechnung mit 5,608 °dH je mmol/l).
Zum Wasserfilter raten die Stellen zurückhaltend. Das Umweltbundesamt hält eine zusätzliche Behandlung des Trinkwassers im Haus in der Regel nicht für nötig, Filter ohne regelmäßigen Wechsel können verkeimen. Die Verbraucherzentrale rät bei Tischfiltern zu regelmäßigem Kartuschenwechsel und Reinigung. Die Stiftung Warentest (test 7/2022) fand, dass fast alle frischen Kannenfilter Wasser mit 16 bis 17 °dH weich machten, nach dem ersten Viertel der angegebenen Kapazität aber nur noch mittelhartes Wasser schafften; im simulierten Urlaubsszenario enthielten alle geprüften Kannen Bakterien, ein Modell auch Schimmelpilze. Hario UK rät dagegen im Brew Guide zu gefiltertem Wasser, wenn möglich. Wir würden erst die Analyse des Versorgers lesen und keinen Filter auf Verdacht kaufen. Weiteres zu Härte und Geschmack steht im Ratgeber Wasserhärte und Kaffee.
Filterkaffee aus der Maschine zubereiten
SCA 310-2021 betrifft elektrische Haushaltsfiltermaschinen bei Atmosphärendruck, Handaufgussgeräte, French Press, Espresso- und Kapselgeräte sind ausdrücklich ausgenommen. Seine Zahlen sind Prüfbedingungen: 55 g Kaffee je kg frischem Wasser von 17 ± 3 °C, 90 bis 96 °C im Kaffeebett, bei beheizter Kanne 80 bis 85 °C im Kaffee. Eine Mindest- oder Höchstbrühzeit enthält der Standard nicht. Die Anleitung einer zertifizierten Maschine muss eine Mahlgradempfehlung, das Verhältnis von 55 g/kg (oder die Entsprechung in anderen Einheiten), den empfohlenen Filtertyp und Reinigungshinweise enthalten. Geprüft wird mit 100 Prozent Arabica in mittlerer Röstung, mindestens eine bis anderthalb Wochen nach der Röstung.
Das ECBC kommt laut Moccamaster USA auf andere Werte: 60 g Kaffee je Liter, 4 bis 6 Minuten Brühzeit, 198 bis 205 °F im Filterkorb (binnen der ersten Minute zu erreichen), eine Kanne, die den Kaffee in den ersten 30 Minuten nicht unter 176 °F (80 °C) fallen lässt, und höchstens 75 mg Sediment je 100 ml. Melitta erklärt die Auszeichnung Goldene Bohne des ECBC in Oslo mit denselben Beispielen, 92 bis 96 °C und 4 bis 6 Minuten. Die Stiftung Warentest nennt für 15 geprüfte Filterkaffeemaschinen (test 11/2024) dagegen acht bis zwölf Minuten für eine ganze Kanne; Moccamaster nennt für die KBG Select etwa 6 Minuten für 1,25 l. Das Aroma bewertete die Stiftung laut einer Antwort der Redaktion in den Kommentaren zum Test nicht, weil Wasserhärte, Kaffeesorte, Mahlgrad, Menge und Geräteeinstellungen zu stark hineinspielen.
Beim Dosieren gehen die Hersteller eigene Wege. Moccamaster rechnet 60 g je Liter (75 g für die volle Kanne), die Melitta AromaFresh X 6 bis 8 g je Tasse im Pulverbetrieb, die WMF Stelio Aroma 5 bis 7 g mittelfein je Tasse zu 125 ml. Umgerechnet auf Gramm je Liter bei 125-ml-Tassen sind das 48 bis 64 bei Melitta und 40 bis 56 bei WMF, also zum Teil unter dem SCA-Prüfverhältnis von 55 g. Bei der Severin KA 4810 gilt eine Löffeltabelle im Pulverbetrieb, zum Beispiel 4,5 bis 6 Löffel für 6 Tassen und 8 bis 10 für 10 Tassen. Die Braun PurShine KF 1500 begrenzt das Pulver auf 10 Löffel. Die Mahlgradregel steht bei Severin im Handbuch: helle Röstung fein, dunkle grob.
Warmhalten: Platte, Isolierkanne und die 40 Minuten
Die Normen betreffen den Kaffee in der Kanne, nicht die Platte. SCA 310-2021 verlangt von beheizten Kannen, den Kaffee 30 Minuten lang bei 80 bis 85 °C zu halten, über 85 °C darf ihn das Heizelement nie bringen. Das ECBC verlangt nach Herstellerangabe von Moccamaster mindestens 80 °C in den ersten 30 Minuten. Zum Vergleich: Wasser siedet erst bei 100 °C. Moccamaster nennt für die Platte der KBG Select 80 bis 85 °C, der Kaffee komme mit 82 bis 85 °C in der Kanne an, die Abschaltung folge 40 Minuten nach Brühbeginn.
Die Dauer regelt in der EU die Ökodesign-Verordnung: Neue Haushaltskaffeemaschinen müssen seit dem 1. Januar 2015 automatisch in den Bereitschafts- oder Aus-Zustand wechseln, Filtermaschinen mit nicht isoliertem Behälter (Glaskanne) nach höchstens 40 Minuten, mit isoliertem Behälter nach höchstens 5 Minuten, die übrigen Haushaltskaffeemaschinen nach höchstens 30 Minuten (Verordnung (EU) Nr. 801/2013, im Rechtstext gelesen; ebenso Umweltbundesamt und Stiftung Warentest 2014). Die ab dem 9. Mai 2025 geltende Verordnung (EU) 2023/826 führt dieselben Zeiten in Anhang III fort. Die 40 Minuten bei Melitta, WMF, Braun, Russell Hobbs und Moccamaster liegen auf dieser Grenze, Severin hört nach 35 Minuten auf. Dass die Regel der Grund ist, belegt keine Herstellerquelle, das ist unsere Folgerung. Die Produktbeschreibung auf der WMF-Herstellerseite zur Stelio Aroma wirbt dagegen damit, die Platte halte den Kaffee den ganzen Morgen lang warm, während die Anleitung die Warmhaltung nach 40 Minuten beenden lässt und die Datenblattzeile derselben WMF-Seite bei Warmhalten ein Nein zeigt (laut unserem Review). Bei der Melitta AromaFresh X lässt sich die Zeit auf 20, 40 oder 60 Minuten einstellen, ab Werk sind es 40.
Zur Qualität gibt es Verbandsaussagen und Studien. Kaffeeverband und Melitta raten, frisch gebrühten Kaffee möglichst bald zu trinken, weil sich Aroma verflüchtige und der Kaffee bitter schmecke; Zeitangaben machen sie nicht. Die Stiftung Warentest schrieb 2014, Kaffee solle nicht länger als eine halbe Stunde warm gehalten werden, er werde mit der Zeit saurer, eine Redaktionsaussage ohne genannte Messung.
Batali et al. (2023, Journal of the Science of Food and Agriculture) ließen trainierte Prüfer hellen, mittleren und dunklen Drip-Kaffee bewerten, der bis zu 3 Stunden in Glaskanne auf Heizplatte, Thermomantel oder Vakuumkanne gehalten wurde (sechs Zeitpunkte von 15 Minuten bis 3 Stunden). Bei hellen und mittleren Röstungen stieg die Säure, mehr Attribute nahmen ab als zu, die Autoren vermuten den Verlust flüchtiger Aromastoffe. Ein Panel von 93 Fachleuten der Kaffeebranche zeigte blind keine Präferenz für frisch gebrühten Kaffee (30 Minuten alt) gegenüber 180 Minuten altem. Die Autoren schließen, dass wahrnehmbare Veränderungen die Gesamtbeliebtheit nicht unbedingt mindern. Ein Poster derselben Gruppe (ASIC 2021, nicht begutachtet) hält 90 Minuten oder länger ohne nennenswerten Qualitätsverlust für möglich und sah unbeheizte, isolierte Kannen bei der Qualität vorn.
Unsere Einschätzung: Eine Minutenzahl, ab der Kaffee auf der Platte verbrannt schmeckt, trägt keine dieser Quellen. Wir würden den Kaffee trotzdem nicht lange auf der Platte lassen, weil Kaffeeverband und Melitta davon abraten und sich Aroma nach Batali et al. abbaut, und bei längerer Standzeit zur Isolierkanne greifen. Auch die kühlt: Moccamaster nennt für die Thermo-Variante KBGT 80 °C nach bis zu drei Stunden und 50 °C nach acht Stunden. Die Stiftung Warentest prüfte das Warmhalten 2024 nach 20 und 40 Minuten (bei Isolierkannen zusätzlich nach 120 Minuten) und fand drei Maschinen, bei denen der Kaffee nicht sehr warm war oder zu schnell abkühlte; ob diese Glas- oder Isolierkannen haben, steht im frei lesbaren Teil nicht.
Warum schmeckt mein Filterkaffee bitter oder sauer?
Die Hersteller sortieren Fehler nach dem Mahlgrad, die Studien nach Stärke und Ausbeute. Die Faustregel sauer gleich unterextrahiert, bitter gleich überextrahiert stimmt nach Batali et al. (2020) nicht durchgängig, und Frost et al. (2020) fanden Wirkungen, die je nach Röstung verschieden ausfielen: Ein dünner Kaffee ohne saure Spitze ist ein anderes Fehlerbild als ein starker, saurer, und die Wirkung hängt am Röstgrad. Die Spalte rechts ist deshalb eine Reihenfolge zum Ausprobieren, keine Diagnose.
| Symptom | Was die Quellen sagen | Was du ändern kannst |
|---|---|---|
| Dünn, wässrig | Kaffeeverband: Bei zu grober Mahlung läuft ein Teil des Wassers zu schnell durch. Severin: zu grober Mahlgrad oder zu wenig Pulver. Hario UK: Ist der Kaffee zu schwach, feiner mahlen. | Feiner mahlen oder mehr Kaffee je Liter nehmen |
| Säuerlich | Melitta: zu grob gemahlen schmeckt säuerlich. Kalita: bei sauer etwas feiner. Batali et al. 2020: höchste Säure bei hohem TDS und niedriger Ausbeute. | Etwas feiner mahlen |
| Bitter | Melitta: zu fein gemahlen wird der Kaffee bitter. Kalita: bei bitter nächstes Mal gröber. Kaffeeverband: zu fein schmeckt streng, die Kontaktzeit wird sehr lang. Batali et al. 2020: Bitterkeit wächst mit der Stärke. | Gröber mahlen oder weniger Kaffee je Liter nehmen |
| Wasser steht im Filter, Durchlauf sehr langsam | Hario UK: tropft das Wasser zu langsam durch, gröber mahlen. Chemex: staut der Kaffee und überflutet den Filter, gröber; läuft er zu schnell durch, weniger grob. | Gröber mahlen |
| Filterhalter der Maschine läuft über | Moccamaster: verstopfter Tropfstopp, zu feiner Mahlgrad (Espressomahlung) oder koffeinfreier Kaffee. WMF: zu fein gemahlen. Russell Hobbs: Kanne nur etwa 20 Sekunden herausnehmen. | Filtermahlung nehmen, Tropfstopp prüfen, Kanne kurz entnehmen |
| Brühzeit der Maschine wird länger | Melitta: Kalk am Heizelement verschlechtert die Wärmeübertragung und verlängert die Brühzeit. WMF: Kalk senkt die Kaffeequalität. | Nach Anleitung entkalken |
Ändere pro Aufguss nur eine Stellschraube, sonst weißt du beim nächsten nicht, welche gewirkt hat. Mehr zu Ursachen jenseits von Mahlgrad und Dosis steht im Ratgeber Kaffee schmeckt bitter oder sauer, zum Kalk im Ratgeber Entkalken.
Handfilter oder Filtermaschine: was passt zu dir?
Der Aufguss selbst dauert nach den Hario-Rezepten etwa 2,5 bis 3 Minuten, Kalita setzt 2 bis 3 Minuten für das Durchlaufen an. Dazu kommen Wasserkochen, Mahlen und Wiegen. Die Menge setzt die Grenzen. Hario weist den V60 der Größe 02 für 1 bis 4 Tassen aus, Kalita den Wave 185 für 2 bis 4, die Chemex mit 6 Tassen fasst 30 Unzen (rund 887 ml) und wird laut Review unter etwa 400 ml unpraktisch. Der Bodum Pour Over fasst 1 l, die Maschinen von WMF, Severin und Braun bis zu zehn Tassen zu 125 ml.
Dass die Maschine gleichmäßiger extrahiert als der Handaufguss, ist nicht belegt. SCA 310 verlangt von zertifizierten Maschinen eine Gleichmäßigkeit der Extraktion von mindestens 60 von 100 Punkten, vergleicht aber nicht mit dem Handaufguss. Batali et al. berichten Schwankungen von Brühung zu Brühung, vermutlich durch Kanalbildung, auch bei der Maschine. Unsere Einschätzung: Der Handfilter lohnt für ein bis vier Tassen und wer gern nachstellt, die Maschine ab mehr Tassen oder wenn morgens nichts geregelt werden soll. Die Russell Hobbs Textures+ hat dafür einen Timer, wer ihn am Vorabend nutzt, füllt gemahlenen Kaffee schon abends ein. Kalten Kaffee brühst du nach anderen Regeln, der Ratgeber Cold Brew selber machen hat sie. Wer lieber mit Druck von Hand brüht, findet die AeroPress Anleitung.
Die Zahlen im Überblick
| Größe | Wert | Gilt für | Quelle |
|---|---|---|---|
| Brühverhältnis | 55 g/kg (1:18,2) | Prüfung elektrischer Haushaltsmaschinen | SCA 310-2021 |
| Brühverhältnis | 60 g/l (1:16,7) | Maschinen, ECBC-Kriterium | ECBC-Angabe nach Herstellerangabe von Moccamaster USA |
| Brühverhältnis | 15 g auf 250 ml (1:16,7) | V60 | Hario UK, Expert V60 Brew Guide |
| Brühverhältnis | 1:14 (2-fach plus 3 mal 4-fach, unsere Rechnung) | V60 | Hario Japan, V60 basic recipes |
| Brühverhältnis | 20 g auf 320 g (1:16), Rahmen 1:16 bis 1:18 | Kalita Wave | Kalita USA |
| Brühverhältnis | 1:16 (20 g für eine Person) | Pour-over | Anleitung Fellow Opus laut Review |
| Dosis je Tasse | 7 bis 10 g (125 bis 150 ml); Broschüre ca. 7 g, ca. 65 g/l | Filterkaffee | Deutscher Kaffeeverband |
| Dosis je Tasse | 6 bis 8 g (Pulverbetrieb) | Melitta AromaFresh X | Anleitung laut Review |
| Dosis je Tasse | 5 bis 7 g (125 ml) | WMF Stelio Aroma | Anleitung laut Review |
| Dosis je Tasse | 7 bis 12 g | Handfilter | Dallmayr laut Review |
| Wassertemperatur | 90 bis 96 °C im Kaffeebett, spätestens bei 33 % aufgegebenem Wasser und bis zum Ende | Maschinen | SCA 310-2021 |
| Wassertemperatur | 92 bis 96 °C | Maschinen (ECBC, Herstellerangabe von Moccamaster USA) und V60 | Moccamaster USA, Melitta, Hario UK |
| Wassertemperatur | 195 bis 205 °F (90,6 bis 96,1 °C) | Kalita Wave | Kalita USA |
| Wassertemperatur | etwa 90 bis 95 °C; etwas über 90 °C | Bodum Pour Over; Handfilter | Bodum (japanischer Teil); Dallmayr laut Review |
| Wassertemperatur | 88 bis 95 °C (Website), 88 bis 96 °C (Broschüre), nie darüber | Filterkaffee | Deutscher Kaffeeverband |
| Brühzeit | innerhalb von 3 Minuten; etwa 2,5 Minuten für 250 ml; 2 bis 3 Minuten, bis das Wasser durchgelaufen ist | V60; V60; Kalita Wave | Hario Japan; Hario UK; Kalita USA |
| Brühzeit | 3 bis 5 Minuten; etwa 4 Minuten für 1 l | Filterkaffee; Bodum Pour Over | Deutscher Kaffeeverband (Broschüre); Bodum |
| Brühzeit | 4 bis 6 Minuten; 8 bis 12 Minuten für eine Kanne | Maschinen (ECBC); 15 Maschinen | Moccamaster USA, Melitta; Stiftung Warentest 11/2024 |
| Bloom | 2-fach der Kaffeemenge, 30 Sekunden; 60 g auf 20 g, 30 bis 45 Sekunden | V60; Kalita Wave | Hario Japan; Kalita USA |
| Mahlgrad | mittelfein; mittelgrob | V60, Maschinen; Kalita Wave, Chemex | Hario UK, Kaffeeverband, WMF; Kalita USA, Chemex-FAQ |
| Warmhalten | 80 bis 85 °C im Kaffee, 30 Minuten; mindestens 80 °C | beheizte Kanne | SCA 310-2021; ECBC nach Herstellerangabe von Moccamaster USA |
| Abschaltung | höchstens 40 Minuten (Glaskanne), 5 Minuten (Isolierkanne) | neue Haushaltsfiltermaschinen in der EU seit 2015 | Verordnung (EU) Nr. 801/2013 und 2023/826; Umweltbundesamt, Stiftung Warentest 2014 |
Welches Gerät, welche Bohne
Aussagen zu Geräten stammen hier aus unseren umgeschriebenen Reviews. Wie die Geräte nach Wertung stehen, zeigt der Vergleich der Filterkaffee-Bereiter, die ganze Auswahl steht in der Kategorie Filterkaffee und Pour-Over.
Beim Handfilter besteht das Hario V60 Starter Set aus der Größe 02 aus Kunststoff, einem 600-ml-Glasserver, 40 Filterpapieren und einem Messlöffel. Waage, Mühle und Kessel liegen nicht bei. Das Hario Start-Stop Dripper Set hat ein Hebelventil im Silikonsockel mit Edelstahlkugel, das den Durchlauf stoppt und so Immersion erlaubt. Das Handbuch-Rezept nimmt mittleren Mahlgrad, 20 g auf 240 ml und 2 Minuten Standzeit, danach den Hebel; das sind 1:12 (Rechnung der Redaktion), kräftiger als unsere Spanne. Fertig sind 200 ml, der Silikonsockel ist laut Handbuch bis 180 °C ausgelegt, der Schalter bis 100 °C. Beim Kalita Wave 185 rät Kalita, den Trichter vor dem Brühen aufzuwärmen; das Rezept steht oben. Die Chemex-Karaffe mit 6 Tassen hat Bonded-Filter und keinen Bruchschutz.
Der Bodum Pour Over hat einen Permanentfilter aus Edelstahlgewebe, 1 l entspricht 8 Tassen zu 1,25 dl. Bodum rechnet einen gehäuften Teelöffel je Tasse, heißes, nicht kochendes Wasser und etwa 4 Minuten Durchlauf. Das Gewebe lässt Öle und Feinanteil durch, Papier hält Cafestol weitgehend zurück (Ableitung aus der Filtertechnik, nicht verkostet; Urgert et al. prüften keine Metallfilter). Glas und Filter sind laut Bodum spülmaschinenfest, Kork und Leder nicht.
Bei den Maschinen hat die Moccamaster KBG Select laut Hersteller 92 bis 96 °C Brühtemperatur, aber kein Mahlwerk und keinen Timer. Die Melitta AromaFresh X hat ein Keramik-Mahlwerk mit 11 Stufen, laut Anleitung wird zu fein gemahlener Kaffee bitter und zu grober säuerlich. Die WMF Stelio Aroma hat 1.000 W, die Emerio CME-122933 einen Drahtfilter (Dauerfilter) und ebenfalls 1.000 W; wie beim Bodum lässt das Drahtgewebe mehr Öl und Feinanteil durch als Papier, deshalb passt ein etwas gröberer Mahlgrad (Folgerung der Redaktion). Die Severin KA 4810 hat ein Kegelmahlwerk und einen Regler ohne Stufenzahl. Bei der Braun PurShine sind es zehn Tassen zu ca. 125 ml laut Anleitung, die Glaskanne samt Deckel ist laut Anleitung spülmaschinengeeignet. Bei der Russell Hobbs Textures+ darf die Kanne laut Hersteller nur etwa 20 Sekunden aus dem Gerät sein, sonst läuft der Filterhalter über.
Für die Dosis liegen zwei Waagen im Katalog: Die Bagail zeigt in 0,1 g an, sagt die Genauigkeit aber erst ab 0,3 g zu, trägt 3.000 g und passt damit auch mit voller Filterkanne. Die Maestri House Mini löst auf 0,1 g auf, trägt 2.000 g (für eine Filterkanne samt eingegossenem Wasser zu knapp), hat einen Timer bis 9:59 und ist laut Handbuch nicht wasserdicht. Die Porlex Mini II fasst rund 20 g; vier Tassen zu 125 ml brauchen bei 1:16 rund 31 g, also zwei Füllungen.
Bei den Bohnen weist Dallmayr die Prodomo entkoffeiniert für Handaufguss, French Press und Filterkaffeemaschine aus und nennt für den Handfilter laut Review 7 bis 12 g frisch gemahlenen Kaffee je Tasse (mittelfein). Für die Amazon Colombian Medium Roast gibt Amazon den Mahlgrad Filter mittel an, das Review rechnet beispielhaft mit 1:16 die Kosten je Liter und je Tasse.
Was sich nicht belegen lässt, und was wir nicht im Original gelesen haben
Alles auf dieser Seite stammt aus den genannten Quellen, nicht aus eigenen Aufgüssen. Stand der Recherche ist der 12.10.2026.
Für den Handaufguss haben wir keine begutachtete Messung der Temperatur im Kaffeebett gefunden. Zu gemahlenem Kaffee kennen wir keine Messung für die ersten Stunden, nur die Monatsstudie aus der FAQ. Die Brühtemperaturen der Maschinen von Melitta, WMF, Braun, Emerio, Russell Hobbs und Severin sind nicht angegeben; die Stiftung Warentest hat die Temperatur in der Kanne 2024 gemessen, die Werte stehen im frei lesbaren Teil nicht. Chemex nennt weder eine Wassertemperatur noch eine Gramm-Dosierung, Hario definiert keine Tassengröße und gibt für das Start-Stop-Set keine Aufgusstemperatur an.
Die SCA 310-2021 lieferte beim Abruf am 12.10.2026 einen Fehler 404, die SCA führt sie unter exklusiv für Mitglieder. Gelesen haben wir die Kopie auf coffeegeek.com, die den SCA-Vermerk trägt, dass eine Vervielfältigung mit Zustimmung und Quellenangabe erlaubt ist. Die EU-Abschaltregel haben wir in den Rechtstexten auf EUR-Lex gelesen (Verordnung (EU) Nr. 801/2013 sowie Verordnung (EU) 2023/826). Von Guinard et al. (2023), Frost et al. (2020) und Batali et al. (2023) lag uns nur der Abstract vor, nicht der Volltext; was Frost et al. zur Bitterkeit fanden, wissen wir nur aus Batali et al. (2020). Lockhart, Pangborn, Andueza und Lee kennen wir nur über Batali et al. und Rune et al. Die ECBC-Kriterien sind eine Herstellerangabe von Moccamaster, die Darstellung dort ist nicht das ECBC-Dokument.
