Auf den Herstellerseiten heißt dieses Gerät V60 Immersion Dripper Switch, in Japan Immersion Dripper SWITCH, und Hario Europe führt es unter der Artikelnummer SSD-5012-B. Der Name Start-Stop stammt aus dem deutschen Handel. Er beschreibt trotzdem ziemlich genau, was der Hebel am Sockel tut: Er hält das Wasser im Trichter, bis du drückst. Dasselbe Gerät brüht dadurch wahlweise wie ein gewöhnlicher V60 im Durchlauf oder mit voller Standzeit wie eine French Press, was Hario USA als Hybrid-Methode beschreibt.
In unserem Katalog steht das Set mit ca. 54,46 Euro und 8,7 von 10 Punkten; im Amazon-Katalog standen am 7. September 2026 51,99 Euro, also 2,47 Euro darunter. Im Vergleich der Filterkaffee-Bereiter liegt es damit im mittleren Preisfeld: mehr als doppelt so teuer wie das Hario V60 Starter Set, gut ein Fünftel dessen, was der Moccamaster KBG Select kostet, und teurer als vier der einfachen Filtermaschinen in dieser Kategorie. Gefertigt wird laut Hario Europe in Japan, geliefert wird in Schwarz.
Was im Karton liegt: Glas, Silikon und eine Kugel aus Edelstahl
Hario Europe listet fünf Bauteile: den Glaskörper, den Sockel, den Schalter, die Edelstahlkugel und den Glas-Server, den die Spec-Zeile dort Measure Cup nennt. Dazu kommt ein Verbrauchsartikel, 40 Blatt Filterpapier vom Typ VCF-02W.
Measure Cup ist wörtlich gemeint. Auf dem Produktfoto trägt das Glas eine seitliche Skala, die Marke 300 ml und den Schriftzug Made in Japan, dazu einen Henkel und einen Ausguss am Rand. Die gebrühte Menge liest du also am Becher ab, ohne ihn auf die Waage zu stellen.
Beim Material wird Hario ungewöhnlich genau. Der Glaskörper besteht aus hitzebeständigem Glas, das die Firma unter ihrer eigenen Bezeichnung HARIO Glass führt, die US-Seite nennt für Glaskörper und Server ausdrücklich Borosilikatglas. Der Sockel ist Silikonkautschuk, der Schalter PCT-Kunststoff, die Kugel Edelstahl. Wie sich diese Kombination gegen einen Dripper ganz aus Kunststoff hält, sagt Hario nirgends, und beurteilen können wir es nicht: In der Hand hatten wir keines der beiden Geräte.
Das Set misst laut Hario Europe 130 mal 115 mal 215 Millimeter, das Gewicht inklusive Einzelkarton gibt die globale Herstellerseite mit rund 700 Gramm an.
Eine Grundfläche lässt sich aus diesen Zahlen nicht ableiten, und das ist keine Spitzfindigkeit. Für den Dripper allein nennt Hario neben 118 mal 115 mal 133 Millimetern ausdrücklich einen Durchmesser von 115 Millimetern. Der Körper ist also rund, und die drei Millimeter mehr in der Breite gehören dem Hebel, der seitlich heraussteht. Beim kompletten Set zeigt das Produktfoto dasselbe Muster: Der Messbecher ist zylindrisch und hat einen geraden Henkel, der Sockel ist eine runde Silikonscheibe, die wie ein Deckel auf dem Becherrand sitzt. Die 130 Millimeter Breite spannen sich über Henkel und Hebel hinweg, eine rechteckige Grundfläche steckt dahinter nicht.
Im Amazon-Katalog stehen andere Zahlen: 1,1 Pfund, also etwa 500 Gramm, und Verpackungsmaße von rund 22,9 mal 13,7 mal 13,5 Zentimetern. Die 500 Gramm passen genau auf den Dripper ohne Server, den Hario als SSD-200-B einzeln mit ca. 500 Gramm listet, für das komplette Set ist die Zahl zu niedrig. Zwei weitere Katalogfelder gehören sichtbar zu einem fremden Artikel: ein Feature-Bullet über einen Adapter für Induktionskochfelder und eine Energieeffizienzklasse A+ für ein Gerät, das keinen Strom braucht.
Im Detail: wie die Kugel im Boden den Durchlauf stoppt
Der Trichter sieht aus wie ein V60 und ist auch einer, nur sitzt er nicht direkt auf dem Server, sondern in einem Silikonsockel. In dessen Auslauf liegt eine Metallkugel, die den Durchfluss blockiert, so beschreibt es Hario Europe. Steht der Schalter oben, ist der Auslauf zu und das Wasser bleibt im Kaffeemehl stehen. Drückst du ihn herunter, bis er bündig mit dem Rand des Sockels sitzt, gibt die Kugel den Weg frei.
Warum das mehr ist als eine Spielerei, zeigt der Vergleich der beiden Brühverfahren. In einem offenen Dripper läuft das Wasser, während du gießt. Die Kontaktzeit ergibt sich dort aus Mahlgrad, Bettdicke und Gießtempo. Verlängern lässt sie sich nur mittelbar, über einen feineren Mahlgrad oder langsameres Aufgießen, und beides greift zugleich in die Extraktion ein. An der einen Größe zu drehen, verstellt also die andere. Mit geschlossener Kugel wird die Kontaktzeit dagegen zu einer Zahl, die du vorgibst. Das Wasser steht, bis du den Hebel drückst, gleichgültig wie grob das Pulver ist. Dafür bezahlst du hier den Aufpreis.
Dazu kommt ein Unterschied in der Strömung. Im offenen Trichter sucht sich das Wasser den Weg des geringsten Widerstands durch das Kaffeebett, im stehenden Wasser der Immersion gibt es diesen Weg nicht, weil nichts fließt. So beschreibt die Verfahrenslehre den Unterschied zwischen Immersion und Durchlauf. Nachgemessen hat das an diesem Dripper niemand.
Der offene Modus bleibt daneben erhalten. Hario USA beschreibt das Gerät ausdrücklich so, dass du wahlweise wie mit einem normalen V60 aufgießt oder als Immersionsbrüher arbeitest. Bleibt der Hebel unten, arbeitet der Trichter wie ein gewöhnlicher V60, der auf einem Sockel steht.
Das Rezept aus dem Handbuch: 20 Gramm, 240 Milliliter, zwei Minuten
Mittlerer Mahlgrad, reichlich heißes Wasser, zwei Minuten stehen lassen, dann der Schalter: So knapp steht die Anleitung da. Für einen kräftigeren Aufguss empfiehlt Hario zusätzlich umzurühren. Und dann folgt der Satz, der die eigentliche Arbeit an dich abgibt: Mahlgrad und Ziehzeit sollst du selbst justieren, bis das Ergebnis passt.
20 Gramm auf 240 Milliliter sind ein Verhältnis von 1 zu 12, ausgerechnet aus den beiden Herstellerzahlen. Für Filterkaffee ist das kräftig dosiert. In unserem Ratgeber zum Filterkaffee rechnen wir sonst mit 1 zu 15 bis 1 zu 17, Hario setzt im eigenen Rezept also mehr Kaffee auf dieselbe Wassermenge an. Unsere Einschätzung dazu: Dünner wird der Kaffee besser über die Kaffeemenge als über die zwei Minuten, denn die Standzeit im geschlossenen Trichter lässt sich hier auf die Sekunde festhalten, ohne dass sich dabei etwas anderes mitverschiebt.
Für den Dripper nennt Hario 200 Milliliter Fertigmenge. Stellt man diese Zahl neben die 240 Milliliter aus dem Rezept, bleiben rund 40 Milliliter im nassen Kaffeemehl und im Papier hängen. Verknüpft hat die beiden Werte allerdings unsere Redaktion. Bei Hario stehen sie an zwei verschiedenen Stellen, die Fertigmenge im Datenblatt der Produktseite, die Wassermenge im Rezept des Handbuchs. Auf 20 Gramm sind das 2 Milliliter je Gramm, und das ist ungefähr die Menge, mit der beim Handfilter üblicherweise kalkuliert wird.
Wie du dich beim Mahlgrad in kleinen Schritten herantastest, steht im Ratgeber Mahlgrad einstellen. Für andere Mengen als die 20 Gramm des Herstellerrezepts rechnet der Brüh-Rechner das Verhältnis um.
Reicht ein Durchgang für zwei Tassen?
Für zwei kleine Tassen ja, für zwei große Becher nicht. Nimm einen der üblichen Becher mit 250 Millilitern: Ein Durchgang füllt ihn nicht einmal ganz.
Ein zweiter Durchgang kostet dieselbe Zeit wie der erste: neues Papier, neues Pulver, wieder zwei Minuten Standzeit. Und beide Portionen zusammen passen nicht unter den Trichter, weil der mitgelieferte Server laut US-Seite praktisch 300 Milliliter fasst. Zu zweit brauchst du also entweder ein zweites Gefäß oder Geduld.
Die 200 und die 300 Milliliter auf dieser Seite sind zwei verschiedene Angaben: Die erste gehört dem Dripper, die zweite dem Server. Der Amazon-Katalog führt bei der Größe nur die erste.
Filterpapier, Nachschub und Pflege
Beim Filter ist die Anleitung eindeutig: Verwende HARIO V60 Papierfilter 02. Im Set liegen 40 Blatt VCF-02W, dieselbe Sorte, die Hario auch einzeln verkauft. Das Papier besteht laut Hario USA aus Papierpulpe, kommt ohne Chemie und ohne Klebstoff aus und wird in Japan gefertigt.
Mit den 40 Blatt lässt sich rechnen. Bei einem Brühgang am Tag halten sie knapp sechs Wochen, im Jahr sind das rund neun Packungen dieser Größe.
Zur Pflege schreibt das Handbuch einen weichen Schwamm und ein neutrales Spülmittel vor, Scheuermittel und scheuernde Schwämme schließt Hario aus. Alle Teile lassen sich zum Reinigen abnehmen, und vor dem ersten Gebrauch soll das Set einmal durchgespült werden.
Zwei Warnungen aus der Anleitung betreffen den Zusammenbau. Sitzt der Glaskörper nicht richtig im Sockel, kann das Set undicht werden. Und fehlt die Edelstahlkugel, läuft heißes Wasser unten heraus. Beides klingt banal, dreht sich aber um ein Kleinteil, das beim Ausspülen im Abfluss verschwinden kann.
Entkalken entfällt hier, weil nichts heizt. Kalkschleier auf dem Glas ist eine Frage der Optik und geht mit verdünnter Säure weg.
Was Hario nicht angibt
Die fehlende Gradzahl für das Aufgusswasser steht schon in der FAQ weiter unten, die Anleitung spricht durchgehend von heißem Wasser. Wie viele Tassen die 200 Milliliter ergeben, bleibt ebenfalls offen. Ohne Verpackung gewogen hat Hario weder Set noch Dripper, alle Gewichtsangaben verstehen sich inklusive Einzelkarton. Für den Server allein fehlen Maße, Artikelnummer und das Randvollvolumen, belegt ist bei ihm einzig die praktische Kapazität.
Eine Garantiezeit für Deutschland nennt der Hersteller nirgends, und ein Ersatzteilangebot für Kugel, Schalter, Sockel oder Glaskörper haben wir auf keiner Hario-Seite gefunden. Wann der Switch auf den Markt kam, sagt Hario ebenfalls nirgends, das Amazon-Feld mit dem 25. Mai 2016 ist ein Katalogeintrag und kein Herstellerdatum. Ob der PCT-Kunststoff BPA-frei ist oder eine Lebensmittelzulassung trägt, steht auf keiner der Seiten. Zu Filterpapier fremder Marken äußert Hario sich weder zustimmend noch ablehnend, vorgeschrieben sind die eigenen 02-Filter. Eine deutschsprachige Herstellerseite existiert nicht, die Anleitung liegt japanisch und englisch bei. Und für längere Standzeiten oder einen Bloom-Schritt vor der Immersion gibt das Handbuch nichts her, es bleibt bei den zwei Minuten und dem Hinweis, selbst zu justieren.
Drei Alternativen aus unserem Katalog
| Modell | Der Unterschied | Preis | Unsere Wertung | Nimm dieses, wenn |
|---|---|---|---|---|
| Hario Start-Stop Set SSD-5012-B (dieses) | Kugel im Boden, Standzeit per Hebel steuerbar, 200 ml je Durchgang | ca. 54,46 € | 8,7 | du die Kontaktzeit vorgeben willst, statt sie über den Mahlgrad zu erraten |
| Hario V60 Starter Set | Derselbe 02-Filter, Kunststoff-Dripper ohne Kugel, Server mit 600 ml | ca. 24,87 € | 8,6 | du morgens einfach durchlaufen lässt und zwei bis vier Tassen brauchst |
| Kalita Wave 185 | Edelstahl, flacher Boden mit drei Löchern, eigene Wave-Filter, kein Server | ca. 49,14 € | 8,4 | du gleichmäßige Ergebnisse ohne eigenes Timing willst und eine Kanne hast |
| Moccamaster KBG Select | Elektrisch, 1,25 Liter, 92 bis 96 Grad laut Hersteller | ca. 259 € | 9,5 | morgens mehrere Tassen fertig sein sollen, ohne dass jemand am Kessel steht |
Die Preise sind Richtwerte aus dem deutschen Handel für September 2026 und ändern sich schneller als diese Seite. Die Punktzahlen kommen aus unserer Redaktion, nebeneinander gebrüht haben wir die vier Geräte nie. Weitere Kandidaten stehen in der Bestenliste Filterkaffee-Bereiter.
Wann der Hebel den Aufpreis wert ist
Rechne zuerst die Differenz aus. Das Hario V60 Starter Set kostet ca. 24,87 Euro und nimmt dasselbe Filterpapier, hat aber keine Kugel im Boden. Ohne den Hebel bleibt eine Funktion im Schrank liegen, für die rund 30 Euro Aufpreis fällig waren.
Dazu kommt die Ausstattung drumherum. Im Karton liegen weder Waage noch Kessel. Einen Kessel mit dünner Tülle empfehlen wir vor allem für den Durchlauf-Modus, in der Immersion steht das Wasser ohnehin still, dort ist die Waage der wichtigere Kauf. Ohne sie kippst du jeden Morgen eine andere Menge Kaffee in den Trichter und hältst dabei die Zeit auf die Sekunde fest, was zusammen wenig ergibt.
Für gleichmäßige Ergebnisse ohne eigenes Timing ist der Kalita Wave 185 die passendere Anschaffung, weil sein flacher Boden mit drei Löchern die Fließgeschwindigkeit von sich aus begrenzt. Der Preis dafür sind die eigenen Wave-Filter und ein fehlender Server im Karton.
Dann die Menge am Morgen. Bei vier Tassen vor der Arbeit brühst du viermal hintereinander, jedes Mal mit frischem Papier und zwei Minuten Standzeit. In dem Fall ist der Moccamaster KBG Select mit 1,25 Litern und 92 bis 96 Grad Herstellerangabe die ehrlichere Wahl, auch wenn er knapp das Fünffache kostet.
Zuletzt die Reinigungsbereitschaft. Sockel, Kugel und Schalter sind jeden Tag wieder auseinanderzunehmen und einzeln zu spülen, ein Aufwand, der nicht mit dem Auspacken endet. Fehlt die Bereitschaft dazu, ist ein Dripper ohne bewegliche Teile die vernünftigere Wahl, und welche Bauformen dafür infrage kommen, steht im Handfilter-Vergleich.
Für wen geeignet?
Unsere vier Einzelnoten für dieses Set lauten 8,6 für die Verarbeitung, 9,0 für die Leistung, 8,2 für die Handhabung und 9,0 für das Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Handhabung ist die schwächste davon, und dahinter stecken zwei Dinge: das lose Kleinteil im Boden und die eine Portion je Durchgang.
Passend ist das Set in einem Haushalt, in dem eine Person morgens ihre eigene Tasse brüht und Lust hat, an der Standzeit zu drehen. Als Zweitgerät neben einer Filtermaschine ergibt es ebenfalls Sinn, weil es keinen Strom braucht und auf nicht mehr Platz steht als der Becher, auf dem es sitzt.
Falsch ist es in einer Büroküche oder einer WG, in der mehrere Leute dasselbe Gerät bedienen. Ein Sockel mit loser Kugel und ein Schalter, den jeder in einer anderen Stellung hinterlässt, kosten dort mehr Nerven, als der Kaffee wert ist.
Und wer die erste Kanne Handfilterkaffee überhaupt noch vor sich hat, fängt besser ohne diesen Hebel an. Die Grundlagen stehen im Ratgeber Filterkaffee zubereiten, der Schalter ist eine Variable mehr, und die braucht niemand am ersten Tag.



