Kaffee-Herkunft und Geschmack: Anbau und Aufbereitung
Ratgeber

Kaffee-Herkunft und Geschmack: Anbau und Aufbereitung

Die kurze Antwort: Laut Deutschem Kaffeeverband hängt der Geschmack einer Herkunft ähnlich wie beim Wein stark von der Anbauregion ab, von Höhe, Temperatur, Regen, Sonne und Boden. Die Aufbereitung (nass, trocken oder halbtrocken) prägt ihn zusätzlich. Studien zeigen Tendenzen, etwa mehr Säure aus kühlen Lagen (Bertrand u. a., 2012) und mehr Körper bei natural als bei washed (Choi und Yoon, 2011). Welche Ebene schwerer wiegt, ist offen. Auf der Packung sind diese Angaben freiwillig, Pflicht ist dagegen das Mindesthaltbarkeitsdatum.

So liest du die Herkunftsangaben auf der Packung

Was auf einer Kaffeepackung über Anbau und Verarbeitung steht, hat der Röster freiwillig dort hingeschrieben. Die deutsche Kaffeeverordnung regelt Bezeichnungen wie entkoffeiniert oder kandiert, eine Pflicht zur Angabe von Anbauland, Höhe, Aufbereitung, Varietät oder Röstdatum enthält sie nicht. Nach der EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV), wie das Bundeslandwirtschaftsministerium sie zusammenfasst, muss das Ursprungsland nur dann genannt werden, wenn Käufer ohne die Angabe über den tatsächlichen Ursprung irregeführt werden könnten. Umso mehr verrät es, wenn jemand viel angibt. Diese Reihenfolge empfehlen wir:

  1. Prüf, wie eng die Herkunft gefasst ist. Ein Kontinent ist eine Mischung, ein Land eine grobe Richtung, eine Region mit Gemeinden eine Spur, der du nachgehen kannst. Der Grund: Die Standortfaktoren, die der Kaffeeverband für den Geschmack nennt, hängen an der einzelnen Lage. In einer Studie aus Costa Rica unterschieden sich sogar Osthänge von anderen Hanglagen (dazu unten mehr).
  2. Such eine Meterzahl. Das Wort Hochland allein hilft nicht weiter. Kaffee ab etwa 1.000 Metern wird laut Kaffeeverband häufig Hochlandkaffee genannt, doch der Gesetzgeber hat den Begriff bislang nicht definiert, und auch in der Branche gibt es unterschiedliche Ansätze.
  3. Lies die Aufbereitung: washed oder lavado für nass, natural oder unwashed für trocken, honey, pulped natural oder semi washed für halbtrocken. Laut Kaffeeverband sind die Aufbereitungsarten geschmacksprägend (Abschnitt zur Aufbereitung unten).
  4. Schau nach der Varietät. Arabica ist die Art, Bourbon, Caturra oder SL28 sind Varietäten innerhalb dieser Art. Fehlt der Name, ist die Bohne deshalb nicht schlechter, du weißt nur weniger.
  5. Unterscheide Röstdatum und Mindesthaltbarkeitsdatum. Das MHD ist Pflicht und beschreibt den Zeitraum, in dem ein Lebensmittel bei richtiger Handhabung seine spezifischen Eigenschaften behält. Wann geröstet wurde, steht darin nicht. Ein aufgedrucktes Röstdatum ist deshalb die genauere Auskunft über das Alter, wenn der Röster sie freiwillig gibt.
  6. Nimm Brühempfehlungen als das, was sie sind: Angaben des Herstellers, mit denen du anfangen kannst, keine Messwerte.

Was Höhe, Klima und Schatten mit der Bohne machen

Der Kaffeeverband zählt Höhenlage, Temperatur, Regenmenge, Sonnenintensität und Bodenbeschaffenheit zu den Standortfaktoren, nennt aber keine Rangfolge. Die Forschung kommt der Sache näher, wenn sie einzelne Faktoren trennt. Auf La Réunion untersuchten Bertrand und Kollegen (2012) Kaffee von 16 Parzellen. Unter den Klimagrößen wirkte die mittlere Lufttemperatur während der Samenentwicklung am stärksten auf das Sensorikprofil. Säure, fruchtiger Charakter und Aromaqualität waren typisch für kühles Klima, hohe Temperaturen und viel Sonne gingen mit Fehlern wie grünen oder erdigen Noten einher. Höhe wirkt also vor allem über die Kühle, die sie mit sich bringt.

In Costa Rica verglichen Avelino und Kollegen (2005) zwei Höhen-Terroirs: Orosi auf 1.020 bis 1.250 Metern und Santa María de Dota auf 1.550 bis 1.780 Metern. In beiden bevorzugten die Verkoster Kaffee aus größerer Höhe. Osthänge brachten meist bessere und säurereichere Getränke, auf einer Skala bis 5 erreichte die Säure in Orosi 2,73 gegen 2,36 an anderen Hängen, in Dota 3,64 gegen 3,28. In Dota sank die Säure, wenn der Ertrag stieg. Orosi zeigte florale Noten, Dota eine Schokoladennote, die in großer Höhe deutlicher wurde. Koffein, Trigonellin, Fett, Saccharose und Chlorogensäure hingen dagegen nur schwach mit der Sensorik zusammen.

Aus Honduras kommt eine ähnliche Richtung. Decazy und Kollegen (2003) werteten 52 Arabica-Parzellen in sechs Regionen aus, die besten Kaffees stammten aus Olancho und El Paraíso. Große Höhe und ein Jahresniederschlag unter 1.500 Millimetern begünstigten die Qualität, die passende Röstzeit sei je Terroir zu suchen.

Für die Erklärung mit der langsameren Reife gibt es zwei Belege. In einer äthiopischen Studie von Tolessa und Kollegen (2017) lagen die Parzellen in großer Höhe auf 1.950 bis 2.100 Metern bei im Mittel 19,3 Grad, die in mittlerer Höhe auf 1.600 bis 1.680 Metern bei 22,5 Grad. In großer Höhe wurde im Mittel rund 50 Tage später geerntet, und die Bohnen wurden mit der Höhe schwerer. Die Autoren sehen darin eine Stütze für die Annahme, dass niedrige Temperatur die Reife verlangsamt und die Bohne besser füllt. Für Schatten liegt eine Messung aus Costa Rica vor: Vaast und Kollegen (2006) verglichen im Zentraltal von Costa Rica volle Sonne mit 45 Prozent Schatten. Der Schatten kostete 18 Prozent Ertrag, verzögerte die Reife des Fruchtfleischs um bis zu einen Monat und verbesserte Größe, Zusammensetzung und Getränkequalität der Bohnen. Mehr Saccharose, Chlorogensäure und Trigonellin in den Sonnenbohnen deuteten die Autoren als Zeichen unvollständiger Reife, die mehr Bitterkeit und Adstringenz erklärt.

Wie eng Höhe und Schatten zusammenhängen, zeigen zwei Arbeiten aus Südwest-Äthiopien. Bei Worku und Kollegen (2018) stieg die Säure mit der Höhe nur unter Schatten, um 0,22 Punkte je 100 Meter, ohne Schatten blieb der Effekt aus. Saccharose nahm mit der Höhe zu, deutlich aber nur in nass aufbereiteten Bohnen (3,02 Gramm pro Kilogramm je 100 Meter gegen 0,36 bei trockener Aufbereitung). Die Folgestudie von 2022 teilte die Lagen in Tiefland unter 1.550 Meter, Mittelland bis 1.900 Meter und Hochland darüber. Im Hochland war die Bohnendichte am höchsten, der Anteil großer Bohnen (Sieb 17 und größer) und der Anteil fehlerhafter Bohnen sank mit der Höhe. Große Bohnen sind demnach kein Höhenmerkmal.

Wie groß all das in Punkten ist, ordnet die Studie von Tolessa und Kollegen ein. Kaffee aus großer Höhe mit offenem oder mittlerem Schatten und früher bis mittlerer Ernte hatte dort die bessere Qualität. In großer Höhe hob frühe statt später Ernte den Anteil der Klasse Q1 (ab 85 Punkten) von 27 auf 73 Prozent, in mittlerer Höhe hatte der Erntezeitpunkt keinen signifikanten Einfluss. Die Autoren betonen, dass sich die Punktzahlen durch Höhe, Schatten und Erntezeit nur wenig verschieben, im Grenzbereich aber über Q1 oder Q2 entscheiden. Unsere Einschätzung: Höhe ist eine Tendenz in Richtung Dichte und Säure, die von Schatten, Hanglage und Ertrag abhängt, keine Garantie für eine bestimmte Tasse.

Höhenklassen: jedes Land zieht eigene Grenzen

Die Kürzel SHB und SHG tauchen auf Packungen auf, als wären sie eine internationale Norm. Sie sind es nicht. Die einzige Zusammenstellung mit Quellenangabe, die wir für Mittelamerika gefunden haben, stammt von der UN-Wirtschaftskommission CEPAL aus dem Jahr 2002 und stützt sich auf die nationalen Kaffeeinstitute. Für Chiapas in Mexiko gibt es eine amtliche Norm. Aktuelle Grenzwerte von Anacafé (Guatemala) und IHCAFE (Honduras) haben wir nicht gefunden, und im Handel kursieren weitere Zahlen, die sich auf keine amtliche Quelle zurückführen lassen.

Land Klasse Höhe Quelle
Costa Rica Strictly Hard Bean (SHB), Pazifikseite 1.200 bis 1.650 m CEPAL 2002 nach ICAFE
Costa Rica Good Hard Bean (GHB) 1.000 bis 1.200 m CEPAL 2002 nach ICAFE
Costa Rica Hard Bean (HB), Pazifikseite 800 bis 1.200 m CEPAL 2002 nach ICAFE
Costa Rica High Grown Atlantic (HGA) 900 bis 1.200 m CEPAL 2002 nach ICAFE
Costa Rica Medium Hard Bean (MHB) 500 bis 1.000 m CEPAL 2002 nach ICAFE
Guatemala Estrictamente duro (SHB) über 1.480 m CEPAL 2002 nach ANACAFE
Guatemala Duro 1.225 bis 1.400 m CEPAL 2002 nach ANACAFE
Guatemala Semiduro 1.100 bis 1.225 m CEPAL 2002 nach ANACAFE
Guatemala Extra prima lavado 900 bis 1.100 m CEPAL 2002 nach ANACAFE
Guatemala Prima lavado 600 bis 900 m CEPAL 2002 nach ANACAFE
Honduras Strictly High Grown (SHG) 1.200 bis 1.650 m CEPAL 2002
Honduras High Grown (HG) über 800 bis 1.200 m CEPAL 2002
El Salvador Strictly High Grown 1.300 bis 2.000 m CEPAL 2002
El Salvador Central High Grown 1.000 bis 1.300 m CEPAL 2002
El Salvador Central Standard 500 bis 1.000 m CEPAL 2002
Mexiko (nur Chiapas) Estrictamente Altura über 1.000 m NOM-169-SCFI-2007
Mexiko (nur Chiapas) Altura über 900 m NOM-169-SCFI-2007
Mexiko (nur Chiapas) Extra Prima Lavado, Prima Lavado über 800 m NOM-169-SCFI-2007

Die Untergrenze der obersten Klasse reicht damit von 1.000 Metern in Chiapas bis 1.480 Metern in Guatemala. Wie viel Gewicht die oberste Klasse hatte, steht ebenfalls bei CEPAL: In Costa Rica machte SHB 37,4 Prozent der Produktion und 48,5 Prozent der Exporte aus, in Guatemala 37,8 und 45 Prozent. In El Salvador kam die oberste Klasse auf rund 31 Prozent der Exporte, in Honduras SHG auf 20 Prozent, während HG dort 69 Prozent der Produktion stellte.

Unsere Einschätzung: Ein SHB oder SHG auf der Packung sagt nur zusammen mit dem Land etwas. Steht eine Meterzahl daneben, ist die aussagekräftiger als das Kürzel, und beide Werte bleiben Angaben des Rösters oder Importeurs.

Kenia sortiert nach Größe, nicht nach Höhe

Ostafrikanische Kürzel funktionieren anders. Die kenianische Kaffeeverordnung von 2019 legt Standardklassen nach Bohnengröße und Dichte fest, sortiert mit Sieben und per Luftsichtung. Anbauhöhe oder Tassenqualität kommen darin nicht vor.

Klasse Definition laut Verordnung Siebmaß
E (Elephant) bleibt auf Sieb 21 liegen 8,3 mm
AA flache Bohnen, fallen durch Sieb 21, bleiben auf Sieb 18 7,2 mm
AB flache Bohnen, fallen durch Sieb 18, bleiben auf Sieb 16 6,35 mm
PB (Perlbohne) fällt durch Sieb 17, bleibt auf Sieb 12 4,76 mm
C kleine flache Bohnen, durch Sieb 16, auf Sieb 10 3,96 mm
TT leichte Bohnen aus AA, AB und E, per Luftsichtung getrennt ohne Siebmaß
T kleinste Bohnen und Bruch 2,9 mm

Händlerseiten ordnen AA und AB teils anderen Siebnummern zu, für diesen Ratgeber gilt die Verordnung.

Washed, natural, honey: was bei der Aufbereitung passiert

Die Aufbereitung muss bald nach der Ernte geschehen, weil die Kirschen nicht lange haltbar und nicht transportfähig sind. Der Kaffeeverband unterscheidet drei Wege. Nass aufbereiteter Arabica aus bestimmten Ländern heißt im Welthandel Milds (Colombian Milds, Other Milds), Robusta und Brazilian Natural werden zumeist trocken aufbereitet.

Methode Ablauf laut Kaffeeverband Wirkung laut Kaffeeverband Espresso-Studie Choi und Yoon (2011)
Nass (washed) Vorsortieren im Wasser, Entpulper quetscht Haut und Fruchtfleisch ab, Fermentation baut Reste von Fruchtfleisch und Schleim ab, dann Waschen und Trocknen kann eine feine Säure und ein edles Aroma entwickeln stärkste Zitrusnote und Säure, geringster Körper
Trocken (natural, unwashed) ganze Kirschen auf Trockenflächen (Patios) ausgebreitet und gewendet, bei zu wenig Sonne maschinell nachgetrocknet je nach Sorte häufig angenehme Süße und ausgeprägte Vollmundigkeit stärkste Noten von Kirsche und Süße, kräftigster Körper
Halbtrocken (honey, pulped natural, semi washed) Schale maschinell weitgehend abgetrennt, keine Fermentation, Trocknung mit Fruchtfleischresten und Pergamenthäutchen, mitunter vorher gewaschen wie nass: feine Säure möglich bei Säure und Körper zwischen washed und natural

Die trockene Methode ist die älteste. Fertig ist sie, wenn das Fruchtfleisch außen trocken und fest ist und man die Bohnen beim Schütteln hört. Ob die Fermentation bei der nassen Methode unter Wasser oder trocken im Tank läuft, lässt die Broschüre offen.

Der Kaffeeverband stellt honey auf die Seite der nassen Aufbereitung: Beide könnten eine feine Säure entwickeln. In der koreanischen Espresso-Studie bewerteten zwölf geschulte Prüfer auf einer 15-Zentimeter-Linienskala, und pulped natural lag zwischen den beiden anderen. Die gelösten Feststoffe (TDS) waren bei natural am höchsten und bei washed am niedrigsten. Herkunft und Los der Proben gehen aus der Zusammenfassung nicht hervor. Unsere Einschätzung: Honey liegt zwischen washed und natural, mehr geben die beiden Quellen nicht her.

Warum nass und trocken verschieden schmecken: Stoffwechsel im Samen

Die gängige Erklärung lautet, bei natural ziehe Zucker aus dem Fruchtfleisch in die Bohne. Belegt ist das nicht, die Forschung zeigt etwas anderes. Knopp, Bytof und Selmar (2006) bereiteten Arabica der Varietät Acaià parallel nass und trocken auf. Gewaschene Bohnen enthielten nur geringe Mengen Fructose und Glucose, trocken aufbereitete deutlich mehr. Der Vergleich mit unbehandelten Kontrollproben zeigte die Richtung: Bei nasser Aufbereitung nahmen die beiden Zucker ab, bei trockener blieben sie gleich oder stiegen. Saccharose, der Hauptzucker im Rohkaffee, veränderte sich durch die Aufbereitung nicht signifikant. Die Autoren sehen die Ursache in einem aktiven Stoffwechsel des Samens.

Selmar und Kollegen (2006) gingen dem nach. Die Unterschiede blieben auch dann bestehen, wenn identisches Ausgangsmaterial parallel mit beiden Methoden aufbereitet wurde, sie müssen also in der Bohne selbst entstehen. Nachweisen ließ sich, dass im Samen während der Aufbereitung eine Keimung einsetzt, erkennbar an den Markern Isocitrat-Lyase und beta-Tubulin. Bytof und Kollegen (2007) fanden die höchste Keimungsaktivität zwei Tage nach Beginn der nassen Aufbereitung und erst etwa eine Woche nach Beginn der trockenen.

Fermentation heißt laut Kaffeeverband die Umbildung organischer Substanz in Säuren, Gase oder andere Stoffe, angetrieben von Enzymen. Weil sie den Geschmack beeinflusst, wird dazu viel geforscht. Eine Übersichtsarbeit von Lee und Kollegen (2015) hält fest, dass gute Kontrolle erwünschte Eigenschaften hervorbringt und unerwünschte Fermentation verhindert, die Fehlaromen erzeugt. Das gilt für jede Fermentation, also auch für die nasse Aufbereitung.

Zu anaerob fermentiertem Kaffee kommen Febrianto und Zhu (2023) in einer Übersicht über neue Verfahren zu dem Ergebnis, dass die Wirkung je nach Rohstoff und Methode verschieden stark ausfällt. Eine Einzelstudie von Fu und Kollegen (2026) mit Catimor aus Baoshan in Yunnan (1.200 Meter, Ernte März 2023) ließ Kaffee sieben Tage in vakuumierten Beuteln fermentieren. Dort schnitten die anaeroben Varianten bei Duft, Aroma, Geschmack, Nachgeschmack, Säure, Körper und Balance besser ab als die konventionellen. Nass aufbereiteter Kaffee war sauberer und weniger süß als trocken aufbereiteter. Eine Varietät, ein Ort, ein Jahr: Für eine Regel reicht das nicht.

Herkunft oder Aufbereitung: was wiegt schwerer?

Der Kaffeeverband nennt beides geschmacksprägend, ohne Rangfolge. Eine Dissertation an der University of Otago (Fernandez Alduenda, 2015) legt sich fest, und zwar auf die Herkunft. In einem Teil der Arbeit bewerteten Q-Grader Kaffees von 22 Farmen aus Guerrero in Mexiko nach vier Aufbereitungen. In einem zweiten Teil beschrieb ein an der Universität Otago geschultes Panel 22 Natural-Kaffees verschiedener Herkunft und 9 gewaschene Vergleichsproben, die von denselben Farmen stammten wie neun der Naturals. Dort wog das Ursprungsland schwerer als die Aufbereitung. Natural unterschied sich vor allem dann klar von washed, wenn es einen Mocha-Charakter zeigte. Eine Masterarbeit der University of Pretoria (Viljoen, 2019) fand bei 20 Arabica-Proben, dass sie sich nach geografischer Herkunft gruppierten. Unsere Einschätzung: Beides zählt, eine feste Rangfolge behaupten wir nicht.

Für einzelne Herkünfte gibt es belegte Bruchstücke. Bei Viljoen wurden brasilianische Proben mit Karamell, Frucht, Kräutern und Nuss beschrieben, afrikanische mit vielfältigen floralen, fruchtigen und würzigen Noten, einige davon (Simbabwe, Äthiopien Limu, Malawi) eher erdig, mit Erdnuss, Zeder, Kräutern und Zitrus. Schokolade nennt die Arbeit für Brasilien nicht. Das nationale Kaffeeinstitut ICAFE beschreibt für Costa Rica einzelne Regionen: Los Santos mit Dota und Tarrazú liegt auf 1.200 bis 1.900 Metern, rund 95 Prozent sind dort SHB, geerntet wird von November bis März, überwiegend unter Schatten, und die Tasse beschreibt ICAFE mit gutem Körper, hoher, feiner Säure und leicht schokoladig. Für Tres Ríos auf 1.200 bis 1.650 Metern nennt das Institut eine sehr hohe, feine Säure und sehr guten Körper. Das sind Selbstbeschreibungen, keine Messungen. Die Faustregel Ostafrika gleich Frucht, Südamerika gleich Nuss und Schokolade ist nach dieser Lage eine grobe Händlertendenz, mehr nicht.

Wofür wir keine Quelle gefunden haben, steht hier einmal gesammelt: eine begutachtete Studie mit Geschmacksprofilen für einzelne Länder wie Kenia, Kolumbien, Guatemala, Honduras, Sumatra oder Äthiopien, eine Zuordnung von Herkünften zu Brühmethoden oder zur Milchtauglichkeit, eine Fachquelle für die Abstufungen yellow, red und black honey, ein festes Geschmacksprofil für anaerob fermentierten Kaffee, einen Beleg dafür, dass große Bohnen wie AA gleichmäßiger rösten oder dass AB die häufigste kenianische Klasse ist, und eine Höhengrenze mit Meterangabe für Nicaragua. Liest du so etwas auf einer Packung, ist es eine Angabe des Verkäufers, die du nicht nachprüfen kannst.

Varietäten: was der Katalog von World Coffee Research sagt

World Coffee Research (WCR) führt einen Sortenkatalog mit Herkunft, Anbaueigenschaften und einem Qualitätspotenzial für große Höhen. Eine Geschmacksbeschreibung gibt der Katalog für Geisha (siehe FAQ), für Bourbon, Typica, SL28 und Pacamara dagegen nicht. Noten wie Johannisbeere für SL28 stammen also nicht von dort.

Varietät Herkunft laut WCR Qualitätspotenzial laut WCR Anbau
Bourbon Anfang des 18. Jahrhunderts von französischen Missionaren aus dem Jemen nach La Réunion gebracht Very Good hochwüchsig, mittlerer Ertrag
Typica hier nicht ausgewertet gute Tassenqualität, in Mittelamerika hohe Qualität hochwüchsig, sehr geringe Produktion, krankheitsanfällig
Caturra Mutation von Bourbon, 1915 bis 1918 in Minas Gerais gefunden Good, in Mittelamerika standard quality kompakt, sehr rostanfällig
Catuaí Kreuzung aus Mundo Novo und gelbem Caturra, IAC 1949 Good, good but not great cup quality kompakt, sehr rostanfällig
SL28 1935 in den Scott Agricultural Laboratories in Kenia ausgelesen, Bourbon-verwandt Exceptional trockenheitstolerant, geringer Ertrag
Pacamara Kreuzung aus Pacas und Maragogipe, Institut ISIC in El Salvador Exceptional sehr große Bohne, geringer Ertrag, nicht einheitlich
Geisha (Panama) in den 1930er Jahren in Äthiopien gesammelt Exceptional geringer Ertrag

SL28 ist laut WCR in Kenia, Malawi, Uganda und Simbabwe verbreitet und anfällig für Rost, Kaffeekirschenkrankheit und Nematoden. Für die Packung heißt das: Eine Varietät mit hohem Potenzial verspricht keine bestimmte Tasse, sie setzt einen Rahmen, den Standort und Aufbereitung ausfüllen.

Fehlerbilder auf dem Etikett

Die meisten Missverständnisse entstehen, weil ein Wort nach mehr klingt, als es festlegt.

Beispiele aus unseren Reviews

Wie unterschiedlich ausführlich Röster sind, zeigen fünf Bohnen aus unserem Vergleich. Am meisten gibt die Incapto Single Origin Kolumbien an: Region Huila, die Gemeinden Pitalito und Acevedo, 1.400 bis 1.800 Meter, die Varietät Castillo Supremo, gewaschen (in der Tabelle als Lavado), laut Hersteller 84 SCA-Punkte und ein Los aus der Nebenernte. Erntejahr, Lotnummer und Röstdatum bleiben dennoch offen.

Die 360° Rundum Ehrlich Bio Honduras kommt laut Anbieter aus über 1.300 Metern, wächst unter Schattenbäumen, wird von Hand geerntet, gewaschen und auf Trockenbetten getrocknet. Nach der CEPAL-Tabelle läge diese Höhe in Honduras im SHG-Bereich, eine solche Angabe macht der Anbieter selbst aber nicht. Varietät, Erntejahr, Lotnummer und der Name der Kooperative fehlen.

Beim Mount Hagen Espresso Bio stehen auf der Produktseite drei Kooperativen: HOAC in Papua-Neuguinea, Atahualpa in Peru und Sidama in Äthiopien, Anteile offen. Von Hochland-Arabica ist die Rede, ohne Meter. Die Bohnen trocknen fünf bis zehn Tage in der Sonne auf etwa 12 Prozent Restfeuchte, ob gewaschen oder natural, bleibt offen. Der Lavazza Tierra for Planet ist 100 Prozent Arabica aus Afrika und Südamerika, auf der Seite des 500-Gramm-Beutels auch aus Zentralamerika, laut Lavazza blumig und fruchtig und hell geröstet. Und bei der Amazon Colombian Medium Roast endet die Herkunft beim Land, im Katalog steht als Ursprungsregion Belgien, vermutlich der Röstort. Alle Bohnen im Vergleich findest du unter Kaffeebohnen, unsere Auswahl in der Bestenliste Kaffeebohnen 2026, und zu Röstgrad und Lagerung steht mehr im Ratgeber Bohnen-Grundlagen.

Herkunft und Brühmethode

Welche Herkunft zu welcher Zubereitung passt, belegt keine Quelle, die wir gefunden haben (siehe die Liste oben), auch nicht für Espresso mit Milch. Belegt ist ein Unterschied, der an der Zubereitung hängt und nicht an der Bohne: Papierfilter halten öllösliche Stoffe zurück, die durch das Metallsieb der French Press in die Tasse gelangen (Zahlen in der FAQ unten).

Unsere Einschätzung: Nimm die Zubereitung, die du ohnehin magst, und ändere bei einer neuen Bohne nur eine Größe auf einmal. Das Verhältnis von Kaffee zu Wasser rechnet dir der Brüh-Rechner aus, die Abläufe stehen in den Ratgebern Filterkaffee zubereiten und French Press.

Zuletzt aktualisiert: 14.10.2026· Redaktion TopKaffeeReviews · Wie wir arbeiten

KI-HinweisDieser Text entstand mit KI-Unterstützung und wurde vor der Veröffentlichung redaktionell geprüft. Die Bilder auf dieser Seite sind nicht KI-generiert.Wie wir KI einsetzen

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Ist die Kaffeebohne eine Frucht?

Nein, sie ist der Samen einer Frucht. Der Deutsche Kaffeeverband beschreibt die Kaffeekirsche als Steinfrucht: Unter der roten Haut liegt das weiche, zuckerhaltige Fruchtfleisch, die Pulpe, darin stecken meist zwei Samen. Jeder Samen ist von einem Silberhäutchen und einer Pergamenthaut mit Schleimschicht umgeben. Reif ist die Kirsche je nach Art neun bis elf Monate nach der Bestäubung. Genau diese Hüllen trennt die Aufbereitung später ab, je nach Methode früher oder später.

Wann wird Kaffee geerntet, und was ist ein Microlot?

Meist einmal im Jahr, in manchen Gebieten mehrmals. Nördlich des Äquators liegt die Ernte laut Kaffeeverband meist zwischen September und Dezember, manchmal zwischen November und Februar. Südlich davon beginnt sie meist im April oder Mai und läuft bis September. In Ländern nahe am Äquator wird je nach Lage und Höhe das ganze Jahr über geerntet. Das Kaffeejahr im Handel reicht vom 1. Oktober bis zum 30. September. Ein Microlot ist eine kleine Lieferung von einer eng begrenzten Fläche mit besonderen Bedingungen.

Wie viele Kaffeekirschen braucht ein Kilo Röstkaffee?

Nach Angaben des Kaffeeverbands ergeben etwa 15 Kilogramm frische Kirschen zwei bis zweieinhalb Kilogramm Rohkaffee und rund zwei Kilogramm Röstkaffee. Für ein Kilo Röstkaffee sind das nach unserer Rechnung etwa 7,5 Kilogramm Kirschen. Auch die Ernteweise prägt das Ausgangsmaterial: Bei der selektiven Handpflückung gehen die Pflücker alle acht bis zehn Tage erneut durch die Reihen und nehmen nur reife Früchte. Bei Strip- und Maschinenpflückung kommen reife und unreife Kirschen gemischt in die Aufbereitung.

Hat Kaffee aus großer Höhe weniger Koffein?

In zwei Studien aus Äthiopien ja, wenn auch in kleinem Umfang. Worku und Kollegen (2018) fanden auf großen Plantagen im Südwesten des Landes je 100 Höhenmeter rund 0,12 Gramm Koffein und 1,23 Gramm Chlorogensäure pro Kilogramm Rohkaffee weniger. Tolessa und Kollegen (2017) beziffern den Rückgang auf etwa 10 Prozent bei rund 400 Metern mehr Höhe. Beide Arbeiten untersuchten Rohkaffee aus einem einzigen Land, eine Übertragung auf andere Anbaugebiete leisten sie nicht.

Ist Hochlandkaffee teurer?

Im Rohkaffeehandel wird er besser bezahlt, das halten Bertrand und Kollegen (2012) in der Einleitung ihrer Studie fest. Eine konkrete Zahl stammt aus Honduras: Nach einer Zusammenstellung der UN-Wirtschaftskommission CEPAL von 2002 brachte ein Quintal Oro der Klasse Strictly High Grown im Erntejahr 2000/2001 55,8 US-Dollar, die Klasse High Grown 51,5 US-Dollar. Das ist nach unserer Rechnung ein Aufschlag von rund 8 Prozent. Die Werte sind über 20 Jahre alt und betreffen Exportpreise, keine Ladenpreise.

Was bedeutet AA bei kenianischem Kaffee?

AA ist eine Größenklasse der kenianischen Kaffeeverordnung von 2019, keine Qualitätsnote und keine Höhenangabe. Die Verordnung verlangt, dass mindestens 95 Prozent der Bohnen einer Partie in der angegebenen Klasse liegen. Für die Bewertung als Specialty Coffee verweist sie in einem eigenen Teil auf die Standards der SCAA. Wer Qualität sucht, liest bei kenianischem Kaffee deshalb besser Region, Aufbereitung und eine eventuelle Punktzahl als die beiden Buchstaben.

Warum ist Geisha-Kaffee so teuer?

Einen Grund für den Preis nennt der Sortenkatalog von World Coffee Research nicht, wohl aber die Geschichte der Varietät. Sie wurde in den 1930er Jahren in äthiopischen Kaffeewäldern gesammelt, kam 1953 über Tansania an das Forschungszentrum CATIE und wurde in den 1960er Jahren in Panama verbreitet. 2005 reichte die Familie Peterson aus Boquete sie beim Wettbewerb Best of Panama ein, der mit einer Auktion verbunden ist. Dort wurde sie außergewöhnlich hoch bewertet und brach mit über 20 US-Dollar je Pfund den damaligen Rekord für Rohkaffee-Auktionen. Bekannt ist sie laut WCR für zarte florale Aromen, Jasmin und Pfirsich.

Lässt ein Papierfilter andere Stoffe in die Tasse als die French Press?

Ja, bei den öllöslichen Diterpenen. Urgert und Kollegen (1995) bestimmten den Gehalt an Cafestol je Tasse: French Press 3,5 Milligramm, skandinavischer Kochkaffee 3,0, türkischer oder griechischer Kaffee 3,9, italienischer Espresso 1,5. In gefiltertem Kaffee, Instantkaffee und Perkolatorkaffee waren die Mengen vernachlässigbar. Die Studie nennt die Stoffe im Titel cholesterinerhöhend, daher das Interesse der Forscher. Über Körper oder Geschmack sagt sie nichts.