Der Name legt eine Rangfolge nahe, und genau die stimmt nicht. Der P5 ist nicht die große Ausführung des P3. Auf den Produktseiten beider Modelle stehen dieselben zwei Bestellgrößen, 18 und 32 Unzen. Was du für den Aufpreis bekommst, sitzt außen um das Glas herum.
Lohnt der Aufpreis gegenüber dem P3?
Nur, wenn die Kanne bei dir in Bewegung ist. Espro schreibt im eigenen Blog, der P5 bringe einen Edelstahlkäfig um die Glaskanne mit, für mehr Haltbarkeit und eine glattere Optik. Das ist der Unterschied, den Rest teilen sich die beiden Modelle.
In den Materiallisten steht es schwarz auf weiß. Für den P5 nennt Espro Borosilikatglas, Edelstahl und Polypropylen, für den P3 nur Borosilikatglas und Polypropylen. Das Gewicht folgt der Bauweise: 2,4 Pfund beim P5 gegen 1,8 Pfund beim P3, umgerechnet rund 1,09 gegen 0,82 Kilogramm im leeren Zustand.
Ein Safety Lock hält das Glas laut Handbuch fest im Rahmen. Ein Unterschied zwischen den Modellen ist das nicht: Die Anleitung erscheint für P3 und P5 gemeinsam, und auch die Produktseite des P3 nennt eine Verriegelung, die das Glas fest im Rahmen hält. Als Unterschied belegt bleiben damit die Materialliste, der Blogsatz zum Käfig und die 0,6 Pfund Mehrgewicht. Ohne Modellzuordnung nennt der Amazon-Text außerdem einen Drehverschluss, der die Kanne gegen Verrutschen, Verschütten und Risse beim Ausgießen sichern soll.
Preislich stehen sich ca. 50 Euro (Stand September 2026) und die 29,75 Euro aus dem Datenblatt des Espro P3 gegenüber. In den rund 20 Euro Abstand steckt allerdings auch der Größenunterschied, denn der P3 steht bei uns mit 530 Millilitern, der P5 mit 950. Für den Metallkäfig und ein paar hundert Gramm mehr Masse würden wir uns entscheiden, wenn die Kanne auf den Frühstückstisch wandert, im Büro zwischen Schreibtischen steht oder auf den Balkon getragen wird.
Maße, Glas und Herkunft
Espro gibt die Kanne mit 6,1 x 4,3 x 9,5 Zoll an, also rund 15,5 x 10,9 x 24,1 Zentimeter. Die Höhe ist die Zahl, auf die es in der Küche ankommt, denn zum Befüllen brauchst du darüber noch die Hand mit dem Wasserkessel. Der Amazon-Katalog führt eigene Maße, 9,75 Zoll hoch bei 6 Zoll Länge und 4 Zoll Breite, also gut einen halben Zentimeter mehr in der Höhe. Wer knapp plant, rechnet mit dem größeren der beiden Werte.
Beim Gewicht widersprechen sich die Quellen ebenfalls. Espro nennt 2,4 Pfund, der Amazon-Katalog 1,83 Pfund, und damit praktisch das Gewicht, das der Hersteller für den P3 angibt (1,8 Pfund). Wir rechnen mit der Herstellerangabe zum P5.
Das Glas ist Borosilikat. In der gemeinsamen Anleitung steht, das eigene Glas sei 40 Prozent dicker als das einer klassischen Presse, bleibe dadurch wärmer und halte mehr aus. Kunststoff kommt trotzdem vor: Der Filterrahmen ist laut Amazon-Bullet BPA-frei und trägt eine 360-Grad-Silikondichtung, die das Sieb an der Glaswand führt. Den P5 selbst führt Espro als BPA-, BPS- und phthalatfrei.
Für die Ersatzteilsuche noch zwei Angaben aus dem Katalog: Die Modellnummer lautet 1232C, die Farbbezeichnung Polished Stainless Steel. Gefertigt wird in China, die Firma sitzt in Vancouver.
Im Detail: was zwei Mikrofilter ändern
Eine klassische French Press hat ein Sieb. Der P5 hat zwei, und das Handbuch verlangt ausdrücklich, beide auf die Stange zu schrauben. Espro nennt das ein patentiertes Mikrofiltrations-System, dessen Zweck es ist, den Feinanteil auszusperren.
Wie fein die Siebe wirklich sind, sagt der Hersteller nur relativ: 9-fach und 12-fach feiner als der Durchschnitt, so steht es in der Firmengeschichte auf espro.com. Der Amazon-Bullet spricht von ultrafeinem Edelstahlgewebe, bis zu 12-mal feiner als bei Standardpressen. Das sind Herstellerzahlen ohne Bezugsgröße, nachgebrüht haben wir sie nicht.
Interessanter als die Feinheit ist der zweite Effekt, und der ist konstruktionsbedingt. Das Handbuch beschreibt, dass die Bauweise den Extraktionsvorgang beendet, sobald der Filter unten ist. In einer einlagigen Presse steht der Kaffee weiter auf dem Satz und extrahiert weiter, weshalb er üblicherweise sofort umgefüllt wird. Folgt man dem Handbuch, entfällt dieser Schritt beim P5. Wer eine volle Kanne über eine halbe Stunde austrinkt, hat davon mehr als von jeder Angabe zur Maschenweite.
Zum Hintergrund: Espro wurde 2002 von zwei Ingenieuren gegründet, Chris und Bruce, und war nach eigener Darstellung schon nach fünf Jahren bei der vierten Filtergeneration.
Mengen, Mahlgrad und Ziehzeit nach Handbuch
Grob mahlen, sonst nichts. Die Anleitung lässt ausschließlich grob gemahlenen Kaffee zu.
Für die 950-Milliliter-Kanne stehen zwei Zeilen in der Mengentabelle: 30 bis 45 Gramm Kaffee, wenn du bis zur MIN-Linie füllst, und 40 bis 60 Gramm bis zur MAX-Linie. Die Spanne innerhalb einer Zeile ist deine Stellschraube für die Stärke, die passende Wassermenge dazu rechnet dir der Brüh-Rechner aus.
In der eigenen FAQ nennt Espro zusätzlich ein Verhältnis: ein Gramm auf 15 bis 18 Milliliter Wasser. Rechnet man das auf die vollen 950 Milliliter hoch, kommen rund 53 bis 63 Gramm heraus, während die Zeile bis zur MAX-Linie bei 40 Gramm anfängt. Beide Angaben stammen von Espro und decken sich nur im oberen Teil. Wer nach der Tabelle dosiert, landet damit eher am schwachen Ende dessen, was der Hersteller als Verhältnis vorgibt.
Die Wassertemperatur beziffert Espro in der eigenen Brühanleitung mit 195 bis 205 Grad Fahrenheit, umgerechnet rund 91 bis 96 Grad Celsius. Danach vier Minuten warten und langsam pressen, mit höchstens 10 Pfund Kraft, also etwa 4,5 Kilogramm.
Die Zahl, die den Kauf am ehesten kippt, steht unscheinbar auf der Produktseite: Minimum Brew Size, 24 oz, rund 710 Milliliter. Die große Kanne ist damit kein Gerät für die einzelne Tasse am Nachmittag.
Das Verfahren Schritt für Schritt steht in der French Press Anleitung, die Frage nach der richtigen Körnung im Ratgeber Mahlgrad einstellen.
Papierfilter, Pflege und Ersatzteile
Papierfilter sind beim P5 eine Option, kein Zwang. Espro sieht vor, sie zusammen mit den Kaffeefiltern einzulegen, und beschreibt das Ergebnis als ölfreien Kaffee im Pour-over-Stil. Zwei Regeln stehen dazu im Handbuch: Ein Papierfilter wird nicht wiederverwendet, und mit dem Teefilter arbeitet er nicht zusammen. Ob welche in der Schachtel liegen, ist unklar, denn das Handbuch spricht von beigelegten Papierfiltern, die Produktseite verkauft sie separat.
Gereinigt wird nach jedem Aufguss, und dabei fällt mehr an als bei einer einfachen Kanne. Espro schreibt in der eigenen FAQ, die beiden Siebe seien mit einer Drehung zu trennen und einzeln mit Spülmittel auszuwaschen. Das Glas nimmst du vorher aus dem Käfig, so will es die Anleitung, und vor dem ersten Gebrauch werden alle Teile innen und außen gewaschen. Einmal im Monat empfiehlt der Hersteller ein längeres Einweichen mit seinem Deep-Clean-Mittel gegen Ablagerungen und Gerüche.
Was nicht passieren darf, steht in Großbuchstaben in der Anleitung: keine Herdplatte, kein Lagerfeuer, keine Mikrowelle. Zeigt das Glas einen Riss, ist die Kanne stillzulegen und zu ersetzen.
Filter, Dichtungen und Glas laufen laut Handbuch als Verschleißteile. Einzeln im Shop führt Espro davon den Filter und ein Ersatzglas für P3 und P5, Dichtungen stehen auf der Ersatzteilseite nicht. Der Kaffee-Mikrofilter in der 4-Zoll-Ausführung für die große Kanne kostet im Herstellershop 21,95 US-Dollar, einen Europreis führt Espro nicht. Vor dem Kauf lohnt deshalb der Blick darauf, ob dein Händler Ersatzsiebe überhaupt im Programm hat.
Was Espro offenlässt
Ein paar Angaben, die in ein Datenblatt gehören, sucht man bei diesem Hersteller vergeblich, und das gehört zum Bild: Die Maschenweite der beiden Siebe steht nirgends in Mikrometern, sondern nur als Verhältnis zum Durchschnitt; die Wandstärke des Glases gibt Espro nicht in Millimetern an, sondern nur als 40 Prozent mehr; zur Edelstahlgüte von Käfig und Sieben schweigt die Produktseite; eine Patentnummer zum Filtersystem taucht nirgendwo auf; eine Liste des Packungsinhalts fehlt; wie lange der Kaffee in der Kanne heiß bleibt, beziffert der Hersteller nicht; Maße und Gewicht gibt es nur in Zoll und Pfund; und eine deutschsprachige Bedienungsanleitung haben wir nicht gefunden, das Handbuch liegt auf Englisch und Französisch vor.
Aufheizzeit, Wattzahl und Brühtemperatur des Geräts fallen hier weg. Der P5 hat keinen Stromanschluss, das heiße Wasser bringst du selbst mit.
Was kommt sonst infrage?
| Modell | Der Unterschied | Preis | Unsere Wertung | Nimm dieses, wenn |
|---|---|---|---|---|
| Espro P5 (dieses) | Zwei Mikrofilter, Glas im Edelstahlkäfig, 950 ml | ca. 50 € | 9,1 | du die volle Kanne oft trägst und den Bruchschutz willst |
| Espro P3 | Gleicher Doppelfilter, gleiche zwei Größen, Rahmen ohne Edelstahl | ca. 29,75 € | 9,0 | die Kanne an einem Platz stehen bleibt |
| Bodum Chambord | Ein Edelstahl-Filtersieb mit Kreuz- und Spiralplatte statt zwei Mikrofiltern, 1 Liter | ca. 34,99 € | 8,8 | dich etwas Satz am Tassenboden nicht stört |
| AeroPress Original | Presskolben mit Papierfilter, 296 ml Brühkammer | ca. 41,08 € | 9,3 | du allein trinkst und in zwei Minuten fertig sein willst |
Die Preise sind Richtwerte vom Stand September 2026 und ändern sich täglich, die Wertung ist unsere redaktionelle Einschätzung aus vier Einzelnoten, kein Messergebnis. Was die Tabelle nicht leistet: Sie sagt nichts darüber, wie die vier bei gleicher Bohne schmecken. Alle Kannen und Presskolben der Klasse stehen im Hub French Press und AeroPress.
Wann diese Kanne passt und für wen sie die falsche ist
Vier Dinge entscheiden das: wie viel Kaffee auf einmal in die Kanne soll, wie viel Zeit du am Spülbecken hast, welche Mühle bei dir im Schrank steht und wie viel Platz unter dem Hängeschrank frei ist.
Zur Menge: 950 Milliliter ergeben rechnerisch vier Tassen zu 240 Millilitern oder knapp fünf zu 200. Nach unten deckelt die Mindest-Brühmenge das Ganze bei gut drei Tassen. Zwischen diesen beiden Marken bewegst du dich, alles darunter sieht der Hersteller für diese Kanne nicht vor. Wer regelmäßig weniger braucht, greift zur kleinen Ausführung: Im Herstellershop kostet die 530-Milliliter-Presse 44,95 US-Dollar, die große 49,95, also fünf Dollar mehr. Über den Preis entscheidet sich die Größe also nicht, über die Menge schon.
Zum Spülen: Zwei Siebe auseinanderdrehen und einzeln abwaschen dauert länger als das Ausspülen eines einlagigen Standardsiebs. Wer morgens in zwei Minuten aus der Küche sein will, ist mit einer klassischen Kanne schneller fertig und nimmt den Satz in Kauf.
Dann die Mühle. Ohne eine Mühle, die einen gleichmäßig groben Mahlgrad hinbekommt, spielt der Doppelfilter seinen Vorteil nicht aus, und feines Mahlgut setzt die Siebe zu. Wer bislang vorgemahlenen Filterkaffee kauft, sollte das Geld eher in eine Mühle stecken als in die teurere Kanne.
Bleibt der Platz. 24,1 Zentimeter Höhe wollen unter dem Hängeschrank untergebracht sein, und die volle Kanne wiegt gut zwei Kilogramm: rund 1,09 Kilogramm Leergewicht plus knapp ein Kilogramm Wasser. Beim einhändigen Anheben über den Frühstückstisch ist das einzukalkulieren.
Eine Gruppe sollte die Finger von dieser Kanne lassen: Wer den Kaffee nach dem Brühen eine Stunde warm halten möchte, kauft besser eine isolierte Edelstahlkanne. Auf eine Wärmequelle darf der P5 nicht, und das dickere Glas ersetzt keine Isolierung. Wenn du unsicher bist, hilft die Frist des Herstellers: Espro gibt auf der Produktseite 30 Tage Rückgabe an, gültig für den Kauf im eigenen Shop.



