Lavazza verkauft die Tierra for Planet als Bio-Röstkaffee aus 100 Prozent Arabica, ganze Bohnen im Kilobeutel, hell geröstet und auf der hauseigenen Skala mit Intensität 6 von 10 eingestuft. Unser Richtwert liegt bei ca. 23,49 Euro pro Kilo (Stand September 2026). Diesen Betrag zeigte der Amazon-Katalog am 7. September. Im Lavazza-Shop stand er am 24. September ebenfalls, dort mit dem Vermerk, das Produkt sei im Moment nicht verfügbar.
Unter den Sorten italienischer Röster im Kaffeebohnen-Vergleich ist das der höchste Kilopreis. Caffè Mauro, Pellini, Segafredo, die Lavazza-eigene Cremoso und beide Gimoka-Sorten liegen darunter.
Was auf dem Beutel steht
Das Produktfoto zu unserem Katalogeintrag zeigt einen Standbeutel in Weiß und Grün, keine Dose. Oben rechts „Organic coffee beans“ und „1000 g“, unter dem Lavazza-Schriftzug „Torino Italia 1895“. Die Jahreszahl ist die der Firmengründung: 1895 eröffnete Luigi Lavazza in der Via San Tommaso in Turin seinen ersten Laden. In der Mitte sitzt das runde Tierra-Emblem mit „Premium Blend“ und „Bio-Organic“, darunter „For Planet“ und der zweisprachige Zusatz „Rispondiamo al cambiamento climatico, Managing climate change“. Außer dem grünen EU-Bio-Logo ist ein zweites rundes Siegel zu sehen, auf dem 500 Pixel breiten Bild zu klein für eine sichere Bestimmung. Rechts unten stehen „100% Arabica, hand-picked coffee“ und die Intensität 6/10.
Im Lavazza-Shop hat die Kilopackung inzwischen einen neuen Namen: ¡Tierra! For Coffee Projects Bohnen. Seitentitel und Adresse lauten weiter Tierra for Planet, und der 500-Gramm-Beutel läuft unverändert als ¡Tierra! for Planet Bohnen.
Amazon führt die Kilopackung unter der Modellnummer 3238, mit Artikelmaßen von umgerechnet rund 25 mal 15 mal 10 Zentimetern und 1,0 Kilogramm Gewicht. Als Hersteller steht dort die Luigi Lavazza Deutschland GmbH, auf der Produktseite von Lavazza als Lebensmittelunternehmer die Luigi Lavazza S.p.A. in der Via Bologna 32 in Turin.
Röstung hell, Intensität 6, Aroma laut Lavazza
Beide Lavazza-Seiten für die Bohnen, Kilo wie halbes Kilo, geben die Röstung mit „Hell“ an. Der Amazon-Katalogtext spricht von einer leichten Röstung, die dem Kaffee ein feines Aroma und eine goldene Farbe verleihe. Die goldene Farbe ist Werbesprache, beim Röstgrad selbst liegen Amazon und Lavazza aber gleich.
Die 6 ist eine Lavazza-Zahl. Sie sortiert das eigene Sortiment und lässt sich nicht mit der Stärkeskala eines anderen Rösters verrechnen, auch wenn dort ebenfalls eine Zahl bis 5 oder bis 10 steht. Innerhalb der Marke taugt sie als Orientierung: Die Espresso Italiano Cremoso steht bei 8.
Zum Geschmack haben wir nur Herstellertext. Das Profil fasst Lavazza als „Mild und fruchtig“ zusammen, unter aromatische Noten steht „Blumig, Fruchtig“. Auf der Seite des 500-Gramm-Beutels wird die Beschreibung ausführlicher: Noten tropischer Früchte und Blüten, eine zarte, fruchtige Mischung mit lang anhaltendem Geschmack.
Afrika, Südamerika, und je nach Seite auch Zentralamerika
Wo der Rohkaffee herkommt, beantwortet Lavazza auf verschiedenen Seiten auf zwei Arten. Die Seite zum halben Kilo und die Übersichtsseite der Tierra-Kollektion nennen Afrika, Zentral- und Südamerika, der Amazon-Katalog Afrika, Mittel- und Südamerika. Die Seite der Kilopackung, also genau des Beutels, um den es hier geht, nennt wie die Seite des gemahlenen Kaffees nur Afrika und Südamerika.
Unser Ratgeber Kaffee, Herkunft und Geschmack hält die gängige Regel, dass Ostafrika eher Frucht bringt und Südamerika eher Nuss und Schokolade, für eine grobe Händlertendenz, mehr nicht. In einer Masterarbeit mit 20 Arabica-Proben wurden afrikanische Proben mit floralen, fruchtigen und würzigen Noten beschrieben, einige davon eher erdig. Die blumige, fruchtige Beschreibung würde zu einem afrikanischen Anteil passen. Mehr als eine Vermutung ist das nicht, zumal „Afrika“ Äthiopien genauso umfasst wie Uganda.
Handgepflückt sei der Arabica, schreiben der Amazon-Katalog und die Seite des 500-Gramm-Beutels, auf der Kollektionsseite heißt es handverlesen. Von Hand geerntet wird auf zwei Arten. Beim selektiven Pflücken kommen nur reife Kirschen vom Strauch, oft in mehreren Durchgängen. Beim Abstreifen, ebenfalls von Hand, landet der ganze Zweigbesatz auf einmal im Korb, reif und unreif gemischt.
Im Detail: Was eine helle Röstung im Espresso verlangt
Eine hell geröstete Bohne war kürzer oder weniger heiß in der Trommel als eine dunkle. Ihre Zellstruktur ist weniger aufgebrochen, sie ist dichter, und lösliche Stoffe gehen langsamer ins Wasser über. Im Handfilter gleicht die Kontaktzeit das zum großen Teil aus, weil das Wasser dort minutenlang auf dem Kaffeemehl steht. Ein Espresso läuft in ungefähr 25 bis 30 Sekunden durch.
Läuft das Wasser zu schnell durch den Puck, kann die Tasse sauer und dünn ausfallen. Der erste Hebel ist der Mahlgrad: feiner, bis die Durchlaufzeit wieder stimmt. Eine Reihenfolge, in der sich Säuren vor Süße und Bitterstoffen lösen, belegt unser Ratgeber nicht; nach Batali u. a. (2020) zeigte die Wassertemperatur bei gleichem Extraktionsgrad ohnehin keinen Effekt. Wie du eine saure von einer bitteren Tasse unterscheidest, erklärt Kaffee schmeckt bitter oder sauer, das Nachstellen an der Mühle Mahlgrad einstellen.
Zur Crema sagt Lavazza bei dieser Sorte nichts. Crema besteht aus Kohlendioxid, das beim Rösten in der Bohne eingeschlossen wird, und aus gelösten Stoffen, die den Schaum stabilisieren. Robusta liefert nach allem, was über die beiden Arten bekannt ist, von beidem mehr. Wer von Mischungen wie der Cremoso kommt, sollte bei reinem Arabica mit einer dünneren Schicht rechnen, die schneller zusammenfällt. Wie dicht sie steht, hängt zusätzlich am Alter der Röstung, weil das Gas nach dem Rösten nach und nach entweicht.
Beim Koffein gilt dieselbe Artlogik. Arabica enthält etwa halb so viel wie Robusta, bei gleicher Dosis bekommst du aus der Tierra also weniger Koffein als aus einer Mischung mit Robusta-Anteil.
Bio, Rainforest Alliance und die Stiftungsprojekte
Auf der Produktseite steht als Beschreibung „Bio-Röstkaffee, ganze Bohnen“. Die Übersichtsseite der Tierra-Kollektion erklärt dazu, die Bio-Zertifizierung garantiere, dass bei der Ernte die von den europäischen Standards vorgeschriebenen Herstellungsverfahren eingehalten werden.
Der Tierra for Planet ordnet die Produktseite kein Zertifikat der Rainforest Alliance zu, obwohl dieselbe Kollektionsseite beschreibt, welche Vorgaben zur nachhaltigen Landwirtschaft Farmen mit diesem Zertifikat erfüllen müssen.
Die naheliegende Erklärung für den neuen Namen ist ein belegter Anteil. Auf der Kollektionsseite steht unter ¡Tierra! For Coffee Projects, 10 Prozent des Kaffees stammten aus Projekten, in denen sich die Lavazza Stiftung für die Verbreitung guter landwirtschaftlicher Praktiken einsetzt.
Die Tierra-Mischung selbst gibt es seit 2004. Auf der Seite zur Firmengeschichte nennt Lavazza sie das Herz des Engagements für Nachhaltigkeit und schreibt, über das Tierra-Projekt habe man die Lebensbedingungen von über 3.000 Bauern in acht Ländern schrittweise verbessert.
Kilo oder 500 Gramm, und wie lange hält das?
Preislich ist der Unterschied klein, beim Verbrauch nicht. Am 24. September kostete der 500-Gramm-Beutel im Lavazza-Shop 11,99 Euro, umgerechnet 23,98 Euro pro Kilo und damit 49 Cent mehr je Kilo als die große Packung. Lieferbar war dort an dem Tag keine der beiden Größen. Wer weniger als einen doppelten Espresso am Tag trinkt, nimmt aus unserer Sicht den kleinen Beutel, sofern er ihn bekommt.
Die Rechnung dahinter: Mit 18 Gramm für einen Doppelten, unserer Annahme für den Siebträger, reicht das Kilo rund 55 Tage, bei zwei Doppelten täglich knapp einen Monat. Lavazza rät in seinem Ratgeber zur Aufbewahrung, Kaffee innerhalb von 2 bis 6 Monaten nach der Röstung zu verbrauchen, und dieses Fenster zählt ab dem Röster, nicht ab deiner Bestellung. Wie lange ein Beutel schon im Lager lag, weißt du beim Kauf nicht, deshalb lohnt der Blick auf Röst- und Verfallsdatum, zu dem Lavazza ausdrücklich rät.
Für die Lagerung selbst schreibt derselbe Ratgeber, ganze Bohnen wie gemahlenen Kaffee in einem undurchsichtigen, luftdichten Behälter aufzubewahren, idealerweise vakuumversiegelt und geschützt vor Licht, Wärme und Feuchtigkeit. Als Material empfiehlt Lavazza Glas oder Keramik statt reaktiver Werkstoffe, als gleichwertige Alternative zum Behälter nennt der Ratgeber die vakuumversiegelte Originalverpackung, jeweils bei Raumtemperatur an einem trockenen Ort.
Den Kühlschrank lehnt Lavazza ab, weil dort Wassermoleküle aus der Luft in der Dose kondensieren. Vakuumversiegelten gemahlenen Kaffee hält der Ratgeber in der Vorratskammer höchstens fünf bis sechs Monate für frisch. Gemahlen wird erst kurz vor der Zubereitung, und schon gemahlenen Kaffee soll man innerhalb eines Monats verbrauchen.
Ein Kilobeutel wird über Wochen immer wieder geöffnet. Wir würden einen Wochenvorrat in eine kleine, dichte Dose umfüllen und den Rest im Beutel lassen, fest zugerollt oder mit einer Klammer verschlossen. In den Bohnenbehälter eines Vollautomaten würden wir nur füllen, was in wenigen Tagen durchläuft, es sei denn, der Maschinenhersteller gibt den Behälter ausdrücklich als luftdicht an.
Was Lavazza nicht angibt
Diese Punkte haben wir am 24. September 2026 auf den Lavazza-Seiten und im Amazon-Katalog (Stand 7. September) gesucht und nicht gefunden:
- Anbauländer, Anbauhöhe, Varietäten und Aufbereitung, und damit auch, welche acht Länder das Tierra-Projekt meint und ob der Rohkaffee dieses Beutels aus ihnen stammt
- das Mischungsverhältnis der Herkunftsregionen
- ob mit handgepflückt selektives Pflücken oder Abstreifen gemeint ist
- Röstdauer, Rösttemperatur und den Ort der Röstung
- die Kontrollstellennummer der Bio-Zertifizierung und welche weiteren Siegel für genau diese Sorte gelten
- Koffeingehalt und eine Säureangabe als Zahl
- eine Mindesthaltbarkeit ab Röstung und ob ein Röstdatum aufgedruckt ist
- Material, Aromaventil, Wiederverschließbarkeit und Recyclingfähigkeit des Beutels
- Dosis, Mahlgrad, Brühtemperatur und Brühzeit
- Nährwerte und Allergene
- seit wann es die Sorte „for Planet“ gibt (belegt ist nur die Tierra-Mischung ab 2004) und ob sich mit dem neuen Namen an der Zusammensetzung etwas geändert hat
Am schwersten wiegt für uns die fehlende Dosier- und Mahlempfehlung. Gerade bei einer hellen Röstung würde ein Startwert viel Ausprobieren ersparen.
Drei Bohnen, die sonst infrage kommen
| Sorte | Röstung und Herkunft | Preis pro kg | Unsere Wertung | Nimm diese, wenn |
|---|---|---|---|---|
| Lavazza Tierra for Planet (diese) | Hell, 100 % Arabica aus Afrika und Südamerika, laut 500-g-Seite auch Zentralamerika, Bio | ca. 23,49 € | 8,4 | du einen hellen Espresso mit Bio-Angabe suchst und an der Mühle fein nachstellen kannst |
| Lavazza Espresso Italiano Cremoso | Mittel, Arabica und Robusta aus Südamerika und Südostasien | ca. 16,99 € | 8,9 | du klassischen italienischen Espresso oder viele Milchgetränke machst und auf Bio verzichten kannst |
| Mount Hagen Espresso Bio | Dunkle Espressoröstung, 100 % Arabica aus drei Ländern, Bio, Naturland und Fairtrade | ca. 23,01 € | 8,6 | du Bio mit benannten Herkunftsländern und Fairtrade willst und eine dunkle Röstung bevorzugst |
| 360° Rundum Ehrlich Bio Honduras | Lange Trommelröstung, 100 % Arabica aus dem Hochland von Honduras über 1.300 m | ca. 35,59 € | 9,3 | du für eine einzige, benannte Herkunft rund 12 Euro mehr pro Kilo zahlen willst |
Röstung und Herkunft stehen so in der Tabelle, wie die Röster sie angeben. Zwischen der Tierra und der Mount Hagen liegen 48 Cent pro Kilo. Die Wertungen fassen unsere redaktionelle Einschätzung aus Hersteller- und Katalogdaten zusammen, getrunken hat bei uns niemand.
Für wen geeignet? Wann die Tierra zu deiner Maschine passt
Lavazza selbst nennt als Zubereitung Espresso und Mokka, auf der Seite des halben Kilos steht zusätzlich „Für Espressomaschinen“. Kaffeevollautomaten und Siebträgermaschinen stammen aus dem Amazon-Katalogtext, Filterkaffee und French Press führt Lavazza erst beim gemahlenen Kaffee.
Am meisten Spielraum hast du nach unserer Einschätzung im Siebträger mit einer Mühle, die sich in kleinen Schritten verstellen lässt. Dort greifen beide Hebel aus dem Abschnitt zur hellen Röstung.
Für den Espressokocher spricht, dass Lavazza ihn ausdrücklich nennt. Dort drückt Dampf das heiße Wasser mit viel weniger Druck als in einer Siebträgermaschine durch das Pulver, und die Stellschraube ist fast nur der Mahlgrad.
Beim Vollautomaten würden wir zögern, wenn sich die Brühtemperatur nicht in Stufen einstellen lässt und das Mahlwerk nur grob verstellt.
Ab zwei Milchgetränken am Tag würden wir zur Cremoso greifen. Das ist unsere Einschätzung, eine Quelle dafür, welches Geschmacksprofil sich in Milch besser durchsetzt, nennt auch der Herkunfts-Ratgeber nicht. Die Cremoso ist eine Mischung mit Robusta, Intensität 8 auf der Lavazza-Skala. Bei zwei Bezügen mit je 18 Gramm am Tag kostet sie dich außerdem rund 7 Euro im Monat weniger. Soll es bei der Tierra-Linie bleiben, ist die Tierra for Cuba aus den Fragen unten die Alternative zum selben Kilopreis.
Welche Bohne zu deiner Maschine passt, sortiert der Kaffee-Finder nach deinen Angaben.



