J. Hornig hat 1912 als kleines Lebensmittelgeschäft in Graz angefangen, seit 2022 sitzt die Firma in einem Neubau für Produktion und Lagerung in Kalsdorf bei Graz. Die Caffè Crema Bio ist eine Mischung aus Arabica und Robusta, bei Amazon als Kilo ganzer Bohnen gelistet, für ca. 30,99 Euro (Stand September 2026). Nur drei der 23 Bohnen in unserem Katalog stehen mit einem höheren Richtwert da. Für diesen Preis bekommst du zwei Siegel auf der Packung und eine Röstung, die Hornig als Langzeitröstung bewirbt.
Was in der Packung steckt
Ein Beutel, ein Kilo, ganze Bohnen. Der Amazon-Katalog führt das Angebot als Einzelpackung mit 1,0 kg und Maßen von ca. 21,0 x 13,0 x 10,0 cm, auf der Produktseite des Herstellers steht als Ausführung nur die ganze Bohne. Ohne Mühle oder Vollautomat mit Mahlwerk kannst du mit dieser Packung also nichts anfangen.
Die Bohnen stammen laut Hornig aus Asien, Südamerika und Zentralamerika. Von Arabica und Robusta ist im Amazon-Titel die Rede und in den Katalogtexten, die dort als Herstellertext stehen. Auf dem Produktfoto der Kilopackung sind vorn das EU-Bio-Logo und das Fairtrade-Siegel zu sehen, dazwischen der Aufdruck Bio Röstkaffee, ganze Bohne. In der Mitte sitzt ein rundes Siegel, das die Langzeitröstung und das Gründungsjahr 1912 ausweist. Das Amazon-Produktbild zeigt oben links zusätzlich einen Anhänger mit der Aufschrift „100% Bio-Qualität“.
Crema im Namen, Espresso im Steckbrief
Auf der Packung steht Caffè Crema, auf der Produktseite beschreibt Hornig den Inhalt als „kräftige Espresso-Mischung mit schokoladigen Geschmacksnoten“. Beides passt zusammen, denn Caffè Crema bezeichnet ein Getränk: einen Bezug mit Espressodruck, aber mit mehr Wasser und längerer Durchlaufzeit, so wie ihn Vollautomaten als große Tasse ausgeben. Die Bohne dafür ist in aller Regel dieselbe Art Mischung, die auch im Siebträger landet. Hornig nennt entsprechend drei Zubereitungen, Vollautomat, Siebträgermaschine und Espressokocher, und bezeichnet die Bohne als wie geschaffen für die Zubereitung als Espresso.
Der Steckbrief auf der Herstellerseite ist knapp: Aroma stark, Geschmack kräftig, als Merkmal eine stabile Crema.
Ausführlicher wird der Herstellertext im Amazon-Katalog. Nur dort stehen die Stärke 4 von 5 und der Röstgrad mittel-dunkel, als Getränke ein langer Caffè Crema, Cappuccino und Schümli (so heißt der Café Crema in der Schweiz), dazu die Bialetti als Kanne. Die Geschmacksbeschreibung ist dort nach Zubereitung aufgeteilt. Als Basis gibt Hornig Kakao, dunkle Schokolade und Malz an, dazu einen tiefen Körper und würzige Noten. Im Siebträger kämen Erdnuss und Muscovadozucker dazu, im Vollautomaten und im Espressokocher trete eher Cashew hervor. Getrunken haben wir die Bohne nicht, das sind Angaben des Rösters. Fachlich schlüssig ist die Aufteilung trotzdem: Siebträger, Vollautomat und Kanne arbeiten mit unterschiedlicher Kontaktzeit und unterschiedlich feinem Mahlgut, die Kanne außerdem mit viel weniger Druck, und damit lösen sie unterschiedliche Anteile aus demselben Kaffeemehl.
Im Detail: Langzeitröstung, Robusta und die Säure
„Wir rösten unsere Bohnen im Langzeitröstverfahren“, schreibt Hornig, so werde der Kaffee besonders säurearm. Im Amazon-Titel ist daraus verkürzt ein säurearmer Kaffee geworden.
Chemisch hängt das an den Chlorogensäuren. Sie stellen einen großen Teil der Säuren im Rohkaffee und zerfallen beim Rösten, umso weiter, je länger und heißer die Bohne in der Hitze bleibt. Eine lange Röstung bei mäßiger Temperatur baut viel davon ab, bevor die Oberfläche der Bohne verbrennt. Dazu passt der Röstgrad mittel-dunkel, denn mit jeder Stufe dunkler bleibt weniger Säure übrig und es entstehen mehr Röstbitterstoffe.
Zahlen zur Röstung findest du bei Hornig nur auf einer allgemeinen Wissensseite über Trommel- und Schalenröstung: rund 200 °C, etwa 12 bis 20 Minuten. Dort bezieht Hornig die Trommel ausdrücklich auf die Spezialitätenkaffees des Hauses. Auf die Caffè Crema Bio lassen sich diese Werte deshalb nicht übertragen.
Beim Robusta geht es um die Crema. Robusta-Bohnen enthalten weniger Öl als Arabica, grob 10 gegen 15 Prozent, und Öl lässt Schaum zusammenfallen. Eine Mischung mit Robusta-Anteil hält ihre Crema deshalb länger als reiner Arabica. Hornig verspricht auf der eigenen Seite eine stabile Crema und im Amazon-Text eine dichte Crema im Siebträger und Vollautomaten.
Für Milchgetränke zählt eher der Röstgrad. Milch dämpft Säure und Bitterkeit, eine helle Röstung geht im Cappuccino deshalb schnell unter, eine mittel-dunkle mit Robusta hält dagegen.
Bio, Fairtrade und was davon auf der Packung steht
Im Steckbrief der Produktseite steht unter Zertifizierung: Bio, Fairtrade. Im Produkttext heißt es, in die Packung kämen nur Bohnen aus biologischem Anbau, gehandelt nach Fairtrade-Regeln, und auf der Übersichtsseite zu den Bio-Kaffees schreibt Hornig, deren Bohnen stammten zu 100 Prozent aus biologischer Landwirtschaft.
Beim Fairtrade ist die Firma kein Neuling. Nach eigener Darstellung hat J. Hornig als erstes österreichisches Kaffeeunternehmen mit TransFair zusammengearbeitet, und vor rund 30 Jahren kam der erste Fairtrade-zertifizierte Hornig-Kaffee in die österreichischen Supermärkte. Fairtrade Österreich wurde 1993 gegründet. Das Siegel steht für einen Mindestpreis, den Erzeugerorganisationen für ihren Rohkaffee bekommen, und eine Prämie obendrauf, über deren Verwendung sie selbst abstimmen.
Bio ist in der EU ein geschützter Begriff, wer ihn verwendet, unterliegt einem Kontrollverfahren. Zum EU-Bio-Logo gehört auf der Packung die Codenummer der Kontrollstelle, in Österreich beginnt sie mit AT-BIO, in Deutschland mit DE-ÖKO. Auf dem Produktfoto, das uns vorliegt, ist diese Nummer nicht zu lesen. Wenn dir das Siegel wichtig ist, such sie nach dem Auspacken auf dem Beutel selbst.
Über den Geschmack sagen beide Siegel nichts. Sie regeln, wie angebaut und wie bezahlt wird.
Bio-Variante oder Classico?
Sichtbar unterscheidet sie das Bio-Siegel. Die Caffè Crema Classico (Artikelnummer 1737) ist bei Hornig ebenfalls eine Mischung aus Arabica und Robusta aus Südamerika, Zentralamerika und Asien, trägt aber keine Bio-Angabe. Regulär liegen die beiden Kilopackungen im Hornig-Shop nur 1 Euro auseinander, beim 500-Gramm-Beutel gibt es regulär gar keinen Unterschied (Stand 24. September 2026). Der Aufpreis für Bio ist beim Hersteller selbst also klein.
Die Caffè Crema Intenso (Artikelnummer 2075) kostet regulär genauso viel wie die Classico, im Steckbrief fein-würzig im Aroma und kräftig im Geschmack, ebenfalls ohne Bio-Angabe. Wer direkt bei Hornig bestellt und ohnehin zu einer der Crema-Sorten greift, bekommt die beiden Siegel also fast ohne Aufschlag. Teuer wird die Caffè Crema Bio erst im Vergleich mit Crema-Bohnen anderer Röster.
Was der Kilopreis pro Tasse ausmacht, lässt sich überschlagen. Wir rechnen mit 10 Gramm Bohnen für eine Tasse Caffè Crema aus dem Vollautomaten, das ist unsere Annahme. Ein Kilo ergibt damit 100 Tassen, und beim Amazon-Richtwert kostet dich jede davon rund 31 Cent. Mit der Dallmayr Crema d’Oro aus unserem Katalog wären es 16 Cent, mit der Mount Hagen Espresso Bio 23 Cent.
Wie viel Kaffeemehl deine Tasse wirklich braucht, rechnet dir der Brüh-Rechner aus. Mit einer anderen Dosis verschieben sich alle Zahlen dieses Abschnitts im selben Verhältnis.
Mühle, Mahlgrad und Lagerung
Beim Mahlgrad hilft ein fester Ablauf. Im Vollautomaten fängst du nach dem Bohnenwechsel bei einer mittleren Stufe an und verstellst in kleinen Schritten, jeweils über zwei oder drei Bezüge, bis die Tasse weder wässrig noch bitter ausfällt. Wie Mahlgrad, Menge und Temperatur zusammenhängen, erklärt der Ratgeber Kaffeevollautomat einstellen.
Dunkler geröstete Bohnen lösen sich leichter als helle. Wer sie im Siebträger so fein mahlt wie eine helle Espressoröstung, bekommt einen Bezug, der zu lange läuft und bitter wird. Fang eine Stufe gröber an und geh erst feiner, wenn der Bezug zu schnell durchläuft. Für die Kanne steht das Vorgehen Schritt für Schritt in der Espressokocher-Anleitung.
Zur Aufbewahrung steht auf der Produktseite genau ein Satz: „trocken & vor Wärme geschützt lagern“. Was wir ergänzen, ist unsere Empfehlung und nicht die des Herstellers: den Beutel nach jeder Entnahme fest zudrücken oder die Bohnen in eine dicht schließende Dose umfüllen und dunkel stellen. Kühlschrank und Gefrierfach würden wir meiden, weil kalte Bohnen beim Herausnehmen Kondenswasser ziehen.
Was der Hersteller nicht angibt
Die folgenden Punkte haben wir am 24. September 2026 weder auf jhornig.com noch im Amazon-Katalog gefunden. Am schwersten wiegt für uns der erste:
- das Mischungsverhältnis von Arabica und Robusta; wie viel Robusta in der Packung steckt, verändert Crema, Koffein und Bitterkeit, und es wäre die eine Zahl, mit der sich diese Bohne sauber gegen die Classico oder gegen eine reine Arabica abwägen ließe
- Anbauländer, Kooperativen oder Farmen
- die Angabe Arabica und Robusta auf der Hornig-Produktseite dieser Sorte (bei der Classico steht sie dort, bei der Bio-Variante nur im Amazon-Text)
- eine Erklärung, was die Stärkeskala misst
- den Röstort dieser Sorte; belegt ist nur der Firmensitz in Kalsdorf bei Graz
- Röstdauer und Rösttemperatur für diese Sorte
- den Koffeingehalt
- Röstdatum und Mindesthaltbarkeit
- Aromaventil und Wiederverschluss des Beutels
- Mahlgrad und Dosierung
- die Codenummer der Bio-Kontrollstelle und eine Fairtrade-ID
- das Jahr der Markteinführung
- ein Datenblatt mit Zutaten- oder Nährwertangaben
Diese Bohne oder eine der anderen drei?
| Sorte | Röstung und Herkunft | Preis pro kg | Unsere Wertung | Nimm diese, wenn |
|---|---|---|---|---|
| J. Hornig Caffè Crema Bio (diese) | Langzeitröstung, mittel-dunkel, Arabica und Robusta aus Asien, Süd- und Zentralamerika | ca. 30,99 € | 8,4 | du Bio und Fairtrade willst und dein Vollautomat vor allem Milchgetränke macht |
| 360° Rundum Ehrlich Bio Honduras | lange, schonende Trommelröstung, säurearm, 100 % Arabica aus dem Hochland von Honduras | ca. 35,59 € | 9,3 | du schwarz trinkst und eine Herkunft aus einem einzigen Land sehen willst |
| Mount Hagen Espresso Bio | dunkle Espressoröstung, 100 % Arabica aus Papua-Neuguinea, Peru und Äthiopien | ca. 23,01 € | 8,6 | dir Bio und Fairtrade wichtig sind und du benannte Anbauländer sehen willst |
| Dallmayr Crema d’Oro | laut Hersteller schonend bei niedriger Temperatur lange geröstet, Arabica und Canephora, Intensität 6 von 10 | ca. 15,99 € | 8,6 | du viel Crema aus dem Vollautomaten trinkst und auf Siegel verzichten kannst |
Robusta steckt nur in zwei der vier Bohnen, in dieser und in der Dallmayr, die ihn unter seinem botanischen Namen Canephora führt. Welche Bohne dir schmeckt, beantwortet die Tabelle nicht: Die Wertungen sind unsere redaktionelle Einschätzung aus Herstellerangaben, Katalogdaten und Preis, und die Preise sind Richtwerte vom September 2026.
Wann diese Bohne passt und wann eine andere
Die Caffè Crema Bio ist für Maschinen gebaut, die mit Druck arbeiten. Die drei Zubereitungen, die Hornig nennt, gehören alle dazu, und eine mittel-dunkle Mischung mit Robusta verträgt sich mit jeder von ihnen.
Am meisten spricht für sie, wenn dein Vollautomat morgens Cappuccino oder Milchkaffee macht. Für genau diesen Einsatz steht in unserem Kaffeebohnen-Vergleich zum Beispiel auch die Dallmayr Crema d’Oro, ebenfalls mit Robusta-Anteil. Sie trägt kein Bio-Siegel, und bei zwei Tassen am Tag sparst du mit ihr nach der Rechnung oben 109,50 Euro pro Jahr. Sind dir die Siegel egal, würden wir einem Haushalt mit viel Milchkaffee die Dallmayr empfehlen.
Trinkst du schwarz und willst wissen, woher dein Kaffee kommt, nennt die Mount Hagen Espresso Bio Papua-Neuguinea, Peru und Äthiopien, trägt ebenfalls Bio und Fairtrade und kostet dich bei zwei Tassen am Tag 58,25 Euro im Jahr weniger. Sie ist allerdings reiner Arabica, und die Crema, für die hier der Robusta sorgt, hält bei ihr nach unserer Einschätzung weniger lange. Die 360° Rundum Ehrlich Bio Honduras geht bis auf ein einzelnes Anbauland zurück und kostet 4,60 Euro pro Kilo mehr.
Bekommen dir saure Röstungen nicht, ist das säurearme Profil ein echter Grund für diese Bohne. Die Dallmayr zielt laut Hersteller in dieselbe Richtung, mit einer langen Röstung bei niedriger Temperatur.
Die falsche Wahl ist die Caffè Crema Bio für alle, die mit Handfilter oder French Press arbeiten. Unter den Zubereitungen, die Hornig aufzählt, fehlen beide, und unsere Einschätzung deckt sich damit: Ohne Druck entsteht keine Crema, für die der Robusta-Anteil drin ist, und übrig bleibt vermutlich ein dunkler Filterkaffee mit wenig Säure und deutlichen Röstnoten. Wer helle, fruchtige Röstungen für den Filter sucht, kommt über den Finder schneller zu einer passenden Bohne.



