Wer in die Welt der Siebträgermaschinen einsteigen will, ohne gleich 400 oder 500 Euro zu investieren, landet fast zwangsläufig bei den günstigsten Modellen der großen Hersteller. Die DeLonghi Classic EM450 ist genau so ein Angebot: Für unter 100 Euro gibt es ein komplett aus Metall gefertigtes Gehäuse, eine professionelle Dampflanze und ein Manometer, das sonst eher Maschinen der doppelten Preisklasse vorbehalten ist. Die spannende Frage ist, was DeLonghi an dieser Stelle einspart und ob das für einen ehrlichen Einstieg reicht.
Aufbau und Verarbeitung: mehr Metall, als der Preis vermuten lässt
Anders als viele Einsteigermodelle mit Kunststofffront setzt die EM450 auf ein Vollmetallgehäuse, ein Detail, das DeLonghi sonst erst in höheren Preisklassen bietet. Die Bedienung bleibt bewusst simpel: ein Schalter für Ein/Aus, einer für den Bezug, einer für Dampf, dazu ein rundes Manometer, das den Pumpendruck während des Bezugs anzeigt. Für Einsteiger ist das ein unterschätzter Vorteil, denn die Nadel liefert sofortiges Feedback, ob Mahlgrad und Dosierung ungefähr passen. Der Siebträger wirkt für die Preisklasse solide, auch wenn an Griff und Bedienelementen der Kunststoffanteil sichtbar bleibt.
Im Detail: Thermoblock, Druck und die Grenzen der Einstiegsklasse
Die EM450 heizt über einen kompakten Thermoblock statt über einen Kessel. Das bedeutet kurze Aufheizzeiten, aber auch schnelleres Auskühlen bei mehreren Bezügen hintereinander. Für den Espresso zum Start in den Tag reicht das völlig, wer aber vier Tassen für die ganze Familie macht, merkt, dass die Temperatur zwischen erstem und letztem Bezug wandert. Beworben wird die Maschine mit 15 bar Pumpendruck, wie praktisch jede Maschine dieser Klasse. Entscheidend ist das aber nicht: Relevant für die Extraktion sind rund 9 bar am Kaffeebett, die Vibrationspumpe erzeugt die 15 bar lediglich am Pumpenausgang. Mit frisch gemahlenem Espressomehl, einer Dosis von etwa 14 bis 16 Gramm und einer Bezugszeit um die 25 Sekunden lässt sich trotzdem ordentlicher Espresso ziehen, die passenden Verhältnisse dafür liefert der Brüh-Rechner. Ein 3-Wege-Ventil zum Rückspülen fehlt in dieser Preisklasse erwartungsgemäß, das bleibt Maschinen ab etwa 300 Euro vorbehalten.
Reicht der Dampf für Cappuccino?
Ja, für ein bis zwei Tassen hintereinander liefert die professionelle Dampflanze brauchbaren, wenn auch nicht ganz feinporigen Milchschaum. Danach kühlt der kleine Thermoblock spürbar ab, und du brauchst zwischen den Bezügen etwas Geduld. Wer täglich mehrere Milchgetränke macht, spürt die Grenze der Einstiegsklasse hier deutlicher als beim reinen Espresso.
Die Dampfdüse wird manuell bedient und verlangt etwas Übung mit Kännchenwinkel und Lufteinzug, liefert dann aber überraschend feinen Schaum für eine Maschine dieser Preisklasse. Wer schon mit einer Handmühle oder einer günstigen Espressomühle arbeitet, holt aus der EM450 mehr heraus, als der Preis erwarten lässt.
Reinigung und Pflege: unkompliziert gehalten
Ohne 3-Wege-Ventil bleibt die Pflege einfach: Siebträger nach jedem Bezug ausklopfen, Dusche und Dichtung gelegentlich reinigen, Dampflanze sofort nach Gebrauch abwischen, damit keine Milchreste antrocknen. Entkalkt werden sollte die EM450 je nach Wasserhärte etwa alle vier bis acht Wochen, der Thermoblock reagiert empfindlicher auf Kalkablagerungen als ein großer Kessel. Gefiltertes oder entkalktes Wasser verlängert die Intervalle spürbar und schont die Pumpe.
Für wen geeignet?
Die DeLonghi Classic EM450 ist die richtige Maschine für alle, die Siebträger-Espresso zum kleinen Preis ausprobieren wollen, ohne sich sofort auf Mahlwerk oder Prosumer-Technik festzulegen. Im Siebträger-Vergleich ist sie der ehrliche Startpunkt für alle, die noch nicht wissen, ob ihnen das Hobby liegt. Wer regelmäßig mehrere Milchgetränke hintereinander zubereitet oder gezielt in Zubehör und Rückspülfunktion investieren will, wächst innerhalb weniger Monate aus dem Modell heraus und sollte gleich eine Klasse höher planen.
Alle Top-Modelle der Klasse stehen im Siebträgermaschinen-Ranking.



