In Europa heißt diese Maschine Classic E24. Auf Amazon steht sie als “Gaggia Classic Evo rot RI9481/12”, Gaggia North America führt dieselbe Generation als Classic Pro E24, und in einem der Amazon-Bullets nennt Gaggia sie selbst “Gaggia Classic Evo Pro Polar Red”. Die Produktsuche des Herstellers listet die Modellreferenz RI9481/12 als CLASSIC E24 RED, der Amazon-Katalog führt dazu die Teilenummer RI9480/12. Ein Gerät, vier Bezeichnungen. Unter allen vieren steckt dasselbe: ein Einkreiser mit einem Kessel für Brühen und Dampf, ein 58-mm-Siebträger, kein PID.
Herkunft, Baujahr, Preis
Achille Gaggia meldete am 5. September 1938 das Patent Nr. 365726 an, aus dem die Marke hervorging. Die erste Classic kam 1991 auf den Markt, damals schon mit Edelstahlgehäuse. Die Evo-Generation folgte 2023, im Jahr des 85. Jubiläums dieses Patents. Gaggia gibt für die Baureihe 100 Prozent Design und Fertigung in Italien an, der Firmensitz liegt in der Via Torretta 240 in Gaggio Montano in der Provinz Bologna.
Der Preis liegt bei ca. 499 Euro (Stand September 2026). Der Amazon-Katalogdatensatz zur ASIN B0C5HRRDG5 führt kein Preisfeld, den Tagespreis siehst du im Shop. In unserem Siebträgermaschinen-Vergleich landet sie damit im selben Preisfenster wie zwei Konkurrenten, die beide eine PID-Regelung ab Werk mitbringen.
Der Aufbau: Messing, Edelstahl, 2,1 Liter
Der Siebträger misst 58 Millimeter und besteht laut Gaggia aus Edelstahl. Brühgruppe und Kessel sind aus bleifreiem Messing. Den Messingkessel begründet der Hersteller damit, dass er mehr Wärme speichert und dadurch Temperatur und Dampfdruck stabiler hält. Zwischen Pumpe und Brühgruppe sitzt ein 3-Wege-Magnetventil: Es hält laut Gaggia den Wasserdruck im Siebträger konstant und trocknet nach dem Bezug den Kaffeepuck, was die Entnahme und die Reinigung erleichtert.
Gaggia nennt als Bedienung drei Wipptasten mit eigenen Kontrollleuchten: Ein und Aus, Espresso, Dampf. Ein Display oder ein Menü führt die Ausstattungsliste nicht. Der Wassertank fasst 2,1 Liter und wird nach vorn herausgezogen, ebenso die Tropfschale aus Kunststoff mit Edelstahlgitter. Oben liegt eine Tassenablage aus Edelstahl mit Platz für fünf Tassen. Zwei Tassen gleichzeitig sind laut Hersteller möglich. Die Aufschäumdüse aus Edelstahl hat zwei Löcher und eine abnehmbare Spitze.
Anschlusswerte für die EU-Ausführung: 230 Volt, 50 Hertz, 1200 Watt. Dieselbe Tabelle nennt für andere Märkte 120 Volt mit 1350 Watt und 220 Volt mit 1100 Watt für Korea. Das Gewicht gibt Gaggia mit 8,1 Kilogramm an, der Amazon-Katalog mit 17,64 Pfund, also rund 8,0 Kilogramm. Bei den Maßen widersprechen sich die Seiten des Herstellers: Die deutsche Produktseite nennt 23 × 38 × 24 cm (Länge × Höhe × Tiefe), die englische 20 × 35,5 × 27 cm. Welche der beiden Seiten stimmt, lässt sich von außen nicht entscheiden, deshalb rechnen wir mit dem jeweils größeren Wert je Richtung, also rund 23 cm Breite, 27 cm Tiefe, 38 cm Höhe.
Aus der Bedienungsanleitung kommt ein Detail, das auf keiner Produktseite steht: Nach 20 Minuten ohne Bedienung schaltet sich die Maschine ab.
An dieser Maschine gibt es eine ganze Reihe von Angaben, die Gaggia nirgends veröffentlicht. Damit du sie nicht über fünf Abschnitte verteilt suchst, stehen sie hier gesammelt: Kesselvolumen (die Tech-Tabelle schreibt nur von einer höheren Kapazität gegenüber der Vorgängergeneration), Pumpentyp, Brühtemperatur in Grad, die Schaltpunkte des Thermostats, Dampfdruck, Aufheizzeit bis zur Brühbereitschaft, Standby-Verbrauch, Lautstärke in Dezibel, Kabellänge, Blechstärke des Gehäuses, eine empfohlene Wasserhärte, die Preise des Zubehörs und alles zur Ersatzteilversorgung. Dazu eine Leerstelle in der Anleitung: Das Rückspülen mit Blindsieb, das man von Siebträgern kennt, kommt darin nicht vor, und ein Blindsieb liegt auch nicht bei. Keine dieser Angaben haben wir woanders zusammengesucht, und geschätzt haben wir sie auch nicht.
Beim Farbkauf zählt noch ein Punkt. Die rote RI9481/12 gehört zur Color-Vibes-Reihe, und für diese Reihe gibt Gaggia ein Gehäuse aus verzinktem Stahl an. Gebürsteter Edelstahl bleibt der Standardausführung vorbehalten. Zur Farbreihe gehören Deep Blue, Industrial Grey, Polar White, Cherry Red und Thunder Black.
Im Detail: 15 bar Pumpendruck und der Druck am Sieb
Die europäische Herstellerseite nennt einen nominalen Pumpendruck von 15 bar. Das ist der Höchstwert, den die Pumpe gegen einen geschlossenen Widerstand aufbauen kann, nicht der Druck, der am Kaffeemehl ankommt. Bei dieser Bauart sitzt zwischen Pumpe und Sieb üblicherweise ein Überdruckventil, das den Überschuss abführt. Auf welchen Wert Gaggia es einstellt, steht für die EU-Version auf keiner Seite des Herstellers.
Gaggia North America nennt für seine Version derselben Baureihe 9 bar am Sieb. Diese Zahl übertragen wir nicht auf die Maschine, die du in Deutschland kaufst: Die Seite gilt für die dortige 120-Volt-Ausführung, nicht für die 230-Volt-Maschine aus dem europäischen Katalog.
Gaggia nennt für die Evo Pro keine Regelungsart. Nach unserer Einordnung hält sie ihre Temperatur ohne PID über einen Thermostat, der um einen Sollwert pendelt: Er heizt, schaltet ab, das Wasser kühlt aus, er heizt wieder. An welcher Stelle dieses Pendelns der Bezug startet, entscheidet der Mensch davor. Wer früher oder später startet, brüht mit einer anderen Wassertemperatur am Sieb, und genau diese Schwankung nimmt ein PID der Bedienung ab.
Einen Anhaltspunkt für die Bezugszeit liefert die Fehlertabelle der Anleitung: Läuft der Espresso in weniger als 20 Sekunden durch, führt Gaggia das als Störung auf. Mit dem Ratgeber zum Mahlgrad tastest du dich an die passende Einstellung heran, die Mengenverhältnisse für deine Tassengröße rechnet der Brüh-Rechner aus.
Dampf: 60 Sekunden, dann Abkühlpause
Milchgetränke in Serie bremst die Bauart aus. Gaggia begrenzt die Dampfabgabe auf 60 Sekunden am Stück, weil der Boiler sonst leer laufen kann. Und nach jedem Aufschäumen verlangt die Anleitung, die Kesseltemperatur vor dem nächsten Espresso durch Wasserausgabe zu senken. Wie lange das dauert, sagt Gaggia nicht.
Der Ablauf: Dampftaste drücken, 15 bis 20 Sekunden warten, bis die Kontrolllampe für die Dampftemperatur leuchtet, dann aufschäumen, nicht länger als eine Minute. Danach Wasser ablassen, bis der Kessel wieder auf Brühtemperatur ist. Die Anleitung formuliert das nicht als Rat, sondern als Warnung: Ohne die Absenkung droht laut Gaggia Verbrennungsgefahr.
Auf einen Sonntagmorgen mit vier Milchgetränken übertragen heißt das: Vor jedem Espresso, der auf einen Dampfvorgang folgt, steht diese Abkühlung. Ein Kessel liefert Brüh- und Dampftemperatur nie gleichzeitig. Ein Zweikreiser trennt beides und kostet mehr.
Eine Milchkanne liegt übrigens nicht bei, die führt Gaggia als eigenes Zubehör.
Was kommt sonst infrage?
| Modell | Der Unterschied | Preis | Unsere Wertung | Nimm dieses, wenn |
|---|---|---|---|---|
| Gaggia Classic Evo Pro (dieses Gerät) | Messingkessel, 58 mm, Thermostat statt PID | ca. 499 € | 9,4 | du unter 500 Euro bleiben und das 58-mm-Maß haben willst |
| Lelit Anna PL41TEM | PID ab Werk, dafür 57-mm-Siebe (LELIT57) statt 58 mm | ca. 489 € | 8,6 | dir geregelte Temperatur wichtiger ist als das gängigere Siebmaß |
| Sage Barista Express | Kegelmahlwerk eingebaut, PID, 54-mm-Siebträger | ca. 489 € | 9,0 | 500 Euro dein Gesamtbudget sind und keine separate Mühle mehr dazukommt |
| Rancilio Silvia | ebenfalls 58 mm (Rancilio nennt für die Silvia einen Tamper mit 58-mm-Fuß), 0,3-l-Kessel, wie die Gaggia kein PID ab Werk | ca. 829 € | 9,0 | du dieselbe Handarbeit ohne PID in Kauf nimmst und für den bezifferten 0,3-Liter-Kessel rund 330 Euro mehr ausgibst |
Die Preise sind die Richtwerte aus unserem Katalog zum Stand September 2026 und keine tagesaktuelle Abfrage. Die Wertungen sind unsere redaktionelle Einschätzung aus Datenlage und Konstruktion, kein Messergebnis.
Wann diese Maschine passt und wann eine andere
Milchgetränke sind der Punkt, an dem diese Bauart am häufigsten scheitert. Wie der Wechsel zwischen Dampf und Espresso abläuft, steht oben im Abschnitt zum Dampf, und daran ändert Übung nichts.
Das Zeitbudget am Morgen ist der zweite Punkt. Vor dem ersten Bezug sollen laut Anleitung rund 150 Milliliter Wasser durchlaufen, danach heizt der Siebträger einige Minuten mit, bis die Maschine die richtige Temperatur erreicht hat. Fehlt morgens die Zeit dafür, ist eine Maschine mit Temperaturautomatik die ehrlichere Wahl.
Beim Mahlgrad macht der mitgelieferte Druckfilter Crema Perfetta den Anfang leicht, weil er den Widerstand selbst aufbaut. Die beiden herkömmlichen Siebe verlangen den passenden Mahlgrad und einen sauberen Tamp. Stört dich das Einstellen, statt dass es dich interessiert, kauf einen Vollautomaten. Worauf es beim Siebträger sonst ankommt, steht in unserer Siebträger-Kaufberatung.
Zwei Espressi gleichzeitig gehen laut Gaggia. Wie viele Bezüge direkt hintereinander möglich sind, bevor der eine Kessel nachheizen muss, sagt der Hersteller nicht, und Kesselvolumen wie Aufheizzeit gehören zu der Lücke weiter oben.
Für die Stellfläche rechne mit 38 Zentimetern Höhe plus Luft für den Tankdeckel und die Tassenablage. Deine Wasserhärte ändert am Pflegeintervall nichts, dazu unten mehr. Und die Mühle ist ein zweiter Posten, denn im Karton liegt kein Mahlwerk. Gaggia verlangt für gute Ergebnisse frisch gemahlenen Kaffee. Ohne diesen Posten kaufst du eine 500-Euro-Maschine für Supermarktpulver.
Drei Siebe und ein 58-mm-Träger
Drei Siebe liegen bei: ein Druckfilter Crema Perfetta für eine oder zwei Tassen, ein herkömmlicher Filter für eine Tasse oder ein Pad und ein herkömmlicher für zwei Tassen. Der Crema-Perfetta-Filter darf nur zusammen mit dem Perlstrahl-Aufschäumer laufen, den die Teileliste als Bauteil 16 führt. Ohne ihn spritzt die Maschine den Kaffee heraus, warnt die Anleitung, und es besteht Verbrennungsgefahr. Beim Umstieg auf die herkömmlichen Siebe müssen beide Teile raus, Filter und Aufschäumer.
Das 58-Millimeter-Format ist das Maß, das auch Gastro-Maschinen nutzen, und Gaggia bedient es zum Teil selbst. Im Programm stehen unter anderem ein bodenloser Siebträger mit Eschenholzgriff für die Classic (Siebträgerdurchmesser laut Hersteller 59 mm, Gesamtlänge 220 mm, Produktcode 421946507221) und der dazugehörige Barista Pro IMS Filter 20 g Nanotech mit 70 mm Durchmesser, 26 mm Höhe und 661 Löchern aus AISI-304-Stahl (Produktcode 421946509311). Dazu kommen das Crema XL System, ein Siebträger mit Holzgriff, Tamper mit Holzgriff, Tamping Mat, Intenza-Wasserfilter, Entkalker und Reinigungstabs.
Die Zubehörseite schreibt den bodenlosen Siebträger nur allgemein für die Gaggia Classic aus, ohne Baujahr oder Modellnummer, eine ausdrückliche Freigabe für die E24-Generation haben wir dort nicht gefunden. Wer umrüsten will, sollte diese Lücke kennen, statt sich auf die Zahl 58 zu verlassen. Beim Wasserfilter widersprechen sich die Herstellerseiten erneut: Die englische Tech-Tabelle lässt das Feld leer, die deutsche sagt JA.
Dazu gehört ein Satz aus dem Sicherheitsheft: Gaggia untersagt darin ausdrücklich Zubehörteile anderer Hersteller und solche, die es nicht selbst empfiehlt. Wer trotzdem mit solchem Zubehör umrüstet, handelt gegen diese Vorgabe und verliert laut Heft die Garantie.
Entkalken, spülen, Siebe auswaschen
Das Intervall gibt Gaggia in Nutzungsmonaten vor, nicht in Litern und nicht nach Wasserhärte: alle zwei Monate der Maschinennutzung. Du entkalkst in München im selben Rhythmus wie in Hamburg. Die Tech-Tabelle des Herstellers führt den Entkalkungszyklus als manuell und lässt das Feld für einen Spülzyklus leer. Erlaubt ist nur der Gaggia-Entkalker, Essig und andere Entkalker sind ausdrücklich verboten.
Die Anleitung verlangt, die Siebe täglich aus dem Siebträger zu nehmen und mit warmem Wasser auszuwaschen. Sind die Löcher zu, nennt sie zehn Minuten in kochendem Wasser als Gegenmaßnahme. Für die gründlichere Reinigung empfiehlt sie die Reinigungstabs von Gaggia, eine Packung mit sechs Stück. Dieselbe Zubehörseite ordnet genau diese Tabs den Vollautomaten der Marke zu. Beide Sätze stammen von Gaggia, wir geben sie so weiter, wie sie dort stehen.
Der Druckfilterhalter darf weder in die Spülmaschine noch mit Spülmittel in Berührung kommen. Was der Betrieb im Jahr kostet, lässt sich nicht seriös beziffern, weil die Preisliste zum Zubehör in der Sammlung oben fehlt. Der Rhythmus steht dagegen fest: sechs Entkalkungen im Jahr bei durchgehender Nutzung und tägliches Auswaschen der Siebe. Dichtungen sind konstruktionsbedingt Verschleißteile und irgendwann ein eigener Posten. Den Ablauf Schritt für Schritt beschreibt unser Ratgeber Entkalken und Reinigen.
Noch ein Hinweis für alle mit unbeheiztem Nebenraum: Unter 0 °C darf die Maschine laut Sicherheitsheft nicht stehen, weil Restwasser im Heizsystem gefrieren und Schäden anrichten kann.
Für wen geeignet?
Für Leute, die Espresso als Handwerk lernen wollen und bereit sind, morgens ein paar Minuten zu investieren, bevor die erste Tasse läuft. Das 58-mm-Format, der Messingkessel und das 3-Wege-Magnetventil sind die Punkte, die in unserer Kategorie Siebträger zur Wertung 9,4 und zum Badge Vergleichssieger 2026 geführt haben. Bei der Temperatur verliert sie im selben Vergleich: Lelit und Sage regeln zum gleichen Preis per PID, die Gaggia arbeitet mit einem Thermostat.
Falsch liegt hier, wer morgens sofort loslegen will. Ohne die Vorwärmzeit mit eingesetztem Siebträger startet der erste Bezug des Tages an kaltem Metall, und genau das soll das Vorwärmen verhindern. Genau hinsehen sollte auch, wer die Maschine gleich nach dem Kauf umbauen will: Zubehörteile anderer Hersteller untersagt das Sicherheitsheft, und mit ihnen erlischt die Garantie.
Bleibt die Zwischenlösung für alle, die geregelte Temperatur wollen, ohne sich das Timing anzueignen: Die Gaggia Classic UP derselben Marke hat zwei PID-Regler (Brühen und Dampf) und eine automatische Vorbrühung in drei Stufen, kostet in unserem Katalog dafür fast das Doppelte.



