Pellini N.82 Vivace heißt das Angebot bei Amazon. Auf der Website des Rösters stehen heute drei Mischungen namens Vivace, und das Angebot lässt sich keiner davon eindeutig zuordnen. Getrunken haben wir keine davon. Was hier steht, stammt vom Hersteller und aus dem Amazon-Katalog.
Ein Name, drei Beutel
Der Katalogtitel lautet „Pellini N.82 Vivace Kaffeebohnen für Espresso, 1 kg“, geführt unter der Modellnummer 305940132 und mit dem 17. April 2019 als Erscheinungsdatum. Bei Pellini selbst findest du die Bezeichnung nur noch in archivierten Fassungen der Website. Im Oktober 2020 hieß das Produkt auf der deutschen Herstellerseite „Kaffeebohnen Pellini Espresso Bar N. 82 Vivace“. 2025 hat Pellini Logo und Markenauftritt erneuert.
Die aktuelle Website führt stattdessen drei Vivace. Die Espressobar Vivace steht in der Rubrik Pellini Worldwide, die Vivace Tradizionale Classica und die Vivace Tradizionale Crema Intensa unter den Mischungen für zu Hause. Die Produktseiten haben Kaufknöpfe, die zu amazon.it führen. Bei der Espressobar Vivace verlinkt der Knopf die Artikelnummer B00FGK5FPY, und unter derselben Nummer führt amazon.de das Angebot, um das es hier geht. Auf dieselbe Nummer zeigt der Knopf auf der Bohnenseite der Crema Intensa. Nur der Knopf der Classica führt zu einer anderen Nummer, B0C5MSRN1K.
Das Produktfoto im Amazon-Katalog zeigt dagegen die Classica. Wir haben es vergrößert: ein schwarzer Beutel, in der Mitte Pellini Verona 1922, darunter in Orange Vivace Tradizionale, dann Gusto Classico und Blend intenso e strutturato, ganz unten 1000 g, von einer 82 keine Spur. So sieht der Beutel der Classica auf ihrer Produktseite aus. Die beiden anderen tragen laut Herstellerfoto andere Zeilen: die Espressobar Vivace EspressoBar Vivace und Barista Edition, die Crema Intensa einen roten Schriftzug mit Crema Intensa und Blend intenso e deciso.
Welcher Hinweis stimmt, zeigt erst der gelieferte Beutel. Dass zwei Kaufknöpfe auf dieselbe Nummer führen, macht keine der beiden Mischungen wahrscheinlicher als die andere. Dem Namen nach liegt die Espressobar Vivace am nächsten: Streicht man aus Espresso Bar N. 82 Vivace die Nummer, bleibt fast wörtlich ihr heutiger Name übrig. So lesen wir die Namen, über den Inhalt des Versandlagers sagen sie nichts.
Was für alle drei Vivace gilt
An manchen Angaben ändert die Zuordnung nichts, weil sie für alle drei Mischungen gleich lauten. Pellini beschreibt jede als Mischung aus Arabica und Robusta, der Amazon-Katalog sagt dasselbe. Auch die Intensität ist identisch. Die Produktseiten zeigen dafür eine Leiste aus neun Bohnensymbolen, bei allen drei Vivace sind acht davon gefüllt, und der Katalogtext schreibt es als Zahl: Intensität 8/9. Auf dem Katalogfoto haben wir die Symbole nachgezählt, acht gefüllte und ein leeres.
Beim Röstgrad wird die Lage dünner. Mittlere Röstung steht im Amazon-Katalog, und die archivierte Pellini-Seite von 2020 schrieb „Röstgrad: Medium“. Die heutigen Produktseiten schweigen zum Röstgrad bei allen drei Vivace. Für die N.82 von damals ist mittel damit vom Hersteller belegt, für die heutigen Beutel nur über Amazon.
Ein Satz zur Verarbeitung stammt aus dem Katalog: Der Kaffee werde nach dem Rösten auf natürliche Weise mit Luft gekühlt und ruhe vor dem Verpacken in speziellen Silos. Die Seite von 2020 steuert ein Detail zur Zusammensetzung bei: gewaschene und natürliche Arabica, dazu natürliche Robusta.
Im Detail: Skala, Robusta, Aufbereitung und Kühlung
Eine 8 auf einer Skala bis 9 steht weit oben in Pellinis eigener Einordnung. Mit anderen Röstern verrechnen lässt sich die Zahl nicht. Lavazza stuft die Espresso Italiano Cremoso mit 8 von 10 ein, und wer daraus folgert, die Pellini liege eine Spur höher, legt zwei Hausskalen übereinander, die niemand aufeinander abgestimmt hat. Solche Intensitätsangaben ordnen das eigene Sortiment.
Dass eine Mischung mit Robusta so weit oben steht, dürfte auch an der Kaffeeart liegen. Robusta, botanisch Coffea canephora, gibt beim Brühen mehr Bitterstoffe und mehr lösliche Feststoffe ab als Arabica. In einer Espressomischung baut sie Körper und Crema auf, Arabica bringt eher Säure und Aromenvielfalt mit. Wie sich die beiden Arten unterscheiden, steht ausführlicher im Ratgeber Arabica, Robusta und Röstgrade.
Die Angabe von 2020, also noch aus der Zeit vor dem neuen Markenauftritt, nennt zwei Wege, die Kaffeekirsche nach der Ernte zu verarbeiten. Beim gewaschenen Verfahren wird das Fruchtfleisch vor dem Trocknen entfernt, die Bohnen fermentieren, werden gewaschen und trocknen erst danach. Solche Kaffees fallen meist klarer und säurebetonter aus. Beim natürlichen Verfahren trocknet die ganze Kirsche über Wochen, die Bohne bleibt so lange im Fruchtfleisch, und das bringt eher Süße und Körper. Robusta wird überwiegend so aufbereitet.
Am Ende der Röstung muss die Bohne schnell abkühlen, sonst röstet sie in der eigenen Hitze weiter. Manche Röstereien sprühen dafür Wasser auf die heißen Bohnen. Das kühlt schneller, bringt aber Feuchtigkeit zurück in den Kaffee, und genau darauf verzichtet eine Luftkühlung, wie sie der Katalogtext beschreibt. Bei der Ruhezeit im Silo liegt ein anderer Grund nahe. Frisch geröstete Bohnen geben über Tage Kohlendioxid ab, und wer sie sofort in einen dichten Beutel füllt, bekommt ohne Ventil ein aufgeblähtes Paket.
Kakao, Lakritze, Walnuss, Lebkuchen, Tabak: die Aromatexte
Zum Geschmack liegen vier Beschreibungen vor, und jede nennt andere Noten. Im Amazon-Katalog stehen Kakao und Lakritze, vollmundig und ausgewogen, für einen intensiven italienischen Espresso. Die Seite der Espressobar Vivace lässt dunkle Schokolade das Aroma dominieren, begleitet von Walnuss und einer deutlichen Röstnote, den Geschmack nennt sie voll und umhüllend, mit kräftigem Körper. Bei der Classica sind es dunkler Kakao mit würzigen Anklängen von Lebkuchen und eine Balance aus Kakaosüße und Gewürz. Für die Crema Intensa schreibt Pellini von warmen Gewürzen und Tabak, der Geschmack sei voll und kräftig, mit anhaltender Wärme und Gewürz im Nachgeschmack.
Auch die Crema beschreibt Pellini jedes Mal anders: dicht, strukturiert und intensiv haselnussfarben bei der Espressobar Vivace, kompakt und mittel haselnussfarben bei der Classica, intensiv, kompakt und dunkel haselnussfarben bei der Crema Intensa. Die Bohnengrafiken setzen Zahlen dazu. Die Espressobar steht bei Aroma auf 7 und bei Crema auf 8 von 9, die Classica bei Aroma auf 6 und bei Körper auf 8, die Crema Intensa bei Aroma auf 6 und bei Körper auf 9. Die dritte Leiste misst also nicht auf jeder Seite dieselbe Eigenschaft.
Lakritze nennt nur der Katalog. Wortnah ist er dafür an der Pellini-Seite von 2020, die die N.82 als vollmundig und gut ausgewogen für einen kräftigen italienischen Espresso beschrieb. Vermutlich stammt der Katalogtext noch aus der Zeit vor den neuen Beuteln.
Taugt die Vivace für Moka, French Press oder den Vollautomaten?
Für Espresso und den Vollautomaten ja, alle drei Varianten sind laut Pellini dafür vorgesehen. Bei Moka und French Press kommt es auf den Beutel an.
Auf dem Beutel der Espressobar Vivace, wie Pellini ihn auf der Produktseite abbildet, steht die Zeile Ideal blend for, dazu sechs Symbole: Espresso, Ristretto, Cappuccino, Automatic für den Vollautomaten, ein Siebträger für Espresso aus der Maschine und Filter.
Die Produktseiten zeigen außerdem Zubereitungskarten, und jede Karte listet die Mischungen, die Pellini dafür vorsieht. Auf der Seite der Espressobar Vivace nennen die Karten ausschließlich Pellinis Mischungen für zu Hause, darunter Classica und Crema Intensa. Auf ihrer eigenen Seite steht die Classica unter anderem auf den Karten für Espresso, Ristretto, Napoletana, Moka, French Press und Automatic, die Übersichtsseite der Mischung nennt zusätzlich Filter. Die Crema Intensa steht auf der Moka-Karte, auf der French-Press-Karte nicht, und Pellini verkauft sie auch als Moka-Mahlung.
Die Werte auf einer Karte gehören zur Zubereitung und gelten für jede Mischung darauf, die French-Press-Karte nennt etwa auch Top Nobile und Decaffè. Für die Moka empfiehlt Pellini einen feinen Mahlgrad, aber weniger fein als für Espresso, dazu kochendes Wasser und 1 bis 2 Minuten. Die French Press bekommt grob gemahlenen Kaffee, heißes Wasser und 4 bis 5 Minuten. Auf der Karte für den Vollautomaten stehen 20 bis 60 Sekunden und ein einstellbarer Mahlgrad.
Unsere Einschätzung: Wer die Bohne vor allem für die Herdkanne kauft, kauft mit einer Unbekannten, auch wenn bei einer mittleren Röstung mit Robusta-Anteil technisch wenig gegen die Moka spricht. Den passenden Mahlgrad für die Kanne findest du mit dem Ratgeber Mahlgrad einstellen, das Verhältnis von Kaffee zu Wasser rechnet der Brüh-Rechner aus.
Was das Kilo kostet
In unserer Preisbox steht die Vivace mit ca. 19,21 Euro für 1 kg. Beim Katalogabruf am 7. September 2026 lag Amazon bei 19,47 Euro, 26 Cent darüber.
Die Dosis setzen wir selbst an. Ein doppelter Espresso aus dem Siebträger braucht üblicherweise 16 bis 18 Gramm, wir rechnen mit 18. Damit reicht das Kilo für gut 55 doppelte Bezüge, und einer kostet rund 35 Cent. Mahlt dein Vollautomat 8 Gramm für einen einfachen Espresso, kommen 125 Tassen aus dem Beutel, gut 15 Cent pro Tasse.
Preislich sitzt die Vivace zwischen den beiden anderen Italienern aus unserer Vergleichstabelle. Die Lavazza Espresso Italiano Cremoso kostet das Kilo 2,22 Euro weniger, die Caffè Mauro Avvolgente 2,25 Euro mehr. Zur 360° Rundum Ehrlich Bio Honduras sind es 16,38 Euro Abstand nach oben, beim doppelten Bezug nach derselben Rechnung rund 64 statt 35 Cent.
Diese Vivace oder eine der drei anderen Bohnen?
| Sorte | Röstung und Herkunft | Preis pro kg | Unsere Wertung | Nimm diese, wenn |
|---|---|---|---|---|
| Pellini N.82 Vivace (diese) | Mittel laut Amazon-Katalog, Arabica und Robusta | ca. 19,21 € | 8,6 | du für den Vollautomaten eine Bohne unter 20 Euro das Kilo willst, die der Röster dafür vorsieht |
| Lavazza Espresso Italiano Cremoso | Mittel, Arabica und Robusta aus Südamerika und Südostasien | ca. 16,99 € | 8,9 | du oft die Herdkanne nutzt und die Anbauregionen kennen willst |
| Caffè Mauro Avvolgente | Mittel und Intensität 8 von 10 laut Röster (Packung und Sortenkarte), Rohkaffee laut Packung aus Südamerika und Zentralafrika, vom Röster als körperreich mit Schokolade und fruchtiger Säure beschrieben | ca. 21,46 € | 8,2 | dir eine vom Röster beschriebene fruchtige Säure wichtiger ist als eine Maschinenempfehlung |
| 360° Rundum Ehrlich Bio Honduras | Lange Trommelröstung, 100 % Arabica aus dem Hochland von Honduras, bio laut Anbieter | ca. 35,59 € | 9,3 | du Anbauland und eine ausgewiesene Bio-Kontrollnummer willst und dafür fast das Doppelte pro Kilo zahlst |
Die Wertungen sind unsere redaktionelle Einschätzung aus dem Kaffeebohnen-Vergleich, die Preise stammen aus unseren Preisboxen und bewegen sich mit dem Handel.
Wann die Vivace passt und wann eine andere Bohne
Zuerst die Zubereitung. Steht bei dir eine Espressomaschine oder ein Vollautomat, betrifft die offene Zuordnung vor allem die Aromarichtung. Ist die Herdkanne dein Hauptgerät, würden wir eher zur Cremoso greifen, die Lavazza für den Espressokocher vorsieht. French Press und Handfilter nennt der Anbieter der Bio Honduras als Zubereitungen.
Falsch liegst du mit der Vivace in zwei Fällen. Suchst du reinen Arabica, scheidet sie wegen des Robusta-Anteils aus; die Bio Honduras besteht laut Anbieter vollständig aus Arabica. Und willst du wenigstens die Anbauregionen kennen, nennt Lavazza sie für die Cremoso: Südamerika und Südostasien.
Dann die Menge. Nach der Rechnung oben ist das Kilo bei zwei doppelten Espressi am Tag nach knapp vier Wochen leer, bei einem einfachen Espresso aus dem Vollautomaten erst nach gut vier Monaten. Über so eine Spanne verliert ein angebrochener Vorrat Aroma, auch gut verschlossen. Trinkst du nicht mehr als diesen einen Espresso am Tag, lohnt eher eine kleinere Packung, und unter dieser Artikelnummer gibt es nur das Kilo.
Bleibt das Aroma. Ist dir die von Pellini genannte Walnuss der Espressobar Vivace, der Lebkuchen der Classica oder der Tabak der Crema Intensa wichtig, frag vor der Bestellung beim Händler nach, welcher Beutel verschickt wird.
Was Pellini offenlässt
Für Röstkaffee gibt es weder Datenblatt noch Bedienungsanleitung, Pellini stellt zu den drei Vivace Beschreibungstexte und Zubereitungskarten online. Folgende Angaben haben wir dort, im Amazon-Katalog und in archivierten Fassungen der Pellini-Website gesucht, ohne sie zu finden:
- welche der drei Mischungen unter B00FGK5FPY verschickt wird
- das Verhältnis von Arabica zu Robusta, in Prozent oder als Anteil
- die Herkunftsländer der Rohkaffees
- Röstdatum, Mindesthaltbarkeit oder ein empfohlenes Verbrauchsfenster
- Hinweise zur Lagerung
- ob der Beutel ein Aromaventil hat und aus welchem Material er besteht
- der Koffeingehalt
- eine Säureangabe, als Wort oder auf einer Skala
- Zertifizierungen wie Bio, Fairtrade oder Rainforest Alliance
- eine Dosierung oder ein Mahlgrad speziell für diese Mischung
- der Röstort dieses konkreten Produkts
- eine unverbindliche Preisempfehlung



