Ein Kilo ganze Bohnen für ca. 13,63 Euro laut unserer Preisbox, auf der Vorderseite des Beutels eine 10 in einem kleinen Kreis. Wer wissen will, was hinter dieser 10 steckt, landet bei Gimoka in einer Sackgasse.
Deshalb vorweg die Quellenlage. Getrunken haben wir diese Bohne nicht, einen Beutel geöffnet auch nicht. Alles Produktspezifische in diesem Text stammt aus dem Amazon-Katalogeintrag zur ASIN B0871LJKTG und aus dem Produktfoto, das dort hinterlegt ist. Was Gimoka auf der eigenen Website schreibt, betrifft andere Sorten und das Unternehmen; wo wir es heranziehen, steht das dabei.
Eine Bohne, die der Röster selbst nicht führt
Die Produkt-Sitemap von gimoka.com zählt 164 Einträge, abgerufen am 24. September 2026. Ganze Bohnen stehen dort in drei Gruppen, und eine Bohne namens Classico steht in keiner davon. Unter Casa laufen Armonioso (500 g), Vellutato 100 Prozent Arabica (500 g), Gusto Ricco (1 kg), Gran Bar (1 kg) und Espresso (1 kg). Die Ho.Re.Ca.-Reihe für Gastronomie umfasst 5 Stelle, Aurum und Platinum, die Vending-Reihe für Automaten Armonioso, Bio Organic, Supremo, Cremoso und Intenso.
Der Umweg über einen deutschen Auftritt hilft nicht weiter: gimoka.de ist eine Platzhalterseite, gimoka.com/de leitet auf eine italienische Produktseite um, und auch das B2B-Portal b2b.gimoka.com führt keine Classico-Bohne. Wir haben zusätzlich die Quelltexte aller 13 Bohnenseiten nach dem Wort amazon durchsucht. Keine davon verlinkt einen Shop, auch keinen anderen.
Alles, was über diesen Artikel öffentlich bekannt ist, steht damit in einem Amazon-Eintrag. Der Katalog führt als Hersteller die Gruppo Gimoka S.p.A., als Variantenbezeichnung Aroma Classico und als Erscheinungsdatum den 18. Oktober 2024. Dieses Datum stammt aus der Katalogverwaltung und sagt nichts darüber, seit wann diese Mischung geröstet wird. Einsortiert ist der Beutel unter Lebensmittel und Getränke, Produktgruppe Grocery.
Intensität 10, und Gimokas Skala reicht bis 13
Im Amazon-Titel und in einem der Bullets steht die Zahl ohne Nenner: Intensität 10. Auf dem Produktfoto sitzt dieselbe Zahl in einem Kreis neben der Espressotasse.
Den Nenner liefert Gimoka auf der eigenen Website, allerdings für andere Sorten. Dort trägt jede Bohne eine Angabe im Format x/13: Gusto Ricco 13 von 13, Gran Bar 12 von 13, Espresso 9 von 13, Armonioso 8 von 13, Vellutato 100 Prozent Arabica 6 von 13. Die Hausskala geht also bis 13. Die 10 stammt aus Amazon, die Obergrenze von gimoka.com, und dass beide zur selben Skala gehören, ist plausibel, aber unbestätigt: Es ist unsere Zuordnung, Gimoka selbst ordnet die Classico dort nirgends ein. Unterstellt man sie, liegt die Bohne zwischen der Espresso mit 9 und der Gran Bar mit 12, also im oberen Drittel und nicht an der Spitze des Hausprogramms.
Wie dieser Röster das obere Ende beschreibt, lässt sich bei der Gusto Ricco nachlesen: eine starke und kraftvolle Mischung mit vollem, entschiedenem Geschmack, so steht es auf ihrer Produktseite. Das ist Gimokas Wortwahl für 13 von 13.
Über Markengrenzen hinweg taugt die Zahl ohnehin nicht als Maß. Segafredo stuft die Intermezzo mit 12 von 13 ein; auf der neueren Packung steht sie als 10 von 10, weil Segafredo dort auf eine Skala bis 10 umgestellt hat. Zwei Zehnen von zwei Röstern beschreiben zwei verschiedene Dinge, und umrechnen lässt sich das in keine Richtung.
Was in der Mischung steckt, benennt der Katalog mit zwei Wörtern: Arabica und Robusta. Robusta enthält ungefähr doppelt so viel Koffein wie Arabica, dazu weniger Zucker und weniger Fett. Wie stark das hier durchschlägt, hängt am Anteil.
Beim Röstgrad wird die Lage noch dünner, und die Aromaangaben widersprechen sich, zum Teil schon innerhalb des Katalogs. Der deutsche Katalogtext beschreibt die Mischung mit einem leichten und ausgewogenen Aroma und einem anhaltenden Nachgeschmack. Der Bullet zum Packungsformat spricht dagegen vom intensiven Aroma der Kaffeebohne, das die Schutzatmosphäre bewahren soll. Auf dem Beutel selbst steht über dem Markenzug in Großbuchstaben intenso e persistente, also intensiv und anhaltend. Eine Röstgradangabe ist keine dieser Formulierungen.
Was ein Röstgrad bedeuten würde, lässt sich trotzdem allgemein sagen, weil es an der Röstchemie hängt und nicht an der Marke. Je weiter die Röstung geht, desto mehr Chlorogensäuren zerfallen. Die Säure in der Tasse nimmt ab, Röstbitterstoffe nehmen zu, die Bohne verliert Masse und gewinnt Volumen, und sie wird spröder. Auf derselben Stufe deiner Mühle landet eine dunkle Röstung deshalb feiner als eine helle. Wer den Röstgrad kennt, hat damit einen Startwert für die Mühle.
Der Beutel: ein Kilo unter Schutzgas
Den Verpackungsschutz beschreibt der Katalog im Format-Bullet: eine Packung, 1 kg, abgefüllt in geschützter Atmosphäre. Gemeint ist Schutzgas. Beim Abfüllen wird der Sauerstoff verdrängt, üblicherweise durch Stickstoff, damit die Röstfette langsamer altern.
Bei ganzen Bohnen trägt dieser Schutz auch nach dem Öffnen weiter als bei Mahlkaffee. Pulver hat ein Vielfaches der Oberfläche und oxidiert entsprechend schneller, sobald Luft an den Beutel kommt; die ganze Bohne gibt ihr Aroma erst in der Mühle frei.
Ein Entgasungsventil arbeitet anders, auch wenn beides oft in einem Atemzug landet. Das Ventil wirkt erst nach dem Verschließen: Frisch gerösteter Kaffee stößt tagelang Kohlendioxid aus, das Ventil lässt es hinaus und keinen Sauerstoff hinein. Die Zutatenzeile, die Gimoka etwa der Gran Bar mitgibt, besteht nur aus der Angabe Caffè tostato. Confezionato in atmosfera protetta. Gerösteter Kaffee, abgefüllt unter Schutzatmosphäre.
Die Katalogmaße stehen in Zoll: 9,055 mal 4,921 mal 3,543, umgerechnet rund 23,0 mal 12,5 mal 9,0 Zentimeter. Auf dem Produktfoto steht der Beutel aufrecht, die 23 Zentimeter sind also die Höhe im Regal. Das Gewichtsfeld nennt 2,205 Pfund, rund 1 Kilogramm, und gibt damit die Füllmenge wieder, kein Versandgewicht.
Kurios ist der Bullet, der im Katalog mit Made in Italy überschrieben ist. Er handelt nicht von Italien, sondern von Verpackung: Die Gimoka Group beschäftige sich seit den 80er Jahren mit leicht recycelbaren und kompostierbaren Verpackungslösungen. Dazu passt der Satz auf der Unternehmensseite, man entwickle ausschließlich recycelbare Lösungen oder stelle sicher, dass die kompostierbaren als Sauerstoffbarriere wirken. Beides sind Aussagen über die Verpackungsentwicklung des Konzerns.
Passt die Classico in den Vollautomaten?
Nach unserer Einschätzung ja: ganze Bohnen, ein Kilo, jeder Bohnen-Vollautomat mahlt sie, und für die Mühle vor dem Siebträger gilt dasselbe.
Was Gimoka seinen gelisteten Sorten mitgibt, klingt enger. Auf den Produktseiten der Gusto Ricco und der Armonioso steht, die Bohne sei nach dem Mahlen für die Mokkakanne oder für eine Espressomaschine für zu Hause gedacht.
Praktisch entscheidet die Mühle über das Ergebnis: Du stellst auf Verdacht ein und korrigierst nach der Durchlaufzeit, statt dich an einer Empfehlung entlangzuhangeln. Wie du dich an der Mühle an die richtige Stufe herantastest, beschreibt der Ratgeber zum Mahlgrad Schritt für Schritt, und für Kaffee- und Wassermenge rechnet der Brüh-Rechner die Verhältnisse aus.
Was ein Kilo reicht und was die Tasse kostet
Weniger als die Classico kostet keine Bohne in unserem Vergleich. Der Amazon-Katalog notierte am 7. September 2026 13,85 Euro für dieselbe Packung, 22 Cent mehr als unsere Preisbox. An den folgenden Rechnungen ändert das nichts Wesentliches; wir rechnen mit dem Wert aus der Preisbox.
Zwei Annahmen sind dabei unsere eigenen: 7 Gramm für einen einfachen Espresso, 14 Gramm für einen doppelten. Der einfache kostet dann rund 9,5 Cent, der doppelte rund 19 Cent. Aus dem Kilo werden knapp 143 einfache oder 71 doppelte Bezüge.
Wer täglich zwei doppelte Espressi zieht, verbraucht 28 Gramm am Tag, 10,2 Kilogramm im Jahr und damit rund 139 Euro pro Jahr. Mit der Gimoka Armonioso zu ca. 15,34 Euro wären es bei gleichem Verbrauch rund 17 Euro mehr pro Jahr, mit der Segafredo Intermezzo zu ca. 17,19 Euro rund 36 Euro mehr pro Jahr und mit der 360 Grad Rundum Ehrlich Bio Honduras zu ca. 35,59 Euro rund 224 Euro mehr pro Jahr.
Was Gimoka zu dieser Bohne offenlässt
Die folgenden Angaben haben wir im Amazon-Katalog, auf gimoka.com und in der Produkt-Sitemap gesucht und nirgends gefunden:
- den Röstgrad, ob hell, mittel oder dunkel
- das Verhältnis von Arabica zu Robusta in Prozent
- die Ursprungsländer der Rohkaffees
- den Röstort, über die Angabe Italien hinaus
- Röstdatum, Mindesthaltbarkeit und eine Verbrauchsdauer nach dem Öffnen
- eine Lagerempfehlung für diesen Artikel
- eine Mahlgrad- oder Dosierempfehlung
- die vorgesehene Zubereitungsart, also Vollautomat, Siebträger, Mokkakanne oder Filter
- einzelne Aromanoten wie Schokolade, Nuss, Frucht oder Gewürz
- Aussagen zu Säure und Bitterkeit
- Angaben zur Crema
- Koffeingehalt und Nährwerte
- Siegel wie Bio, Fairtrade oder Rainforest Alliance
- das Verpackungsmaterial des Kilobeutels, ein Entgasungsventil und ob er sich wiederverschließen lässt
Was kommt sonst infrage?
| Sorte | Röstung und Herkunft | Preis pro kg | Unsere Wertung | Nimm diese, wenn |
|---|---|---|---|---|
| Gimoka Classico (diese) | Röstgrad nicht ausgewiesen, Arabica und Robusta ohne Verhältnis, laut Katalog in Italien hergestellt | ca. 13,63 € | 8,5 | du beim Kilopreis sparen willst und ohne Herstellerangaben zurechtkommst |
| Gimoka Armonioso | Von Gimoka selbst gelistet und beschrieben, Intensität 8 von 13 laut Herstellerseite | ca. 15,34 € | 8,1 | du bei derselben Marke bleiben, aber eine Sorte mit eigener Produktseite kaufen willst |
| Segafredo Intermezzo | Dunkel geröstet, Robusta-Mischung, 12 von 13 laut Segafredo, Mokkakanne laut Amazon-Titel und früherer Produktseite | ca. 17,19 € | 8,6 | du eine belegte dunkle Röstung brauchst statt einer Vermutung aus einer Intensitätszahl |
| 360 Grad Rundum Ehrlich Bio Honduras | Single Origin aus Honduras, bio-zertifiziert mit benannter Kontrollstelle, Röstverfahren vom Anbieter angegeben | ca. 35,59 € | 9,3 | du wenige Tassen am Tag trinkst und wissen willst, aus welchem Land die Bohne kommt |
Die Preise sind die Richtwerte aus unseren Preisboxen und bewegen sich im Handel täglich. Die Wertungen sind unsere redaktionelle Einschätzung; die 9,6 von 10 Punkten, die wir der Classico beim Preis-Leistungs-Verhältnis geben, bewerten den Kilopreis. Die Spalte Röstung und Herkunft gibt wieder, was der jeweilige Röster oder sein Katalogeintrag angibt, und genau darin unterscheiden sich die vier Zeilen am stärksten. Weitere Sorten mit Röstangabe findest du im Kaffeebohnen-Vergleich.
Wann die Classico passt und wann eine andere Bohne
Die erste Frage ist nicht der Preis, sondern deine Zubereitung. Vollautomat und Siebträger sind unproblematisch. Für Handfilter, Filtermaschine oder French Press würden wir diese Bohne nicht kaufen: Dort zieht das Mehl minutenlang in viel Wasser, und wie eine Röstung auf diese lange Kontaktzeit reagiert, hängt am Röstgrad. Brühst du im Handfilter und willst wissen, was du in den Trichter kippst, bist du mit der Bio Honduras aus der Tabelle besser beraten.
Der zweite Punkt ist die Menge. Bei zwei doppelten Espressi am Tag ist der Kilobeutel nach gut fünf Wochen leer, und Frische spielt in dieser Zeit nach unserer Einschätzung eine kleinere Rolle. Wer nur am Wochenende je zwei doppelte zieht, hat denselben Beutel rund vier Monate offen. Über das Alter der Bohnen im Beutel weiß man beim Kauf nichts, und für diesen Fall würden wir deshalb zu einer kleineren Packung greifen, etwa einer der 500-Gramm-Sorten aus Gimokas Casa-Reihe. Welche Rolle Sauerstoff, Licht und Wärme dabei spielen, steht im Ratgeber zu Kaffeebohnen.
Gimoka, der Röster hinter dem Beutel
Gimoka gehört zur Gruppo Gimoka mit Sitz in Cinisello Balsamo bei Mailand. Das Unternehmen schreibt über sich selbst, es sei nach verarbeitetem Kaffeevolumen der zweitgrößte Röster Italiens und seit den 80er Jahren eine der größten Röstereien des Landes, mit Kunden in über 50 Ländern. Rohkaffee-Einkauf, Röstung, Mahlung, Verpackung und Vertrieb laufen nach eigener Darstellung im eigenen Haus. Betreiber des Shops gimoka.com ist die Gruppo Gimoka S.p.A. mit der Umsatzsteuernummer IT00177230141.
Für Privatkunden, Gastronomie und Automaten führt der Konzern getrennte Bohnenreihen. Wer die Marke vom Kaffeeautomaten im Büro kennt, kennt deshalb womöglich eine andere Bohne als die im Kilobeutel.



