Der Bodum Pour Over ist eine Glaskaraffe mit aufgesetztem Kegel aus Edelstahlgewebe. Du füllst Kaffeemehl in den Kegel, gießt heißes Wasser darüber, und der Kaffee tropft direkt in die Kanne. Eine Filtertüte kommt dabei nicht vor. Bodum verkauft das Modell unter der Artikelnummer 11571-109 als Kaffeebereiter für 8 Tassen und 1,0 l, und dieselbe Nummer steht im Amazon-Eintrag, auf den wir verlinken. Dort kostet die Karaffe ca. 58,38 Euro (Stand September 2026). Als Erscheinungsdatum führt Amazon den 1. September 2016.
Wir hatten den Pour Over nicht in der Hand und haben damit keinen Kaffee gebrüht. Die Angaben stammen von der deutschen Produktseite auf bodum.com, aus der 15-seitigen mehrsprachigen Bedienungsanleitung in der Fassung V2.20190212 und aus Bodums Service-FAQ. Preise und Wertungen der anderen Geräte kommen aus unserem Katalog, ihre technischen Daten von den jeweiligen Herstellern.
Glas, Kork, ein Lederband und ein Kegel aus Edelstahl
Auf dem Produktfoto sitzt unten ein runder Glasbauch. Darüber zieht sich die Karaffe zu einer Taille zusammen, um die eine breite Korkmanschette liegt. Um den Kork ist ein Lederband geschlungen, dessen Enden mit einer dunklen Perle herabhängen. Oberhalb der Manschette weitet sich das Glas wieder, links sitzt der Ausguss. Der Filterkegel steckt von oben in der Öffnung. Sein Rand ist schwarz und läuft rechts in eine flache Lasche aus, an der du ihn greifst.
Bodum gibt die Maße mit 16,0 cm Breite, 13,6 cm Tiefe und 21,7 cm Höhe an. Dass die Breite die Tiefe um 2,4 cm übertrifft, dürfte am Ausguss und an der Filterlasche liegen, die seitlich überstehen, denn der Glasbauch ist auf dem Foto kreisrund.
Das Glas ist Borosilikatglas. Laut Bodum ist es porenfrei und nimmt weder Geschmack noch Aroma auf. Im Datenblatt der Produktseite steht außerdem eine Zeile, die leicht zu übersehen ist: Bruchsicher, nein. Borosilikatglas dehnt sich bei Erwärmung weniger aus als gewöhnliches Kalk-Natron-Glas und verträgt deshalb heißes Wasser in einer kalten Kanne besser. Gegen einen Stoß an der Spüle hilft das wenig.
Bei den Werkstoffen widersprechen sich Produktseite und Anleitung. Auf bodum.com lautet die Materialzeile Edelstahl, Kunststoff, Borosilikatglas, Silikon. Die Anleitung listet Borosilikatglas, Kunststoff, Edelstahl und Kork, dazu Leder bei der Ausführung 109 und Silikon bei 109A. Unser Produktfoto zeigt ein Lederband und passt damit zur Anleitung. Welches Band heute ausgeliefert wird, bleibt trotzdem offen. An der Pflege ändert es nichts, wie der Abschnitt zur Spülmaschine zeigt.
Im Detail: Was ein Metallfilter durchlässt und Papier nicht
Papier filtert auf zwei Wegen. Die Zellstofffasern bilden ein dichtes, unregelmäßiges Geflecht, in dem feine Partikel hängen bleiben, und an ihrer Oberfläche binden sie einen Großteil der Kaffeeöle. Ein Edelstahlgewebe arbeitet nur mechanisch. Was kleiner ist als eine Masche, läuft durch, und das gilt für die Öltröpfchen ebenso wie für einen Teil der feinsten Mahlpartikel, im Fachjargon Fines genannt.
Was das für die Tasse bedeutet, folgt aus der Physik, auch ohne dass wir probiert haben. Schwebende Partikel und emulgiertes Öl machen den Kaffee trüber und geben ihm ein schwereres Mundgefühl, das man in der Kaffeesprache Körper nennt. Am Boden von Kanne und Tasse setzt sich ein feiner Satz ab. Bodum beschreibt dieselbe Wirkung von der anderen Seite: Die natürlichen ätherischen Öle des Kaffees blieben erhalten, heraus komme ein vollmundiger, weich schmeckender Kaffee mit robustem Aroma. Das ist Werbesprache. Ob dir diese Art Kaffee schmeckt, entscheidet dein Gaumen, nicht das Datenblatt.
Ein zweiter Punkt betrifft die Gesundheit. Kaffeeöl enthält die Diterpene Cafestol und Kahweol. Die Übersichtsarbeit von Urgert und Katan (Annual Review of Nutrition, 1997) beschreibt Cafestol als den Stoff, der ungefilterten Kaffee cholesterinerhöhend macht, und Papierfilter halten ihn weitgehend zurück. Ein Metallgewebe tut das nicht, darin gleicht der Pour Over eher einer French Press als einem Papierfilter. Wer auf seine LDL-Werte achten muss, sollte das vor dem Kauf wissen.
Beim Mahlgrad hängt beides zusammen. Je feiner du mahlst, desto mehr Fines entstehen, und bei einem Gewebe landet davon ein größerer Anteil in der Kanne. Unser Schluss daraus: Ein Metallfilter verträgt eher die gröbere Hälfte des Filterbereichs, also mittel bis mittel-grob. Wie du deine Mühle dorthin bringst, beschreibt unser Ratgeber Mahlgrad einstellen.
Vier Schritte, zwei Stellen mit Tücken
Bodum beschreibt die Zubereitung in vier Schritten. Zuerst kommt frisch gemahlener Filterkaffee in den Kegel, für jede Tasse von 1,25 dl ein gehäufter Teelöffel oder ein Bodum-Messlöffel. Dann gießt du langsam und in kreisenden Bewegungen heißes, aber nicht kochendes Wasser auf, bis das Mehl gleichmäßig durchfeuchtet ist, und füllst anschließend bis zur maximalen Füllmenge nach. Im dritten Schritt läuft das Wasser durch das Kaffeemehl und tropft in die Glaskanne, laut Produktseite dauert das etwa vier Minuten. Zum Schluss nimmst du den Filter ab und setzt den Kunststoffdeckel auf.
Die erste Tücke steckt im Abnehmen. Unter der Überschrift Verbrühungsgefahr verlangt die Anleitung, dass das heiße Wasser komplett durch den Filter gelaufen ist, bevor du ihn von der Kanne hebst. Ein Kegel, in dem noch Wasser steht, tropft beim Anheben auf Hand und Arbeitsfläche.
Die zweite ist die Temperatur. Der deutsche Text bleibt bei heiß, aber nicht kochend. Genauer wird der japanische Teil derselben Anleitung, dort stehen etwa 90 bis 95 °C und der Rat, kein frisch sprudelndes Wasser zu nehmen. Die Specialty Coffee Association nennt für Filterkaffee 195 bis 205 °F, rund 90,5 bis 96 °C, die japanische Angabe liegt also weitgehend in diesem Bereich. Ohne Wasserkocher mit Temperaturwahl lässt du das Wasser nach dem Aufkochen kurz stehen.
Einen Kessel mit Schwanenhals verlangt die Anleitung nicht. Das langsame, kreisende Aufgießen, das sie beschreibt, gelingt damit nach unserer Einschätzung aber leichter als mit dem breiten Ausguss eines gewöhnlichen Wasserkochers. Wenn du in Gramm statt in Löffeln arbeiten willst, rechnet der Brüh-Rechner die Mengen für deine Wassermenge aus.
Rechnet sich der Verzicht auf Papierfilter?
In Euro nur langsam. Ein Papierfilter kostet je Aufguss ein paar Cent, und genau diese Cent spart der Bodum, solange sein Edelstahlkegel hält. Wir halten den Abfall für das stärkere Argument: Du kaufst keine Filter nach und wirfst kein Papier weg.
Wie klein der Betrag ist, zeigt ein Hersteller, der seine Filterpreise offenlegt. Chemex verlangt im eigenen US-Shop 11,00 Dollar für 100 gefaltete Bonded-Filter FS-100, rund 11 US-Cent je Stück. Wer jeden Tag eine Karaffe brüht, verbraucht 365 Filter im Jahr und landet bei etwa 40 Dollar. Chemex bezeichnet diese Filter als kompostierbar, sie wandern also mitsamt dem Satz in die Biotonne.
Beim Bodum fällt der Posten weg, der Kaffeesatz bleibt. Du leerst den Kegel nach jedem Aufguss aus, und wir würden das Gewebe dann gleich durchspülen, bevor der Satz in den Maschen antrocknet. Ist der Kegel eines Tages verbeult oder verstopft, listet Bodum im Shop einen Permanenten Edelstahlfilter 1,0 l mit Griff unter der Nummer 12110-01S für 19,90 Euro. Dass genau dieser Kegel auf die 11571-109 passt, steht auf der Seite allerdings nirgends. Der Name mit 1,0 l und Griff spricht dafür, zugesagt ist es nicht.
Spülmaschine, Kork und die Sicherheitshinweise
Die Anleitung knüpft die Spülmaschine an eine Bedingung, ihr Wortlaut: „trennen Sie den Kork und das Leder (109) / den Kork und das Silikon (109A) von dem Glas und spülen Sie es in der Spülmaschine.“ Auf der Symbolseite steht Dishwasher safe mit Sternchen, die Fußnote dazu lautet „The leather and the cork are not dishwasher safe.“ Vor dem ersten Gebrauch soll die Karaffe laut Produktseite in warmem Seifenwasser gespült und gründlich abgetrocknet werden. Aus eigener Vorsicht würden wir den Kork beim Abwaschen von Hand nicht einweichen und erst vollständig trocken wieder auf das Glas schieben.
Schon in Schritt 1 verlangt die Anleitung eine wärmebeständige, rutschfeste Oberfläche, die Produktseite ergänzt: flach. Unter der Überschrift Sicherheitsanweisungen folgen im deutschen Teil diese sechs Punkte:
- Nicht für die Verwendung auf einer Herdplatte oder im Ofen geeignet.
- Nur gemahlenen Filterkaffee verwenden.
- Der Reinigungshinweis mit dem Abnehmen von Kork und Band, oben im Wortlaut zitiert.
- Die Glaskanne auf Kratzer, Risse oder Abplatzungen prüfen.
- Kinder vom Kaffeebereiter fernhalten, während er benutzt wird, weil heißes Wasser eine Gefahr für kleine Kinder ist.
- Kinder dürfen den Kaffeebereiter nicht benutzen.
Dazu kommt die Warnung vor Verbrühungen beim Abnehmen des Filters, die oben bei den vier Schritten steht. Die Symbolseite fasst den Kinderschutz in einem Satz zusammen: „Boiling water and children should be kept apart.“ Beim vierten Punkt geht der englische Teil einen Schritt weiter als der deutsche. Dort folgt auf das Prüfen die Konsequenz: „Do not use a pot which is scratched, chipped or cracked.“
Der japanische Teil enthält Hinweise, die im deutschen fehlen. Er untersagt die Mikrowelle und das Abstellen neben offenem Feuer, und er schließt Scheuerschwämme mit Schleifmittel, Metallschwämme und Scheuerpulver aus. Das Glas ist dort als hitzebeständig mit einer zulässigen Temperaturdifferenz von 120 °C ausgewiesen. Gießt du 95 °C heißes Wasser in eine Karaffe mit Raumtemperatur, beträgt der Temperatursprung rund 75 Grad und bleibt damit deutlich unter dieser Grenze.
Was Bodum offenlässt
Einige Angaben, nach denen Käufer fragen, fehlen in allen Bodum-Quellen, die wir ausgewertet haben:
- das Gewicht der Karaffe und die Standfläche des Glasfußes (16,0 x 13,6 cm sind Außenmaße, vermutlich samt Ausguss und Filterlasche),
- Maschenweite und Lagenzahl des Edelstahlgewebes (mehrlagig heißt der Filter nur im Amazon-Titel, auf bodum.com taucht das Wort nirgends auf),
- eine Liste des Lieferumfangs; die Anleitung setzt Karaffe, Filter, Deckel und Manschette voraus, ob der dort erwähnte Bodum-Messlöffel in Deutschland beiliegt, ist nicht belegt,
- eine Pflegeanweisung für Korkmanschette und Lederband; Bodum sagt nur, dass beide nicht in die Spülmaschine dürfen,
- eine Garantiefrist in Jahren für Deutschland,
- ein Hinweis zum Entkalken,
- ein Abschnitt zum bestimmungsgemäßen Gebrauch.
Die Amazon-Daten helfen bei diesen Lücken nicht weiter, sie widersprechen Bodum teils sogar. Der Titel nennt 14 x 16,3 x 20,2 cm, die Katalogfelder 10,75 x 7,38 x 9 Zoll, umgerechnet rund 27,3 x 18,7 x 22,9 cm, dazu 0,98 Pfund, also rund 445 g. Worauf sich diese Werte beziehen, geht aus dem Eintrag nicht hervor, vermutlich auf die Verpackung. Außerdem spricht Amazon von 6 Einheiten, ohne zu sagen, was damit gemeint ist, und führt als Farbe Transparent, während Bodum die Ausführung Cork nennt.
Was kommt sonst infrage?
| Modell | Der Unterschied | Preis | Unsere Wertung | Nimm dieses, wenn |
|---|---|---|---|---|
| Bodum Pour Over 1 l (dieses) | Edelstahl-Permanentfilter, 1,0 l in einem Aufguss | ca. 58,38 € | 7,6 | du ohne Papier und ohne Strom bis zu acht kleine Tassen auf einmal brühen willst |
| Chemex Karaffe 6 Tassen | Bonded-Papierfilter, laut Chemex 30 oz, rund 887 ml | ca. 56,67 € | 8,9 | du eine klare Tasse willst und dafür dauerhaft Filter nachkaufst |
| Hario V60 Starter Set | Kunststoff-Dripper Größe 02 mit 600-ml-Server und Papierfiltern | ca. 24,87 € | 8,6 | du meist ein bis vier Tassen brühst und wenig ausgeben willst |
| Moccamaster KBG Select | elektrische Maschine mit 92 bis 96 °C Brühtemperatur laut Hersteller | ca. 259,00 € | 9,5 | du morgens nicht selbst aufgießen willst |
Die Preise sind die Richtwerte aus den Preisboxen der jeweiligen Reviews und ändern sich laufend. Die Wertung ist unsere redaktionelle Einschätzung. Welcher der vier Bereiter den besseren Kaffee macht, beantwortet die Tabelle nicht.
Wann der Pour Over passt und wann nicht
Die Menge zuerst. Bodums Tasse misst 1,25 dl, acht davon ergeben den Liter. In Bechern zu 250 ml sind das vier. Wer morgens allein ein oder zwei Becher trinkt, bezahlt beim Bodum für Kapazität, die er selten nutzt. Das Hario V60 Starter Set ist laut Hario für ein bis vier Tassen gebaut und kostet in unserem Katalog 33,51 Euro weniger als der Bodum, arbeitet allerdings mit Papier.
Dann die Tasse selbst. Soll der Kaffee klar sein und ohne Satz, spricht alles für Papier, und dann würden wir zur Chemex Karaffe 6 Tassen greifen. Sie kostet 1,71 Euro weniger als der Pour Over und liegt in unserer Wertung mit 8,9 deutlich vor seinen 7,6. Laut Chemex sind die Bonded-Filter 20 bis 30 Prozent dicker als das Papier der meisten Wettbewerber und halten Fette und Sedimente zurück, also genau das, was das Edelstahlgewebe durchlässt. Dasselbe gilt, wenn du wegen des Cafestols aus dem Detailteil oben gefilterten Kaffee trinken solltest.
Warmhalten ist der dritte Punkt. Auf die Herdplatte darf die Bodum-Karaffe nicht (Sicherheitshinweis 1). Chemex erlaubt für seine Karaffe dagegen eine kleine Gasflamme, und die Moccamaster KBG Select hält die Kanne auf einer eigenen Platte bei 80 bis 85 °C, bis sie sich 40 Minuten nach Brühbeginn abschaltet. Wer eine Karaffe über den Vormittag verteilt trinkt, wird mit dem Pour Over nach unserer Einschätzung nicht froh, es sei denn, er füllt den Kaffee gleich in eine Isolierkanne um.
Beim Zeitbudget zählt weniger der Durchlauf als die Hand am Kessel. Beim Pour Over stehst du beim Aufgießen daneben. Die Moccamaster läuft allein, kostet aber 200,62 Euro mehr und ist mit 36 cm gut 14 cm höher als der Bodum, was unter einem tief hängenden Oberschrank zählt. Weitere Handfilter und ihre Unterschiede sammelt unser Handfilter-Vergleich, alle Bereiter der Kategorie stehen unter Filterkaffee und Pour-Over.
Die falsche Wahl ist der Pour Over außerdem für Haushalte, in denen öfter eine Glaskanne zu Bruch geht. Ein Ersatzglas für die 1-l-Karaffe haben wir bei Bodum nicht gefunden, nach einem Sturz musst du nach heutigem Stand der Übersicht wohl die ganze Karaffe neu kaufen.



