Maestri House verkauft diese Waage unter mehreren Namen. Im deutschen Amazon-Angebot heißt sie S2 Mini-Kaffeewaage mit Timer, auf der Herstellerseite S2 Glass Surface Digital Espresso Scale, und auf dem Deckblatt der Bedienungsanleitung stehen gleich zwei Kennungen nebeneinander, die Modellnummer K112 und ein S1 G. Gemeint ist jedes Mal dasselbe Gerät: eine quadratische Glasplatte mit 105 Millimetern Kantenlänge, die auf 0,1 Gramm genau anzeigt und die Bezugszeit mitzählt. Bei Amazon kostet sie ca. 29,99 Euro (Stand September 2026), im Shop des Herstellers steht sie mit 36,99 US-Dollar.
Hinter der Marke steckt ein Unternehmen, das sich selbst auf 2020 als Gründungsjahr datiert und seine Adresse in Houston, Texas, angibt. Im Handbuch beschreibt es sich als Anbieter von Kaffeeausrüstung für Enthusiasten, die ästhetisch ansprechend und funktional sein soll. Dasselbe Handbuch liegt auf der Download-Seite des Herstellers als PDF bereit, mit einem englischen und einem deutschen Teil.
Wir hatten die Waage nicht auf der Arbeitsplatte stehen. Jede Zahl in diesem Text stammt aus der deutschen Bedienungsanleitung zum Modell K112, von maestrihouse.com oder aus dem deutschen Amazon-Angebot samt Katalogdaten, abgerufen am 7. September 2026. Preise und Wertungen in der Tabelle weiter unten kommen aus unserem eigenen Katalog.
Eine Glasplatte, 105 Millimeter im Quadrat
Das Handbuch führt 105 x 105 x 19 Millimeter, die Katalogdaten des deutschen Amazon-Angebots kommen mit 10,49 x 10,49 x 1,98 Zentimetern auf praktisch dieselben Werte. Das Produktfoto zeigt eine ebene Platte mit abgerundeten Ecken, ohne Rand und ohne aufgesetzte Wiegeschale, und sie liegt dort auf einer Handfläche.
Beim Eigengewicht gehen die Quellen auseinander: 300 Gramm im Handbuch, 0,75 Pfund und damit rund 340 Gramm auf der Produktseite, 0,7275 Pfund und damit rund 330 Gramm im Amazon-Katalog. Vierzig Gramm Unterschied ändern am Wiegen nichts und am Rucksackgewicht auch nicht, sie zeigen nur, wie sorgfältig die Datenblätter gepflegt sind.
Die Wiegefläche ist Borosilikatglas, der Rest ABS-Kunststoff, als Farbe führt der Amazon-Katalog Schwarz und Silber. Die LED-Anzeige sitzt unter dem Glas und wird erst sichtbar, wenn sie leuchtet; Maestri House bewirbt das als versteckte Anzeige mit berührungsempfindlicher Steuerung. Fünf Stellen sind laut Handbuch das Maximum.
Links im Display läuft die Zeit, rechts steht das Gewicht, darunter liegen die beiden Tastenfelder TIMER und ZERO/POWER. Neben der Einschalt- und Tariertaste auf dem Glas nennt die Anleitung zum Einschalten einen Kippschalter auf der Rückseite. Steht der Kippschalter auf ON, kalibriert sich die Waage laut Anleitung selbst und setzt die Anzeige auf null.
Im Detail: was 0,1 Gramm am Rezept ändert
Ein Espressorezept besteht aus drei Zahlen: wie viel Kaffeemehl ins Sieb kommt, wie viel Espresso herauslaufen soll, wie lange das dauert. Die ersten beiden bilden das Brühverhältnis. Bei 18 Gramm Einwaage und 36 Gramm in der Tasse ist das 1:2.
Rechne einmal mit einem Gramm Fehler. Aus 18 werden 19 Gramm, das Verhältnis rutscht auf 1:1,9, und der Fehler beträgt gut fünf Prozent der Dosis. Eine Waage mit ganzen Gramm als Schrittweite zeigt zwar den Wechsel von 18 auf 19, aber nichts dazwischen: Alles zwischen 17,5 und 18,4 Gramm steht als 18 im Display, der blinde Bereich ist also fast ein ganzes Gramm breit. Mit einem Anzeigeschritt von 0,1 Gramm schrumpft dieser blinde Bereich auf ein Zehntel davon, und genau darauf zielt die Zahl im Datenblatt. Im Handbuch steht sie in der Spezifikationstabelle als „Genauigkeitswert 0.1g“. Auflösung und Genauigkeit sind trotzdem zweierlei: Der Anzeigeschritt sagt, wie fein die Waage rechnet, nicht, wie nah sie am wahren Wert liegt.
Nach unten beginnt der Messbereich laut Amazon-Angebot bei 0,5 Gramm, nach oben endet er bei 2.000 Gramm. Beide Enden sind beim Espresso weit vom Alltag entfernt. Welches Brühverhältnis zu deiner Bohne und deinem Sieb passt, rechnet der Brüh-Rechner aus.
Der Timer, zwei Modi und eine Obergrenze bei 9:59
Manuell oder automatisch, beides ist möglich. Den automatischen Modus schaltest du ein, indem du die Timer-Taste zwei Sekunden hältst; im Display erscheint dann ein Wassertropfen als Kennzeichen. Danach startet die Zeit mit dem Flüssigkeitsstrom, und der englische Teil der Anleitung schränkt gleich ein, dass der Start je nach Stabilität des Flusses leicht verzögert einsetzen kann.
Nach oben ist bei 9:59 Schluss, also nach neun Minuten und 59 Sekunden. Ein Espresso ist lange vorher durch, ein Handfilter je nach Rezept ebenfalls. Für Cold Drip, der über Stunden tropft, ist die Anzeige zu kurz gebaut; dort zählt eine zweite Uhr die Zeit.
Die zweite Zahl, die den Ablauf begrenzt, sind fünf Minuten: So lange wartet die Waage ohne Bedienung, dann geht sie in den Schlafmodus. Was dabei als Bedienung gilt, lässt die Anleitung offen. Wer beim Handfilter zwischen zwei Güssen trödelt oder die Bohnen erst mahlt, wenn der Dripper schon steht, sollte das im Kopf haben.
Strom: 500 mAh, USB-C und ein Netzteil, das fehlt
Im Gehäuse steckt ein Lithium-Ionen-Akku mit 500 Milliamperestunden, geladen wird über einen Typ-C-Anschluss mit 5 Volt und 1 Ampere. Bis zu 90 Tage soll eine Ladung durchhalten, so bewirbt es der Hersteller.
Wird der Akku knapp, blinkt die Anzeige; ist er leer, steht LO im Display. Vorher sollte das Kabel dran gewesen sein, denn den Betrieb während des Ladens schließt die Anleitung ausdrücklich aus. Liegt sie länger ungenutzt in der Schublade, rät die Anleitung dazu, sie einmal im Monat ans Kabel zu hängen.
Im Karton liegen die Waage, eine Silikonunterlage, ein USB-C-Kabel und das Handbuch. Ein Netzteil fehlt, und weil 5 Volt bei 1 Ampere kein besonderer Anspruch sind, tut es jedes Handyladegerät im Haushalt.
Wasserdicht? Der Hersteller sagt beides
Das ist der unangenehmste Punkt an diesem Gerät, und er lässt sich nicht glätten. In der deutschen Bedienungsanleitung steht wörtlich: „Die elektronische Waage ist nicht wasserdicht. Waschen Sie sie nicht mit Wasser und halten Sie den Ladeanschluss trocken.“
Auf der Produktseite bewirbt derselbe Hersteller dieselbe Waage mit einer Oberfläche aus Borosilikatglas, die wasserdicht und leicht zu reinigen sei. Das Amazon-Angebot verspricht Wasserdichtigkeit ebenfalls, und beim mitgelieferten Silikonpad taucht das Wort ein drittes Mal auf.
Unsere Einschätzung: Im Zweifel gilt die Anleitung. Sie liegt dem Gerät bei, sie ist das Dokument, auf das sich ein Servicefall stützt, und sie ist die konkretere der beiden Quellen, weil sie sagt, was zu unterlassen ist. Zur Reinigung nennt sie genau ein Mittel: Vor dem ersten Gebrauch soll die Waage laut Handbuch mit einem sauberen Tuch gereinigt werden. Praktisch heißt das: mit einem sauberen Tuch abwischen, nicht mit Wasser waschen, Ladebuchse trocken halten.
Beim Silikonpad geht es ohnehin um mehr als Wasser. Für die blanke Glasfläche stehen im Handbuch -10 bis 60 Grad Celsius, mit aufgelegter Unterlage sind es -20 bis 100 Grad. Diese 40 Grad nach oben sind der eigentliche Grund für das Pad: Frisch gebrühter Kaffee ist heißer als 60 Grad, und Tasse oder Kanne geben die Wärme nach unten ab. Maestri House nennt für die abnehmbare Unterlage vier Eigenschaften: wasserdicht, rutschfest, kratzfest und wärmeisolierend. Die erste davon steht unter demselben Vorbehalt wie oben. Im Handbuch rät der Hersteller ohnehin dazu, das Pad zu benutzen, weil es Oberfläche und Innenteile schützt. Wer sie abnimmt, weil die blanke schwarze Platte besser aussieht, nimmt genau diesen Schutz weg.
Was Maestri House nicht angibt
Einiges bleibt offen, und ein Teil davon zählt beim Kauf. Zur Ladezeit des 500-mAh-Akkus findet sich keine Zahl, ebenso wenig zu Ladezyklen oder zu der Frage, ob der Akku überhaupt tauschbar ist. Belegt sind nur die Außenmaße, nicht die Fläche, die am Ende wirklich zum Wiegen taugt, und ob ein 58-Millimeter-Siebträger darauf sicher steht, sagt der Hersteller nirgends. Zur Höhe unter der Brühgruppe, zur Ziffernhöhe im Display, zu einer Hintergrundbeleuchtung, zur Aktualisierungsrate der Anzeige und zu der Gewichtsänderung, ab der der Auto-Timer anspringt, gibt es ebenfalls keine Angaben. Die Unterseite und ihre Füße beschreibt niemand, rutschfest ist ausdrücklich nur das Silikonpad, und ob dieses Pad in die Spülmaschine darf, bleibt offen. Zur Messabweichung bei 2.000 Gramm, zu einer Eichung, zu CE- oder RoHS-Nachweisen (im Handbuch steht allein der Entsorgungshinweis nach WEEE) und zum Produktionsland taucht nichts auf. Ersatzteile sind im Shop weder als Pad noch als Kabel noch als Akku gelistet. Bluetooth, App oder Datenexport erwähnt keine der Quellen, ausdrücklich ausgeschlossen hat der Hersteller sie aber auch nicht. Und die Herstellerseite ist durchgehend englisch, Deutsch findest du nur im hinteren Teil des Handbuchs.
Was kommt sonst infrage?
Drei Artikel aus unserem Katalog stehen bei dieser Entscheidung realistisch daneben, und nur einer davon wiegt.
| Modell | Der Unterschied | Preis | Unsere Wertung | Nimm diese, wenn |
|---|---|---|---|---|
| Maestri House S2 (diese) | 0,1 Gramm bis 2.000 g, Timer bis 9:59, 105 mm im Quadrat | ca. 29,99 € | 8,6 | fast nur Espresso auf die Platte kommt und wenig Platz ist |
| Bagail Kaffeewaage | 3.000 g Maximallast bei gleicher Auflösung, größere Grundfläche | ca. 39,99 € | 8,4 | eine einzige Waage Espresso und Filterkanne abdecken soll |
| Normcore WDT-Werkzeug V2.1 | Kein Messgerät: verteilt nur das Mehl im Sieb | ca. 25,99 € | 9,4 | du schon eine Feinwaage hast und dein Bezug ungleichmäßig läuft |
| Subminimal Flick | Nadelwerkzeug mit einfahrbaren Nadeln, gleicher Preisrahmen | ca. 29,95 € | 9,1 | dein Rezept steht und nur die Verteilung im Sieb fehlt |
Die Preise sind Richtwerte zum Stand September 2026, die Wertungen unsere redaktionelle Einschätzung aus Datenlage und Ausstattung. Was die Tabelle nicht leistet: Sie vergleicht keine Messwerte. Niemand hat die vier Artikel nebeneinander auf eine Prüfeinrichtung gestellt. Den ganzen Bereich versammelt die Bestenliste Barista-Zubehör.
Wann diese Waage, wann eine größere
Die erste Frage ist die Zubereitung. Für Espresso liegt die Obergrenze von 2.000 Gramm so weit weg, dass sie nie stört: Siebträger, Tasse und Kaffee zusammen bleiben deutlich darunter. Beim Filterkaffee steht mehr als der Kaffee auf der Platte, und das Wasser wiegt darunter am meisten. Wer regelmäßig eine Kanne für mehrere Personen brüht, landet an der Grenze, und dann ist die Bagail mit 3.000 Gramm Maximallast die passendere Anschaffung, auch wenn sie mit ca. 39,99 Euro zehn Euro mehr kostet.
Der zweite Punkt ist der Platz. 105 Millimeter im Quadrat sind wenig, 19 Millimeter Bauhöhe kosten kaum Abstand zum Auslauf, und beides zusammen entscheidet, ob die Waage dauerhaft auf der Tropfschale wohnt oder nach jedem Bezug in die Schublade wandert. Diese Entscheidung fällt nicht nur nach Geschmack: Wer die Waage nach jedem Bezug wegräumt, schaltet sie am nächsten Morgen über den Kippschalter wieder ein und wartet erst einmal die Selbstkalibrierung ab.
Dritter Punkt, gern übersehen: Wie nass geht es bei dir zu? Wer Siebträger und Kännchen nach jedem Bezug unter den Wasserhahn hält und das Zubehör gleich mit abspült, handelt sich mit einer Waage, die laut Anleitung nicht gewaschen werden darf, ein tägliches Ärgernis ein.
Der vierte Punkt ist die Stromfrage. Ein eingebauter Akku, der geladen statt gewechselt wird, spart den Batteriekauf und kostet Unabhängigkeit: Steht die Waage leer da, hilft nur das Kabel. Mit Wechselbatterien wärst du in derselben Minute wieder betriebsbereit, dafür kaufst du regelmäßig Zellen nach.
Bleibt die Reihenfolge im Budget. Rund 30 Euro sind im Zubehörregal kein kleiner Posten, für dasselbe Geld bekommst du ein Verteilwerkzeug. Was zuerst dran ist, hängt daran, was schon da steht. Unser Ratgeber Barista-Zubehör: die Grundausstattung setzt die Feinwaage mit 0,1 Gramm an den Anfang, weil ohne sie jede spätere Änderung am Rezept im Ungefähren bleibt.
Für wen geeignet?
Am Vollautomaten schrumpft die Aufgabe. Dosieren, Verteilen und Pressen erledigt die Brühgruppe, an das Pulver kommst du gar nicht heran. Übrig bleibt das Wiegen der Bohnen, wenn du wissen willst, wie viel Gramm pro Tasse durch das Mahlwerk gehen, und dafür brauchst du weder 0,1 Gramm Auflösung noch einen Timer. Bei Kapsel- und Padmaschinen fällt auch das weg.
Für den Siebträger ist der automatische Modus dagegen gebaut. Die Anleitung widmet ihm ein eigenes Kapitel für die Espressomaschine, und dort steht der Satz, auf den es ankommt: Hört die Maschine auf, Kaffee in die Tasse laufen zu lassen, hören Wiegen und Zeitmessung auf. Am Handfilter gießt du selbst auf, in Schwallen mit Pausen dazwischen, und ein so klares Stoppsignal fehlt dort. In unserer Kategorie Barista-Zubehör steht die S2 damit neben den Verteilwerkzeugen als das Gerät, das den Rest überhaupt erst überprüfbar macht.
Falsch ist sie überall dort, wo das Wiegeergebnis vor jemand anderem bestehen muss. Wer Kaffee nach Gewicht verkauft, braucht ein prüfbares Messergebnis. Wer ihn trinkt, nicht.



